Handelsblatt News

Frost in der Hölle

Es ist kalt in Europa. Seit Tagen sieht man im Fernsehen Bilder von frierenden Menschen und schneebedeckten Straßen. Anscheinend ist es sogar so kalt, dass die Hölle zufriert. Erst dann, das hatte Ryanair-Chef Michael O'Leary erklärt, werde sein Unternehmen Gewerkschaften akzeptieren. Nun ist es so weit. In den nächsten Tagen will Ryanair sich mit Vertretern von Piloten-Gewerkschaften aus mehreren Ländern zu Gesprächen treffen. Endlich. O'Leary hat erkannt, dass man den Bogen nicht überspannen darf. Seine Sparpolitik und sein kompromissloser Führungsstil haben zwar dazu geführt, dass die irische Fluggesellschaft trotz aller Schwierigkeiten in der Branche glänzend dasteht. Vergangenes Jahr beförderte Ryanair sogar mehr Passagiere als Branchengigant Lufthansa. Und doch brachten die vergangenen Monate auch die Schattenseite der harten Sparpolitik zum Vorschein. Das Chaos im Sommer, als Ryanair Tausende Flüge canceln musste, weil Piloten fehlten, hat viele Passagiere verunsichert. Hätten Streiks

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"Der Plan B ist, Niki zu zerstören"

Herr Lauda, wie steht es um Ihre geplante Übernahme der Niki? Wir haben nur ein Zeitfenster von sieben Tagen. Ich habe dem Air-Berlin-Bevollmächtigten Frank Kebekus am Freitag gesagt, dass wir sehr schnell bereit sind, ein Kaufangebot vorzulegen. Wir können bereits am kommenden Mittwoch ein Angebot vorlegen. Doch bei dem Gespräch mit Herrn Kebekus hat sich herausgestellt, dass Niki nach seiner Aussage nur noch über zwei oder drei Flugzeuge verfügt. Das ist interessant, denn bislang war die Rede von 21 Flugzeugen bei Niki. Wieso verfügt Niki nur noch über so eine geringe Zahl von Flugzeugen? Inzwischen hat die Lufthansa einige der Flieger gekauft und ist als Leasingpartner in die Verträge eingestiegen. Eigentlich sieht die Auflage der EU-Kommission vor, den Ursprungszustand der Niki wieder herzustellen, wenn die Lufthansa die Fluglinie nicht bekommt. Das heißt 21 Flugzeuge. Die EU-Kommission kann über den jetzigen Zustand nicht sehr erfreut sein. Die Lufthansa verfolgte von Anfang an

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Arme Aufsichtsräte

Denn die einen sind im Dunkeln, und die andern sind im Licht, und man sieht nur die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht." Mit dem schon viel bemühten Bert-Brecht-Zitat darf zum Jahresabschluss auf eine Randgruppe hingewiesen werden: die armen Aufsichtsräte. Vom Gesetzgeber seit 1861 ohne Honoraranspruch in die Pflicht genommen, nach dem Gesetz noch immer auf Wohltaten und Brosamen der Hauptversammlung angewiesen, findet sich in der medialen Berichterstattung überwiegend nur der Hinweis auf die gut verdienenden und wohlausgestatteten Aufsichtsräte in den Dax-Etagen. Ungeachtet der Tatsache, dass auch die eindrucksvollste Hitliste der seit geraumer Zeit steigenden Aufsichtsratsvergütungen nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass längst nicht immer angemessene, das heißt der jeweiligen Qualifikation der Mandatsträger entsprechende, Stundensätze gezahlt werden, bleibt damit die kaum diskutierte "Bittsteller"-Rolle eines Aufsichtsrats ohne gesetzlichen Gegenleistungsanspruch im Raum stehen.

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Verkauf mit Hürden

Das Geschacher um die insolvente Air-Berlin-Tochter Niki hat begonnen. Mit dabei sind bekannte Namen, die schon in der ersten Bieterrunde im Spätsommer Interesse bekundet hatten. Neben dem Niki-Gründer Niki Lauda und dem Reisekonzern Thomas Cook (Condor) hat sich auch das Konsortium der Berliner Logistikfirma Zeitfracht und der Wartungsfirma Nayak gemeldet, die die Fracht- und Wartungssparte von Air Berlin übernommen haben. Doch der Zeitplan ist eng. Noch am vergangenen Freitag wurde nach Angaben von Insidern, die mit dem Verkaufsprozess vertraut sind, der sogenannte Datenraum geöffnet. Hier können Bieter Informationen über Niki einholen. Schon Ende der Woche sollen dann verbindliche Kaufangebote eingereicht werden, die rasch von den Gläubigern beurteilt werden. Im optimalen Fall soll zu Jahresbeginn ein Käufer feststehen, der den Deal bei den EU-Kartellwächtern vorlegt. Nur so, so heißt es, seien die wertvollen Start- und Landerechte zu sichern. Zwar ist es möglich, dass etwa die österreichische

