Handelsblatt News

Frau gegen Finanzkrise

Die jüngste Personalentscheidung von US-Präsident Donald Trump wurde mit ungewöhnlicher Euphorie begleitet. "Fantastisch", "wundervoll", "eine gute Wahl", so kommentierten Weggefährten von Nellie Liang, als ihre Beförderung zur Fed-Gouverneurin bekannt wurde. Die Expertin für Finanzmarktstabilität wird einen von sieben Posten im Vorstand der US-Notenbank bekommen, die Führungsriege ist damit komplett. Die Volkswirtin hatte die Federal Reserve erst 2017 verlassen und arbeitete zuletzt bei der renommierten Denkfabrik Brookings. Notenbank-Chef Jerome Powell gab Liang persönlich eine Abschiedsparty in seinem Haus, jetzt hat er eine erfahrene Ökonomin zurück im Team, die auch noch bestens im Haus vernetzt ist. Liang, 60, war in ihrer Laufbahn unter anderem Yale-Dozentin, beriet den Internationalen Währungsfonds und das Haushaltsbüro des US-Kongresses. Ihre Karriere bei der Federal Reserve begann 1986 als Research Economist. 2010 wurde sie Leiterin einer Abteilung, die die Folgen der Finanzkrise

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Gewinnbringendes Übernahmefieber

Es sieht nach einem Happy End aus: Lange Zeit stand die Megafusion des Gasekonzerns Linde mit dem US-Konkurrenten Praxair auf der Kippe. Linde-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle sah die Krönung seines Lebenswerks in Gefahr. Doch nun hat es den Anschein, als ob der 45 Milliarden Dollar schwere Deal nicht an Kartellauflagen scheitern wird. Mit dem Verkauf weiterer Unternehmensteile wollen die Münchener ihre Chancen auf eine Genehmigung der Fusion verbessern. Linde plant Insidern zufolge, zusätzliche Firmenanteile im Wert von rund 200 Millionen Dollar an ein Bündnis aus dem Konkurrenten Messer und dem Finanzinvestor CVC zu verkaufen. Klappt der Zusammenschluss, wird der ohnehin schon heiß laufende Markt für Fusionen und Übernahmen (M & A) zusätzlich befeuert. Und die Aktionäre dürfen sich ebenfalls freuen, wie eine Untersuchung von Credit Suisse über mehrere Jahrzehnte zeigt. Danach honoriert die Börse diejenigen Konzerne, die Übernahmen wagen. "Die Kurse der aufnehmenden Unternehmen schneiden

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Der Rückzug des Star-Uhrmachers

Paris Jean-Claude Biver kennt den Markt für Uhren seit Jahrzehnten, zuletzt war der gebürtige Luxemburger der Chef der Uhrensparte des Luxusherstellers LVMH. Doch nun will der 69-Jährige seine operative Verantwortung aus gesundheitlichen Gründen abgeben. Er bleibt allerdings nicht-exekutiver Präsident des Uhrenbereiches von LVMH und der drei Marken TAG Heuer, Zenith und Hublot. Früher arbeitete der studierte Betriebswirt für Omega - der Umsatz der Marke verdreifachte sich unter ihm innerhalb von zehn Jahren. Biver wurde 2014 Uhrenchef bei LVMH. Trotz einer großen Krise - unter anderem ausgelöst durch Antikorruptionsgesetze in China - war er mit seinen Marken erfolgreich. Der Familienvater, der auf seinem Bauernhof in der Schweiz Käse herstellt, ist für seine geschickte Vermarktung bekannt. Bei Hublot beispielsweise ist er viele Kooperationen eingegangen, im Fußball, mit Rappern, bei Autorennen. Jetzt wird darüber spekuliert, dass er bei LVMH durch Stéphane Bianchi, den Ex-Direktor der Kosmetikgruppe

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Da oben brennt's!

PRO Jeder darf meckern Eigentlich hat der Bahn-Chef in seinem Brandbrief neulich ja nur aufgelistet, was jeder Passagier ohnehin weiß. Die Bahn hat Probleme - und das nicht zu knapp. "Wir wissen alle, dass wir mit unserer Leistung nicht zufrieden sein können", schreibt Richard Lutz an seine Manager. Das gelte gleichermaßen für Wirtschaftlichkeit, Qualität und - Achtung! - Pünktlichkeit. Die Bahn soll unpünktlich sein? Mensch, wer hätte das gedacht? Nicht wahr! Trotzdem debattierte die halbe Republik vergangene Woche hitzig über Lutz' Schreiben. Aber kritisieren kann so einen Weckruf eigentlich nur, wer sich gerade schlafen gelegt hat. Der Fall Lutz ist das jüngste Beispiel für einen Automatismus, der in Deutschland auslöst, sobald ein Manager einen Brandbrief an seine Belegschaft formuliert. Der Betriebsratschef der Bahn nannte Lutz' Mail eine "Bankrotterklärung". Einige Kommentatoren attestierten ihm gar "Führungsschwäche", sahen den Brief als "Akt der Verzweiflung". Doch bei

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Ehepläne am Persischen Golf?

