Handelsblatt News

Euphorie im Beteiligungsmarkt

Die deutschen Beteiligungsmanager sind in absoluter Hochstimmung. Sowohl die Geschäftslage als auch die Aussichten für die kommenden Monate werden fast euphorisch positiv eingeschätzt. Das schlägt sich im Geschäftsklimaindex des German Private Equity Barometers (GPEB) nieder, das im zweiten Quartal dieses Jahres um 10,4 Zähler auf 77,1 Punkte nach oben schnellt. Das von der staatlichen Förderbank KfW und dem Branchenverband BVK erstellte Barometer hat niemals einen höheren Wert erreicht, selbst beim letzten Boom in den Jahren 2006 2007 vor Ausbruch der Finanzkrise lag der Wert mit rund 62 Punkten deutlich niedriger. "Aktuell erleben wir die längste und stabilste Aufschwungphase in der Geschichte des deutschen Beteiligungsmarkts", sagt Ulrike Hinrichs, geschäftsführendes Vorstandsmitglied im BVK. Dabei erstreckt sich der Optimismus von den frühen Finanzierungsrunden mit Venture Capital für junge Technologiefirmen bis zu den Unternehmenskäufen und Beteiligungen im etablierten Mittelstand.

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Gleicher Trend

Mit 220 Milliarden Dollar Börsenwert ist Pfizer eines der größten Unternehmen der USA. Jetzt verkündete der Pharmakonzern, sich in drei Bereiche aufzuspalten. Der größte wird "Innovative Medizin" sein, dazu kommen "Etablierte Medizin" und "Gesundheitswesen Verbraucher". Den letzten Bereich will Pfizer verkaufen, ansonsten gilt: "Das Design wird uns schärferen Fokus auf verschiedene Patente in verschiedenen Märkten geben", sagte Albert Bourla, der als COO die Geschäfte führt. Kein Einzelfall in den USA. Aufspaltungen liegen auch jenseits des Atlantiks im Trend. Der einst gewaltige Mischkonzern General Electric zerlegt sich, es bleiben nur noch die Geschäftsfelder Energie und Flugzeugmotoren. Damit folgt das Unternehmen dem Beispiel des Computerherstellers Hewlett-Packard, der sich 2015 in zwei Teile aufspaltete, kurze Zeit später trennte sich das neu gegründete Hewlett Packard Enterprise auch noch von der IT-Dienstleistung und dem Software-Geschäft. Die beiden amerikanischen Chemiekonzerne

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Flexible Konglomerate

Elmar Degenhart hat sich Monate Zeit genommen, Für und Wider abgewogen, Risiken durchdekliniert. Am Ende entschied sich der Chef des Autozulieferers Continental mit seinen Vorstandskollegen für den wohl radikalsten Schritt in der Firmengeschichte: Conti spaltet sich auf. Mit der Schaffung von drei Bereichen unter dem Dach einer Holding rüstet sich der Dax-Konzern für die Zukunft der Mobilität. Degenhart spricht von einem historischen Tag, von "großer Veränderungsbereitschaft und Veränderungsfähigkeit" als Trümpfe, die Conti künftig im Wettbewerb ausspielen will. Das sind Worte, wie sie in den Vorstandssitzungen deutscher Konzerne derzeit öfter zu hören sind. Denn Conti ist nur die bisherige Spitze eines groß angelegten Umbaus der deutschen Wirtschaft. Ob Siemens, Volkswagen oder Daimler: Viele Konzerne wollen ihre über Jahrzehnte gewachsenen Strukturen aufbrechen. Sie wandeln sich in Holdinggesellschaften mit eigenständigen Töchtern, die auf ein Kerngebiet fokussiert sind. Die Konzerne

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Wie weit die Schere geöffnet ist

Ein Team um den Wirtschaftsforscher Thomas Piketty veröffentlicht seit diesem Jahr einen jährlichen Bericht über die weltweite Entwicklung wirtschaftlic her Ungleichheit: den World Inequality Report. Der Bericht, der gerade für das Jahr 2018 auf Deutsch erschienen ist, soll Öffentlichkeit und Politik informieren und insbesondere dafür sorgen, dass die öffentliche Debatte anhand der empirischen Faktenlage geführt wird. Wie entwickelt sich die Ungleichheit weltweit und in Deutschland? Und welche Folgerungen ergeben sich daraus für politisches Handeln? Auf globaler Ebene besteht die wichtigste Entwicklung der letzten Jahrzehnte darin, dass der Anteil der Menschheit, der in extremer Armut lebt, drastisch zurückgegangen ist. Im Jahr 1981 waren 44 Prozent der Weltbevölkerung - damals zwei Milliarden Menschen - von Armut betroffen. Bis zum Jahr 2015 ist diese Quote bei steigender Weltbevölkerung auf zehn Prozent gefallen. Das sind 700 Millionen Menschen - immer noch zu viele, aber der Fortschritt