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Die Jagd auf Intelligenz

Künstliche Intelligenz (KI) gilt als Technologie der Zukunft. Weltweit findet ein Wettlauf um die innovativsten Start-ups der Branche statt, bei dem Riesen wie Google, Apple und Microsoft ganz vorne mit dabei sind. Doch auch andere kämpfen immer stärker um Marktanteile.

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"Es war eine riesige strategische Wette"

Es nieselt. Der Wind bläst kräftig. Und selbst tagsüber ist es im Norden Kopenhagens erschaudernd dunkel. Wetterverhältnisse, die andere einer Depression nahebringen, lassen Henrik Poulsen strahlen. Für den Chef des Energiekonzerns Ørsted (8,2 Milliarden Euro Umsatz, 5 600 Mitarbeiter) könnte die winterliche Witterung kaum besser sein. Denn die Windräder seines Unternehmens arbeiten jetzt auf Hochtouren. Poulsen hat Dänemarks größten Öl- und Gaskonzern Dong zur globalen Nummer eins bei Windenergie auf hoher See gewandelt. Um die Transformation zu vollenden, verpasste sich der Konzern in Anlehnung an den dänischen Wissenschaftler und Mitbegründer der Elektrizitätslehre, Hans Christian Ørsted, im November sogar einen neuen Namen. Wie funktioniert solch ein drastischer Umbau? Für die Antwort bittet Poulsen in sein schnörkelloses Büro. Milchglaswände, offene Fensterfront, kühle Farben. Er selbst vollendet das reduzierte Design: drahtig, glatt rasiert, leicht gescheiteltes Haar, schnittiger

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Der neue Medienmacher

Mitten im Flur liegt dunkelroter Plüschteppich aus, ein reich verzierter Kleiderschrank steht an der Wand. In der Sofaecke gegenüber verschönert ein Gemälde im Goldrahmen die nackte Tapete. Mittendrin lehnt Ansgar Heise an einem weißen Lacktisch und trinkt Kaffee. Der 48-Jährige unterhält sich mit einem Kollegen, der Dokumente vor sich ausbreitet. Die beiden stehen in Heises Arbeitszimmer - mitten im Flur des Verlagsgebäudes. Der Chef der Heise-Gruppe versteckt sich nicht hinter Bürotüren, sondern ist mittendrin. Er sagt von sich selbst, dass er gerne Neues ausprobiert und die Digitalisierung liebt. Das muss er auch, denn die gesamte Zeitungsbranche ist im Umbruch. Das trifft ein auf Technik spezialisiertes Medienhaus wie Heise besonders. Das bekannteste Produkt, die Computerzeitschrift "c't", zählt zurzeit rund 210 000 Abonnenten. Die Zahl ist zwar rückläufig, aber deutlich besser als bei der Konkurrenz. Zum Vergleich: Die Abos und Einzelkäufe der "Computer Bild" gingen im Zeitraum

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Flächentarif in Gefahr

Sollte es bei der IG Metall eine schwarze Liste geben, dann steht Powertech in Berlin sicher weit oben. Der Münchener Mutterkonzern Knorr-Bremse hat entschieden, die Tochter aus der Tarifbindung zu nehmen. Für die Belegschaft bedeutet das 42 statt 35 Stunden Wochenarbeitszeit - ohne Entgeltausgleich. Zwar gilt für die bisherige Stammbelegschaft die Nachwirkung des Tarifvertrags. Doch laut Betriebsrat üben die Chefs Druck aus, Änderungskündigungen zu unterschreiben. Neue Verträge werden nur zu den neuen Konditionen geschlossen. Die Geschäftsleitung spricht von einem Schritt zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit und der Jobs. Zudem passe man die Arbeitszeit bei Powertech nur an die im Konzern geltende an. Für die IG Metall dagegen ist es ein klarer Fall von Tarifflucht. Das Thema reicht weit über die Metall- und Elektrobranche hinaus. Tarifverträge gelten in Deutschland als Garant für auskömmliche Löhne und gute Arbeitsbedingungen - und damit auch als Mittel etwa gegen Altersarmut. "Deshalb

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