Das lange Zeit Undenkbare könnte Realität werden. Emirates, die größte Fluggesellschaft am Persischen Golf, hat angeblich ein Auge auf den Erzrivalen Etihad geworfen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg ohne Angabe von Quellen. Sowohl Emirates als auch Etihad bestreiten entsprechende Pläne zwar, aber ein solches Vorhaben hätte eine gewisse Logik und käme auch nicht überraschend. Schon seit Längerem gibt es am Persischen Golf keine Tabus mehr. Die drei dort beheimateten Anbieter Emirates (Dubai), Etihad (Abu Dhabi) und Qatar Airways (Doha) haben in den zurückliegenden zwei Jahren erkennen müssen, dass die Expansion Grenzen hat. Nachdem sie über Jahre mit attraktiven Preisen und einem zum Teil äußerst luxuriösen Service den etablierten Anbietern in Europa und Nordamerika die Kunden abgejagt hatten, gerieten Etihad und Emirates selbst unter wachsenden Preisdruck. Bei Etihad kam die verkorkste Beteiligungsstrategie hinzu. Nach einem Verlust von umgerechnet 1,9 Milliarden Dollar

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Vorsicht angebracht

Alles erinnert im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M & A) irgendwie an das Jahr 2007, das Boomjahr, bevor die Finanzkrise ausbrach. Die Unternehmen fusionieren, was das Zeug hält. Dabei spielen die derzeit sehr hohen Bewertungen der Firmen eine untergeordnete Rolle. Fast geht es nach dem olympischen Motto citius, altius, fortius, also schneller, höher, stärker. Am Ende wird ein Rekord beim M & A-Volumen stehen. Was da abläuft, hat durchaus Hand und Fuß. Es handelt sich nicht nur um das Endspiel in bestimmten Branchen weltweit, wie beispielsweise der Chemie. Sondern wir befinden uns auch in Zeiten des Umbruchs. Die neuen Technologien verändern die Unternehmen in einem rasend schnellen Tempo, das gilt es zumindest teilweise mithilfe von Übernahmen aufzufangen. Außerdem wird die Globalisierung zurückgedreht. US-Präsident Donald Trump lässt grüßen. In so einer Situation ist es gerade für internationale Konzerne besser, vor Ort in vielen Ländern vertreten zu sein, um Strafzöllen zu entgehen.

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Störung im Betriebsablauf

Vorweg die gute Nachricht: Richard Lutz, Chef der Deutschen Bahn und zugleich für die Finanzen des Staatskonzerns verantwortlich, soll zum Jahreswechsel entlastet werden. Den Vorstandsposten Finanzen übernimmt dann Alexander Doll, seit April Vorstand für Güterverkehr & Logistik der Bahn. So jedenfalls will es der Aufsichtsrat am kommenden Mittwoch beschließen. Fast zwei Jahre Doppelbelastung für Lutz hätten dann ein Ende. Doch damit hat es sich auch schon mit den guten Nachrichten. Denn die Entlastung des einen wird mit der Belastung des anderen erkauft. Das Verschieben von Kompetenzen hat im Bahn-Vorstand Tradition - und es ist einer der Hauptgründe dafür, dass die Bahn nicht mit ihrem Qualitätsversprechen vorankommt. Es ist Ursache dafür, dass die Zuverlässigkeitskrise sich jetzt zu einer wirtschaftlichen Krise auswachsen könnte. Doll muss weiterhin die marode Gütereisenbahn DB Cargo sanieren und eine der größten Speditionen Europas, die Bahn-Tochter Schenker, beaufsichtigen. Von den

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Nur gut gemeint

Eine neue EU-Steuer auf die Umsätze von Digitalunternehmen würde den Fiskus mehr kosten, als sie an Zusatzeinnahmen verspricht. Zu diesem Ergebnis kommt das Ifo-Institut in einer neuen Studie. "Die USA würden die Steuer als Importzoll interpretieren", warnte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Dies dürfte US-Präsident Donald Trump zum Anlass für neue Strafzölle gegen die EU nehmen. Die Folge daraus wären Verluste für viele Firmen in der EU, die dann wiederum weniger Gewinnsteuern zahlen würden. Unterm Strich, so Fuest, werde ein Verlust bei den Steuereinnahmen der meisten EU-Staaten stehen; vor allem in Deutschland mit seiner exportabhängigen Industrie. Dies hängt auch damit zusammen, dass die in der EU diskutierte neue dreiprozentige Umsatzsteuer EU-weit nur Einnahmen von drei bis vier Milliarden Euro jährlich einbringen dürfte, je nach dem, ob sie von der Körperschaftsteuer abzugsfähig sein soll oder nicht. Die Summe entspricht 0,1 Prozent der EU-Steuereinnahmen. "Die Hoffnung, durch eine Digitalsteuer

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