Handelsblatt News

Showdown in Essen

Viele Jahre lang waren Uniper-Chef Klaus Schäfer und Eon-Chef Johannes Teyssen enge Weggefährten. Noch vor einem Jahr feierte Teyssen mit Schäfer dessen 50. Geburtstag. Seit Ende September ist das Verhältnis der beiden Manager aber unter den Gefrierpunkt abgekühlt. Damals hatte Teyssen angekündigt, Eons verbliebenen Anteil von 46,7 Prozent am Stromproduzenten Uniper an den finnischen Konkurrenten Fortum zu verkaufen. Schäfer fühlte sich verraten und verkauft. In seinen Augen nahm Teyssen dem jungen Unternehmen, in das Eon erst im Jahr zuvor die Kohle- und Gaskraftwerke abgespalten hatte, schon wieder die Selbstständigkeit. Doch jetzt ist der Uniper-Chef noch einmal auf das Wohlwollen von Teyssen und Eon angewiesen. Denn nur mit der Hilfe des ehemaligen Mutterkonzerns kann Schäfer eine Attacke von Hedgefonds gegen sein Unternehmen und auch gegen seine eigene Person abwehren. Aber kann er sich noch auf Teyssen verlassen? Auf der Hauptversammlung am 6. Juni will der in Luxemburg ansässige

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Zu viel Zeit vertan

Am Freitag geht es für den neuen Kaufhof-Chef um viel. Roland Neuwald startet die Verhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi. Ihm muss es gelingen, möglichst bald einen Sanierungstarifvertrag auszuhandeln, um die Lohnkosten zu senken. Sie sind ein wichtiger Schlüssel, um den Kölner Kaufhauskonzern zu retten. Denn es steht schlecht um das einstige Aushängeschild der deutschen Handelslandschaft: Sinkende Umsätze, rote Zahlen und unrentable Filialen belasten den Konzern. Neuwalds Vorgänger haben zu viel Zeit vertan, mit ein paar größeren kosmetischen Veränderungen in den Kaufhof-Filialen und mit der neuen Rabatt-Kette Saks Off 5th einen Neuanfang zu inszenieren. Tatsächlich aber hilft keine Kosmetik, sondern nur eine konsequente Sanierung, die keine Tabus kennt. Das haben Neuwald und die kanadische Kaufhof-Mutter Hudson's Bay Company (HBC) inzwischen begriffen. Sie schließen Filialen, bauen Hunderte Stellen in der Kölner Zentrale ab und streiten nun mit Verdi um niedrigere Löhne. Viel Zeit

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"Der MBA muss sich neu erfinden"

Der Vater des deutschen MBA hat gute Laune. Gleich wird er bei der Gewerkschaft Verdi einen Vortrag zum Thema Work-Life-Blending halten, also der Verschmelzung von Arbeitszeit und Freizeit durch die Digitalisierung. Es ist Christian Scholz' Lieblingsthema. In der Wissenschaftsszene hat sich der 65-Jährige vor allem als Organisations- und Personalexperte einen Namen gemacht. Nach dem Master of Business Administration hat ihn schon länger niemand mehr gefragt. Dabei war er es, der vor fast 30 Jahren den MBA nach Deutschland brachte. Die Universität des Saarlandes, an der Scholz Betriebswirtschaft lehrt, war die erste Hochschule hierzulande, die den Titel verlieh. Diesen Sommer geht Scholz in Pension. Auf den MBA ist er stolz. Zufrieden ist er jedoch nicht. Professor Scholz, 1989 haben Sie das erste deutsche MBA-Studium ins Leben gerufen. Brauchte es wirklich einen weiteren Wirtschaftsabschluss? Ich hatte damals in Harvard studiert und damit geliebäugelt, ganz nach Amerika zu gehen. Insbesondere

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"Die Telekom ist eine Großbaustelle"

Timotheus Höttges möchte heute über Unternehmertum sprechen. Oft sei die Neigung groß, auf Risikovermeidung zu setzen, statt auf Chancen der Zukunft, erklärt der Telekom-Chef. Unternehmertum, betont er, brauche beides. Dass diese Botschaft an die Aktionäre bei der Hauptversammlung ankommt, ist wichtig. Dem Konzern stehen spannende Zeiten bevor: Er plant die größte Übernahme seit Jahren: Die Deutsche Telekom will über ihre Tochter T-Mobile US den amerikanischen Mobilfunker Sprint übernehmen. Gleichzeitig will der größte Wettbewerber im Heimatmarkt, Kabelanbieter Vodafone, ebenfalls durch eine Übernahme stärker angreifen. Es stehen Milliardenkosten für den Breitbandausbau an und Investitionen in den Ausbau des nächsten Mobilfunkstandards 5G. Die Großkundentochter T-Systems wird umgebaut und in drei europäischen Landesgesellschaften müssen Kooperationsunternehmen oder Zukäufe integriert werden. Ingo Speich, Portfoliomanager bei Union Investment, fasst das bei seiner Rede auf dem Aktionärstreffen

