Handelsblatt News

Unvollendete Mission

Nun also doch: Alain Caparros gibt seinen Posten als Chef von C & A Europa aus gesundheitlichen Gründen ab. Der 62-Jährige, der 2017 bei dem Bekleidungsunternehmen als Modernisierer angetreten war und im Herbst 2018 einen Herzinfarkt erlitt, hört offenbar auf den Rat seiner Ärzte. "Ich habe das Unternehmen mit Leidenschaft und Engagement geführt. Leider sehe ich mich aufgrund meines Herzinfarkts im vergangenen Jahr nicht mehr in der Lage, meine Position mit dem erforderlichen Einsatz auszufüllen", erklärte er am Mittwochmittag. Es ist ein plötzlicher, radikaler Schritt für den Manager, der zuvor den Lebensmittelkonzern Rewe geführt und grundlegend saniert hatte. Noch im vorigen November gab er sich vor Vertretern der Textilbranche in Düsseldorf unerschütterlich und kampfeslustig. Freimütig erzählte der in Algerien geborene und in Frankreich aufgewachsene Firmenchef von seinem Infarkt, dem Krankenhausaufenthalt zuvor und gab zu: Die gesundheitliche Grenzerfahrung habe ihn dazu gebracht,

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Luxusversorgung Dax-Vorstand

Dieser Bilanzposten hat es in sich: Auf 2,98 Milliarden Euro summieren sich die Pensionsrückstellungen für ehemalige Vorstände. Die Summe wird sich sogar noch erhöhen, weil erst 25 Dax-Gesellschaften ihre Bilanzen für 2018 vollständig geöffnet haben. Da schlummern Milliarden, die auf Abruf warten. Allerdings nicht durch Tausende Angestellte und Arbeiter, die einst zum Wohle der Firma schafften und nun ihren Ruhestand genießen. Dieser Betrag ist ausschließlich für gerade mal hundert Kräfte reserviert, die Ex-Topmanager. Die Hälfte aller Dax-Unternehmen muss finanzielle Vorsorge in sogar dreistelliger Millionenhöhe treffen, um die vertraglichen Ansprüche ihrer Ex-Vorstände im Ruhestand abzusichern. An der Spitze steht Volkswagen. Die Wolfsburger haben 324 Millionen Euro auf die Seite gelegt. Aber auch Daimler, Thyssen-Krupp, Telekom oder Bayer sorgen mit hohem Aufwand dafür, dass ihre einstigen Führungskräfte ein auskömmliches Leben führen können und stellen Millionenbeträge zurück (siehe

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Milliardenstrafe für Google

Die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager ficht mit Google einen wegweisenden Kampf aus. Es geht um nicht weniger als die wirtschaftspolitische Einordnung der Digitalkonzerne, die für die sogenannte Plattform-Ökonomie stehen. Unternehmen wie Google, Facebook, Airbnb, Uber und Netflix praktizieren eine Form des Wirtschaftens, für das es noch nicht in jeder Hinsicht ausreichende Formen der Regulierung gibt. Zweimal hat Vestager der Alphabet-Tochter Google bereits eine empfindliche Geldstrafe aufgebrummt. Am Mittwoch folgte nun die dritte Kartellstrafe - innerhalb von nur zwei Jahren. Eines ist klar: Die Wettbewerbskommissarin macht Druck. Am Mittwoch ging es um das Herzstück des Suchmaschinenkonzerns: um das Werbegeschäft. Google muss eine Geldbuße von 1,49 Milliarden Euro zahlen, weil, so der Vorwurf der Wettbewerbshüter, Google seine dominante Stellung im digitalen Werbemarkt missbraucht habe. Konkret hat die EU die Google-Plattform Adsense und dessen Unterprodukt "Adsense for

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Deutsch-französische Industriepolitik in der Kritik

Deutschland und Frankreich stoßen mit ihrer Forderung nach einer weitreichenden Reform des europäischen Wettbewerbsrechts auf Widerstand in der EU. Mehrere nordeuropäische Regierungen, aber auch Spanien und Portugal sehen den deutsch-französischen Vorstoß laut EU-Diplomaten kritisch, weil sie negative Auswirkungen auf ihre Unternehmen und Verbraucher befürchten. Bei ihrem Gipfel am Donnerstag und Freitag werden sich die EU-Staats- und Regierungschefs daher wohl nur auf eine Kompromissformel einigen. Bei dem Treffen in Brüssel wollen Kanzlerin Angela Merkel und ihre Kollegen aus den anderen 27 Mitgliedstaaten grundsätzlich über die Chinastrategie und die europäische Industriepolitik diskutieren. Berlin und Paris drängen in diesem Kontext auf eine Überarbeitung der Regeln für die Kontrolle von Firmenfusionen. Diese sollen mehr Raum lassen für das Entstehen von europäischen Champions, die es mit den Großkonzernen aus China oder den USA aufnehmen können. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier

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Widerstand von unten

Irgendwann ist jeder Versammlungsort einmal voll. Bei Volkswagen ist dieser Ort auf dem Wolfsburger Werksgelände die Halle elf. Rund 20 000 Mitarbeiter sind an diesem Mittwoch dem Aufruf von Betriebsratschef Bernd Osterloh gefolgt. Mehr als sonst - und das hat einen Grund: Vorstandschef Herbert Diess stellte sich der Belegschaft. Der Unmut über den Mann an der Spitze ist derzeit groß. Osterloh wirft Diess vor, dass er Zusagen gebrochen und ein geplantes Sparpaket ohne Rücksprache mit den Arbeitnehmern an die Öffentlichkeit getragen hat. Das Land Niedersachsen schließt sich dieser Kritik als Großaktionär ausdrücklich an. Schon zum Beginn der Versammlung um 9.30 Uhr ist die Kapazität von Halle elf erschöpft. Der Volkswagen-Werksschutz muss das Gebäude aus Sicherheitsgründen schließen. Mitarbeiter, die mit etwas Verspätung kommen, müssen draußen bleiben und sich die Betriebsversammlung auf eigens aufgestellten Bildschirmen ansehen. Auf Tausenden von Stühlen hat der Betriebsrat Flugblätter

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Teile und herrsche

In diesem Jahr ist Klaus Gehrig 70 Jahre alt geworden, doch vom Ruhestand ist der Chef der Schwarz-Gruppe weit entfernt. Noch immer führt er Deutschlands größte Handelsgruppe (Lidl, Kaufland) mit harter Hand und klaren Vorstellungen. "Solange es der Inhaber und die Gesellschafter mit mir aushalten, bin ich dabei", sagte er jüngst. Parallel bereitet er das Unternehmen jetzt aber auf die Zeit nach seiner Regentschaft vor. So ziehen in das Aufsichtsgremium der Holding, der Schwarz Unternehmenstreuhand (SUT), externe Experten ein, darunter die Google-Managerin Sarah Fix-Bähre und der ehemalige Edeka-IT-Vorstand Reinhard Schütte. Unterhalb der Holding wird die Gruppe von einem Beirat geführt, den Gehrig nun erweitert. Er setzt sich aus den Topmanagern des Unternehmens zusammen und ist damit im Prinzip eine Art Vorstand. "Mit diesen Maßnahmen stellen wir die strukturellen Weichen für die Zukunft unserer Unternehmensgruppe", betont Gehrig. Eine Schlüsselposition wird künftig Gerd Chrzanowski,

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Selbstdenkende Mitarbeiter

Mehr als 100 Microsoft-Angestellte haben Ende Februar einen offenen Brief an das Management unterschrieben, in dem sie fordern, einen Vertrag mit dem US-Militär für die Augmented-Reality-Brille Hololens zu beenden. Der 480-Millionen-Dollar schwere Kontrakt, den Microsoft im vergangenen November gewonnen hat, sieht ausdrücklich vor, mithilfe des Headsets eine "Steigerung der Sterblichkeit" in bewaffneten Konflikten zu erreichen. Die Forderung der Angestellten, wenige Tage bevor die jüngste Version von Hololens auf dem Mobile World Congress in Barcelona vorgestellt wurde, geht noch weiter. Das Unternehmen solle die Arbeit an Waffentechnologie ganz aufgeben und eine unabhängige Ethikkommission einrichten. Ginge es nach Stefan Kühl, müssten solche vorwitzigen Einmischungen durch Chargen unterhalb der Führungsebene in den Geschäftszweck von Unternehmen am besten im Keim erstickt werden. "Es kann sinnvoll sein, die Mitarbeiter dafür zu bezahlen, dass sie sich gegenüber dem Zweck der Entscheidung

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Fusion auf Wiedervorlage

Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis hat ein großes Ziel. Er möchte alle öffentlich-rechtlichen Spitzeninstitute zu einer Super-Landesbank verschmelzen, die der 64-Jährige Sparkassenzentralbank nennt. Der Chef des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) ist sich sicher, dass dieses Projekt früher oder später gelingen wird. "Ich prognostiziere Ihnen: Weil es die Sparkassen als wichtigste Partner und Kunden der Landesbanken wollen, wird es kommen", sagte Schleweis kürzlich. Der logische erste Schritt auf dem Weg zu einem öffentlich-rechtlichen Megainstitut wäre eine Fusion des Fondsanbieters Deka und der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Die Helaba gehört mehrheitlich den Sparkassen, die Deka sogar zu 100 Prozent. Die Sparkassen könnten mit beiden Instituten also selbstbestimmt die Konsolidierung ihres Sektors vorantreiben - ohne große Rücksichtnahme auf die Bundesländer, die bei der NordLB, der BayernLB und der LBBW den Ton angeben. Nach Recherchen des Handelsblatts gibt es

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