Handelsblatt News

Selbst ist die Frau

Die Villa Merton ist ein hochherrschaftliches Haus. 1927 wurde es im historischen Stil nach Wünschen des jüdischen Fabrikanten, Stifters und Politikers Richard Merton gebaut. Es liegt im feinen Diplomatenviertel in Frankfurt am Main. Hier tagt für gewöhnlich der Union Club International, die eigenen Angaben zufolge erste Adresse für den Dialog der Nationen und Kulturen. Vor fast genau drei Jahren, an einem schon winterlich kalten Abend im November 2014, traf sich hier ein Trio, das auch für Internationalität steht, sich aber mehr um einen Dialog der anderen Art kümmern wollte: die Italienerin Antonella Mei-Pochtler (59), Senior-Partnerin bei der Boston Consulting Group, die Deutsche Tina Müller (49), bis dato noch Marketingchefin von Opel und nun Vorstandsvorsitzende von Douglas in spe, und die Deutsch-Iranerin Kati Najipoor-Schütte (56), Partnerin bei der Personalberatung Egon Zehnder. Die drei begründeten bei einem Abendessen mit Brot, Wein und Salat einen neuen, exklusiven Zirkel

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Uniper fürchtet RWE

Vor ein paar Jahren haben die beiden Energiekonzerne RWE aus Deutschland und Fortum aus Finnland nach Informationen des Handelsblatts schon einmal über einen umfangreichen Tausch von Aktivitäten gesprochen. RWE interessierte sich für das Stromnetz, das die Finnen in ihrem Heimatmarkt zum Verkauf gestellt hatten. Fortum wiederum wollte einen Teil von RWEs Stromproduktion übernehmen. Die beiden Parteien konnten sich aber nicht einigen. Jetzt wären die Deutschen erneut an einem Geschäft mit den Finnen interessiert. Fortum schickt sich an, den neuen Stromproduzenten Uniper zu übernehmen, der erst vor etwas mehr als einem Jahr von Eon an die Börse gebracht worden war. Sollten die Finnen, für die vor allem das Auslandsgeschäft der Uniper SE interessant ist, sich von deren notleidenden Stromproduktion in Deutschland trennen, stünde RWE als Käufer parat, erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen des Energiekonzerns. Deutschlands größter Stromproduzent hatte schon eine Übernahme des gesamten Uniper-Konzerns

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Vorteil Dividende

Die 13 000 ist geknackt, endlich. Damit hat der Dax die nächste Rekordmarke gesetzt. Das gilt zumindest für den Performanceindex. Der weniger populäre Kursindex hinkt deutlich hinterher. Er notiert nur bei etwa 6 142 Punkten. Auch sein Allzeithoch aus dem April 2015 von 6 339 Punkten hat er bisher nicht wieder erreicht. Die Differenz der beiden Indizes von immerhin fast 7 000 Punkten ist den Dividendenzahlungen der Index-Mitglieder geschuldet. Sie fließen in den Performanceindex mit ein. Der Kursindex bildet hingegen die reine Kursentwicklung der Dax-Aktien ab. Gestartet sind beide Indizes am 31. Dezember 1987 bei 1 000 Punkten. Dass der Performanceindex sich so viel besser entwickelt hat als der Kursindex, zeigt, wie bedeutend die jährlichen Ausschüttungen für den Erfolg der Aktienanlage sind. In den Genuss dieses Rendite-Turbos kommen Anleger nur, wenn sie die Dividenden reinvestieren - anstatt sie auszugeben. Dann funktionieren sie fast wie der viel zitierte Zinseszins-Effekt. Der Performanceindex

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Heller Bahnsinn

Es ist immerhin nicht trivial. Die Bahn beherrscht mal wieder die Schlagzeilen. Doch dieses Mal geht es nicht ums Wetter. Die Züge stehen nicht, weil es zu kalt oder zu warm ist, sie stehen auch nicht, weil der Lokführer seinen Anschlusszug nicht gekriegt hat. Und die Gemüter erhitzt dieses Mal auch weder der kalte Kaffee aus dem Bordbistro noch eine aberwitzige Durchsage, eine unverschämt hohe Fahrpreiserhöhung oder verlässliche Unpünktlichkeit. Nein, die Bahn hat ein Führungsproblem. Die Bahn stinkt derzeit wie ein Fisch vom Kopf her. Das macht die Angelegenheit nun auch für Nicht-Bahnabhängige oder Möchtegern- Modelleisenbahn-Lokführer interessant. Denn was gibt es Wichtigeres in der derzeit unruhigen Weltenlage und der guten deutschen Konjunktur als Führung, Wichtigeres als ein eingespieltes Führungsteam, das sich in der Sache auskennt und die Mitarbeiter mitnimmt? Nichts! Umso skandalöser ist das andauernde Personalchaos bei der Bahn. Es ging los mit Rüdiger Grube. Der langjährige