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Wischen für den Mastertitel

Laurie Pickard war 33, als sie sich entschied, auf ihren Master in Geografie noch einen weiteren akademischen Abschluss draufzusatteln: einen Master of Business Administration. Der MBA gilt als Karriereturbo für Führungskräfte, an einer renommierten Business School schlägt die Ausbildung mit rund 100 000 US-Dollar zu Buche - durchaus eine Hürde, wenn man wie Pickard noch Schulden aus dem Erststudium abzahlt und gerade als Entwicklungshelferin in Ruanda arbeitet. "Ich wollte keinen weiteren Kredit aufnehmen und ich wollte nicht aufhören zu arbeiten", schreibt die Amerikanerin in ihrem Blog, in dem sie ihren ungewöhnlichen Weg zum MBA aufgeschrieben hat: Die heute 36-Jährige hat sich ihren Abschluss selbst zusammengebaut - im Netz. Viele Top-Universitäten bieten sogenannte Massive Open Online Courses (MOOCs) an. Das sind kostenlose Onlinekurse für jedermann. Pickard klickte sich durch und meldete sich für zahlreiche Gratisvorlesungen an, die auch in klassischen MBA-Programmen vorkommen,

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Alles Testosteron oder was?

Also doch: Der unterschiedliche Gehalt des Hormons Testosteron im Blut von Männern und Frauen könnte auch beim Thema Finanzen dafür verantwortlich sein, dass wir verschieden drauf sind. Auf Studien, die hormonelle Unterschiede und deren Einfluss auf die Risikobereitschaft von Männern und Frauen feststellen, verweist jedenfalls Finanzprofessor Martin Weber. Alles nur eine Frage der Biologie? Fest steht: Frauen sind seiner neuen Untersuchung zufolge weniger bereit, finanzielle Risiken einzugehen. Drei Viertel der Frauen unter gut 9 000 befragten Menschen lehnen jegliches finanzielle Risiko ab, aber nur knapp zwei Drittel der Männer. Die Folge laut der repräsentativen Umfrage der Bundesbank für das Forschungsinstitut ZEW und die Direktbank ING Diba: Frauen legen das Geld der Familie noch vorsichtiger an als Männer. Gerade mal 15 Prozent der Frauen stecken ihr Kapital in Fonds, Anleihen, Aktien oder Zertifikate. Bei den Männern sind es 22 Prozent. Und wenn Frauen am Kapitalmarkt investieren,

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Alles auf die China-Karte

Mit einem lauten Zischen saugt eine Pumpe die letzte Luft aus der beigen Passform. Der Unterdruck in dem Silikongehäuse presst die Schichten des Faserverbundstoffes fest zusammen. In der Fabrikhalle der Firma Cotesa in Mittweida bei Chemnitz entstehen in Handarbeit Spezialteile für Airbus. Die Bauteile der Sachsen sind besonders leicht und gleichzeitig stabil. Der Cotesa-CEO Jörg Hüsken schaut sich den Prozess an und bleibt dann vor einem Regal stehen. "Das sind Teile für Flugzeugtoiletten von Airbus", erklärt der Gründer. Mit seiner Hand deutet der 55-Jährige auf die dunklen Wannen. "Damit hat alles angefangen", sagt er. 15 Jahre ist das her. Heute plant Hüsken in großen Dimensionen. Denn gerade hat ein chinesisches Unternehmen die Mehrheit an der Firma in Sachsen übernommen. "Jetzt können wir richtig starten", gibt sich Hüsken zuversichtlich. Bald will er nicht nur Airbus und Boeing beliefern, sondern auch den chinesischen Flugzeugbauer Comac. Dabei sah es noch vor wenigen Wochen ganz

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"11 700 Fahrzeuge ist ja nix"

Es gab mal Zeiten, da fuhr BMW in einer anderen Liga: Die Zahlen waren besser als bei der Konkurrenz, und Ärger mit Staatsanwälten hatte man auch nicht. Doch das ist vorbei: Seit 2016 verkauft die Marke Mercedes wieder mehr Autos als die Marke BMW. Und seit März sind auch die Ermittler in München wegen möglicher Abgasmanipulation aktiv. Nachdem BMW eingeräumt hatte, 11 700 Autos mit falscher Software ausgeliefert zu haben, ermittelt die Staatsanwaltschaft München wegen des Anfangsverdachts einer "prüfstandsbezogenen Abschalteinrichtung" - das wäre dann Betrug. Entsprechend entschlossen wehren sich die BMW-Oberen auf der Hauptversammlung. "Uns ist vor einigen Jahren ein Fehler unterlaufen", gesteht Konzernchef Harald Krüger seinen Aktionären. Es folgt die bekannte Argumentation: Versehentlich habe man 2013 auf Modelle der 5er- und 7er-Reihe die Abgas-Software von Geländewagen aufgespielt. Ein "handwerklicher Fehler", beteuert Aufsichtsratschef Norbert Reithofer. Keineswegs habe die Absicht

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