Handelsblatt News

Die Superstar-Ökonomie

Die zunehmende Ungleichheit in den Industrieländern lässt sich auch in der Lohnquote wiederfinden. In den letzten Jahrzehnten ist der Anteil der Löhne und Gehälter am Volkseinkommen gefallen. Dementsprechend stieg der Anteil der Kapitalerträge. In Deutschland etwa sank die Lohnquote innerhalb von zehn Jahren von 74 auf aktuell rund 68 Prozent. In den USA ging sie von 70 auf zuletzt unter 63 Prozent zurück. Auch millionenschwere CEO-Gehälter sind Teil der Lohnquote, die Kapitaleinkünfte sind aber noch deutlich stärker bei den Vermögenden konzentriert. Das bedeutet: Eine niedrige Lohnquote verschärft die Ungleichheit. Bisherige Erklärungen Es gibt verschiedene Erklärungsversuche, warum die Lohnquote, die lange recht stabil war, nun sinkt. Da sind die Liberalisierung der Arbeitsmarktregeln und die Entmachtung der Gewerkschaften in vielen Ländern. Auch zunehmende Konkurrenz durch Importe aus China und anderen Schwellenländern sowie zunehmendes Outsourcing von Produktion wurden als Gründe

weiterlesen

Künstliche Intelligenz elektrisiert Anleger

Für seine Ankündigung, dass sich Google wieder einmal neu erfinden werde, hatte Sundar Pichai die ganz große Bühne gewählt. "Ich liebe euch auch", ruft der Google-Chef den 7 000 Menschen im Amphitheater in Mountain View zu. Nach ein paar lockeren Sprüchen kommt Pichai auf der Google-Entwicklerkonferenz IO vor einigen Wochen schnell zu seiner Kernbotschaft: "AI first" - künstliche Intelligenz zuerst. "Wir werden alle unsere Produkte neu denken und mit Hilfe künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen die Probleme unserer Nutzer lösen", verspricht er. Zwei Schlagworte, die Entwickler wie Investoren elektrisieren: Vereinfacht gesagt ist künstliche Intelligenz (KI) eine Wissenschaft, die erforscht, wie Algorithmen selbstständig lernen und Probleme lösen können. Eine zentrale Methode bei der Entwicklung von künstlicher Intelligenz ist maschinelles Lernen: Die Algorithmen werden mit Hilfe großer Datenmengen darauf getrimmt, bestimmte Muster zu erkennen und die richtigen Entscheidungen zu

weiterlesen

Es fehlt der gute Wille

Alle Welt nutzt die Cloud. Das sind IT-Dienste, die aus einer internetbasierten "Wolke" stammen. Ähnlich wie Strom aus der Steckdose kommen jetzt Unternehmensdienstleistungen wie Rechnungsprüfung oder Lagerbestandshaltung je nach Bedarf aus dem Internet. Vorbei ist die Zeit der Server oder Großraumrechner, das ewige Aufspielen neuer Software. IBM sah das lange Zeit anders. Das war nur zu verständlich, verdiente doch "Big Blue" sehr viel Geld mit der Hardware, die sich die Firmen vor dem Zeitalter der Cloud ins Haus holen mussten. IBM-Chefin Ginni Rometty hatte erst spät ein Einsehen. Mitte 2013 kaufte sie für zwei Milliarden Dollar den Cloudanbieter Softlayer, investierte dazu noch eine Milliarde Dollar in das Geschäft der amerikanischen Firma. Viel genutzt hat es bislang nicht. Der Handelsriese Amazon mit AWS und der Softwarekonzern Microsoft mit Azure dominieren den Markt, IBM liegt abgeschlagen auf Platz drei. Laut IT-Dienst IDC wird Big Blue 2017 noch weiter zurückfallen, derweil

weiterlesen

Zwischen Eff izienz und Experiment

Telekom-Chef Tim Höttges verschickt neuerdings Fake News an Kollegen. Absichtlich. "Konkurrent Telefonica hat die Telefon-App ,Wechat' gekauft", erschien zum Beispiel neulich auf dem Smartphone von Telekom-Managerin Christin Zörner und 699 weiteren Telekom-Führungskräften, von Bonn bis Singapur. Wäre sie real, würde diese Hiobsbotschaft den Umsatz der Telekom bedrohen. Mit dieser Schocktherapie will Höttges seine Führungsriege dafür sensibilisieren, wie plötzlich das klassische Geschäft rund um Telefon, TV und Handys wegbrechen kann, weil Gründer mit pfiffigen Digital-Ideen um die Ecke kommen oder sich neue Allianzen bilden. Und dass selbst Marktführern der Untergang droht, wenn sie nicht in der Lage sind, schnell zu reagieren. Schneller, flexibler, innovativer: Christin Zörner, Vice President Strategietransformation und Marktanalyse bei der Telekom Deutschland GmbH, und ihre knapp 700 Kollegen in aller Welt nehmen an der neuen Online-Fortbildung Level up! teil. Damit will sich etwa