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Erst später gestartet

Dafür, dass er vor 25 Jahren hierzulande nahezu unbekannt war, hat er sich prächtig entwickelt: Der Abschluss mit dem etwas sperrigen Titel Master of Business Administration (MBA) gilt längst nicht mehr nur in angelsächsischen Ländern als Top-Visitenkarte für Manager. Über 280 MBA-Studiengänge gibt es allein in Deutschland, die spezialisierten Master-Angebote eingerechnet sind es sogar knapp 500 - Tendenz steigend. Doch während man heute sogar in Biberach und Buxtehude einen MBA machen kann, sind deutsche Angebote im Spitzensegment eher nicht vertreten. In den einschlägigen Rankings der weltbesten Business-Schools muss man ziemlich weit nach unten blicken, um auf deutsche Schulen zu stoßen. Im Global MBA Ranking der "Financial Times" findet sich die Mannheim Business School auf Platz 54, die ESMT aus Berlin auf Platz 70 - das war's. Sind deutsche Hochschulen aber tatsächlich so viel schlechter als die internationale Konkurrenz? Ganz so einfach ist es nicht. "Unser Universitätssystem

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Die Vergangenheit holt Airbus ein

Der Gegensatz könnte kaum größer sein. Unter Beifall hob der Airbus A330neo am Donnerstagmorgen um 9.57 Uhr von der südwestlichen Startbahn in Toulouse zu seinem Jungfernflug ab. Die Markteinführung der Neuauflage des beliebten Langstreckenjets rückt näher, ein wichtiger Schritt für Airbus. Erst am Montag hatte der Konzern zudem die Branche mit der mehrheitlichen Übernahme des Mittelstreckenjets C-Serie des Rivalen Bombardier überrascht. Es scheint zu laufen beim europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern. Wären da nicht die heftigen Vorwürfe wegen angeblicher Schmiergeldzahlungen in der Rüstungs-, aber auch in der Zivilsparte. Am Donnerstag erhielten sie neue Nahrung. Der langjährige EADS-Manager Jean-Paul Gut soll nach Handelsblatt-Informationen zum Abschied im Jahr 2007 eine Art Abfindung in Höhe von 80 Millionen Euro erhalten haben. Zuerst hatt der "Spiegel darüber berichtet. Die Zahlung soll in den Geschäftsberichten gut versteckt kommuniziert worden sein. EADS ist die Vorläuferfirma

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"Wandel auf allen Ebenen"

Zweimal schon wechselte der Wirtschaftsprofessor aus der Wissenschaft in die Politik - und kennt damit beide Systeme. Was also kann das eine vom anderen lernen? Seit knapp vier Monaten ist Andreas Pinkwart Wirtschaftsminister in Nordrhein-Westfalen, sein Terminkalender ist voll von Antrittsbesuchen und konstituierenden Sitzungen. Aber das Thema ist ihm wichtig. Nach einer Veranstaltung im Düsseldorfer Ständehaus bittet er in die Katakomben zum Gespräch. Vor der ersten Frage schließt er kurz die Augen. Dann kann es losgehen. Herr Pinkwart, als Rektor der Business-School HHL hatten Sie mit MBA-Absolventen und Managern zu tun, jetzt als Minister sind Sie von Volkswirten und Juristen umgeben. Fehlt Ihnen was? Es ist schon eine andere Welt. Und speziell in den Bereichen Energie und Digitalisierung wäre es sicher gut, wenn wir im Wirtschaftsministerium unterschiedlichere Qualifikationsprofile hätten. Ich fände es gut, wenn Beamte als Zusatzqualifikation einen Master of Business Administration

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Mehr Vielfalt für Facebook

An der Debatte um sexuelle Belästigung möchte sich Maxine Williams nicht beteiligen, jedenfalls nicht öffentlich. Unter dem Hashtag metoo posten viele prominente Frauen ihre Erlebnisse, seit entsprechende Vorwürfe gegen Filmproduzent Harvey Weinstein öffentlich geworden sind. Doch ausgerechnet die Managerin, die bei Facebook für das Thema Diversity und damit auch für die Gleichberechtigung, die Förderung und den Schutz von Minderheiten verantwortlich ist, hat noch keinen Kommentar abgegeben - obwohl sie durchaus etwas dazu zu sagen hätte. Doch Williams, 47, meint: Sie habe in ihrem Leben so vieles erfahren, was zu dem Hashtag passen würde, sie habe gar keine Zeit, das alles zu posten. Gewiss, an eine Episode könne sie sich genau erinnern, erzählt sie dann doch auf der Bühne des Ada-Lovelace-Festivals, einer Konferenz der "Wirtschaftswoche" für Frauen in der Tech-Szene, zu der Williams eigens angereist ist. Es sei passiert, als sie in ihren Zwanzigern war. Zehn Jahre später habe sie den

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