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Kontrolleur der Kreativen

Bei der Hamburger Kommunikationsagentur Jung von Matt ist Anfang Juli kräftig umgebaut worden. Der Vorstand hat sich auf eine Person, den Vorsitzenden Peter Figge, verkleinert. Dafür ist ein neuer Partnerkreis mit 15 Mitgliedern, die in der Agentur arbeiten, berufen worden. Und schließlich hat sich der Aufsichtsrat der AG deutlich verändert: Der Medienmanager Jochen Gutbrod, 54, wurde in das Kontrollgremium berufen und übernimmt den Vorsitz. Die Agentur bestätigte die Personalmeldung. Neben Gutbrod gibt es künftig nur noch zwei weitere Aufsichtsratsmitglieder von Jung von Matt: Holger Jung, der seit 2011 einen Sitz dort hat, sowie Jean-Remy von Matt, der sich im Juli 2018 von seinem Vorstandsposten verabschiedet hat und in den Aufsichtsrat gewechselt ist. Unter seiner Ägide hat sich die 27 Jahre alte Firma den Ruf von Deutschlands kreativster Werbeagentur erarbeitet. Die beiden bisherigen Aufsichtsratsmitglieder Hans Hermann Münchmeyer, der den Vorsitz bisher hatte, sowie Michael Nesselhauf

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Gebremster Wandel

Die Senkrechtstarter des Jahres 2018 sind männlich, über 60 Jahre alt und Topmanager der heimischen Wirtschaft. Kurt Bock (60), bis vor wenigen Wochen Vorstandsvorsitzender des weltgrößten Chemiekonzerns BASF, platziert sich durch seine neuen und renommierten Aufsichtsmandate bei BMW und Münchener Rück gleich auf Rang 23 der mächtigsten Konzernkontrolleure. Auch Günther Bräunig startet im 63. Lebensjahr zum nächsten Karriereschub. Im März wurde er Chef der Staatsbank KfW, kurz darauf wählten ihn die Aktionäre von Post und Telekom zum Aufsichtsrat. Mit seinem dritten Mandat als Chefaufseher der Pfandbriefbank sicherte sich Bräunig auf Anhieb Platz zwölf im Ranking der wichtigsten Aufsichtsräte 2018. Das sieht nach alter Deutschland AG aus. Amtierende Vorstände und Ex-Manager teilen unter sich die interessantesten Kontrollposten auf. Tatsächlich bewegt sich aber einiges hinter den Kulissen. Das haben Wirtschaftsprofessor Michael Wolff und sein Wissenschaftlerteam der Universität Göttingen

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Der Markt läuft heiß

Für die Finanzinvestoren muss sich dieser Sommer anfühlen wie ein schier endloser Moment des Glücks. Das Einsammeln neuer Milliarden für die Beteiligungsfonds gelingt mühelos, die Zinsen für die Übernahmefinanzierungen bleiben rekordverdächtig niedrig - nicht zuletzt dank des unaufhaltsamen Vorrückens der privaten Kreditfonds - und auch milliardenschwere Deals lassen sich trotz der Konkurrenz durch Industriekonzerne an Land ziehen. Das Stimmungsbarometer für Deutschland hat im zweiten Quartal einen absoluten Höchststand erreicht - man ist sogar noch ausgelassener als vor der Finanzkrise. Mittlerweile spielt die Musik offenbar so laut, dass man warnende Worte überhört - oder absichtlich ignoriert. Dabei sind die Alarmsignale offensichtlich: Die hochgradig globalisierte Private-Equity-Branche ist extrem anfällig gegen Protektionismus. Die ersten abgesagten oder zurückgestellten transatlantischen Deals wegen der schärferen US-Auflagen für ausländische Investoren sind wie Wetterleuchten am

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Spalte und herrsche

Es war nur ein kurzer technischer Defekt bei der Telefonkonferenz. Continental-Chef Elmar Degenhart verstummte plötzlich mitten im Antwortsatz. Die Frage galt der Reifensparte. Nach kurzer Pause erklärte der 59-Jährige, dass durch die neue Holdingstruktur auch in der Reifensparte einen Börsengang bei entsprechendem Investitionsbedarf in Erwägung gezogen werden könnte. Es war nur ein kurzer technischer Aussetzer, seine Pläne sind es nicht. Der gebürtige Kurpfälzer traut sich was. Selbst die Keimzelle des Konzerns ist vor den anstehenden Veränderungen nicht mehr sicher. Die neue Holdingstruktur gibt Degenhart neue Freiheiten. 2009 übernahm er den Chefposten beim zweitgrößten Autozulieferer der Welt. Das Unternehmen steckte nach dem Einstieg der Schaeffler-Gruppe in einer tiefen Krise. Heute eilt der Autozulieferer unter der Führung des studierten Luft- und Raumfahrtingenieurs von Rekord zu Rekord. Der Börsenkurs ist in fünf Jahren von 70 auf 200 Euro gestiegen. Die Umsatzrendite ist zweistellig.

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