weiterlesen

Kleiner Mittelstand ganz groß

Die Deutsche Bank hat jahrelang ihr Image als Wall-Street-Bank und Haus für die ganz großen Fälle gepflegt. Erst seit der Brite John Cryan das Geldhaus führt, entdeckt die Bank wieder ihre Heimatliebe - und umgarnt nun den Mittelstand. Denn die Bank baut in der Privat- und Firmenkundensparte, die neben Privatkunden auch kleinere Unternehmen betreut, eine eigene Kapitalmarktsparte auf. "Die neue Einheit soll Kunden allumfassend in allen strategischen Finanzierungsfragen beraten können. Wir investieren dafür in Menschen und in Zeit", sagte der Firmenkundenchef in der Privat- und Firmenkundensparte, Stefan Bender, dem Handelsblatt. Rund 50 Spezialisten sollen Kunden künftig etwa bei Fusionen und Übernahmen, bei Schuldscheinfinanzierungen und anderen komplexeren Finanzierungsfragen beraten. Gegenüber den heutigen Kapazitäten entspricht das einer personellen Verdoppelung. Im Visier hat die Sparte vor allem Unternehmen mit einem Umsatz von bis zu 250 Millionen Euro. Ist ein größeres Unternehmen

weiterlesen

Weltweite Fahndung nach VW-Managern

Die USA haben gegen fünf Angeklagte in der Abgasaffäre internationale Haftbefehle erlassen. Die amerikanische Justiz hat nach Informationen von "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR fünf frühere Manager und Entwickler des Autokonzerns, gegen die in Übersee Anklagen vorliegen, weltweit zur Fahndung ausgeschrieben. VW wollte sich gestern Abend nicht dazu äußern. Ziel der US-Behörden ist es, die Angeklagten hinter Gitter zu bringen. Ihnen werden Verschwörung zum Betrug und Verstoß gegen US-Umweltvorschriften vorgeworfen. Die Bundesrepublik wird die VW-Leute aber mit Sicherheit nicht an die Amerikaner ausliefern. Konsequenzen hat die Fahndung über die weltweite Polizeiorganisation Interpol dennoch: Die fünf in den USA Angeklagten können Deutschland nicht mehr verlassen, da sie in einem anderen Staat wohl festgenommen und möglicherweise in die Vereinigten Staaten überstellt werden würden. Dort müssen sie mit langen Haftstrafen rechnen. Der sechste Volkswagen-Angeklagte in den USA, Oliver Schmidt,

weiterlesen

Goldene Zeiten für Juristen

Manchmal lohnt es sich auch finanziell, beste Freunde zu haben. Als der französische Autokonzern PSA sich im Frühjahr 2017 dem deutschen Autobauer Opel und seiner britischen Schwester Vauxhall näherte, war die französische Topkanzlei Bredin Prat als PSA-Beraterin gesetzt. Und als "Best Friend" von Bredin Prat war damit auch die deutsche Sozietät Hengeler Mueller mit von der Partie. Eine hochkomplexe Aufgabe war zu lösen, mit der Heerscharen spezialisierter Wirtschaftsjuristen viele Monate lang beschäftigt werden konnten. Endgültig besiegelt ist der Vertrag noch immer nicht, und auch die Freigabe durch die Kartellbehörden steht noch bevor. Der 2,3 Milliarden Euro schwere Deal war nur eine von vielen großen Transaktionen in der jüngeren Zeit. Nicht nur Großkonzerne suchen nach Übernahmezielen, auch die Private-Equity-Branche investiert wieder kräftig. Damit boomt eines der wichtigsten Beratungsfelder für Wirtschaftskanzleien. Hinzu kommt eine Sonderkonjunktur durch die Dieselaffäre, mit

weiterlesen

Was ist schon gute Führung?

Es ist schon überraschend, dass ausgerechnet ein Berater den Mut hat, nach 15 Jahren den Corporate Governance Kodex auf den Kopf zu stellen. Rolf Nonnenmacher, dessen Profession die Wirtschaftsprüfung ist, will Abschied nehmen von einem gesetzlich gesteuerten Kodex und ein Regelwerk bauen, das aus der Managementpraxis erwächst. Internationale Erfolgsmodelle sollen künftig der Maßstab für die Empfehlungen der Regierungskommission zur guten Unternehmensführung sein - nicht die Gliederung des Aktienrechts. Gut gesprochen, aber schwer umzusetzen. Warum Nonnenmachers Vorgänger, Manfred Gentz, Klaus Peter Müller und Gerhard Cromme, allesamt erprobte Vorstände und Aufsichtsräte, nicht auf diese Idee gekommen sind, erstaunt. Was hätte nähergelegen, als dass ein Praktiker angesichts der zunehmenden Krise des Kodexes die Revolution ausruft, um die von der Wirtschaft immer hochgehaltene Fahne der Selbstregulierung gegen staatliche Regulierungsfantasien zu propagieren. Nun ist es also ein Wirtschaftsprüfer,

weiterlesen
Top