Kategorien

Aufschwung in Sicht: Rahmenbedingungen für Unternehmensfinanzierung müssen stimmen


Damit Banken ihrer zugedachten Rolle als Finanzierer der anziehenden Wirtschaft gerecht werden können, müssen die Rahmenbedingungen für Unternehmensfinanzierung stimmen und Hindernisse wie bei der Ausgestaltung der finalen Baseler Regeln aus dem Weg geräumt werden, fordert der Bundesverband deutscher Banken. | © kevers/fotolia.com

Die aktuellen Konjunkturprognosen zeichnen ein zuversichtliches Bild der deutschen Wirtschaft. Insbesondere im zweiten Halbjahr 2021 dürfte sich der Aufschwung deutlich beschleunigen. Schon jetzt hat ein Großteil der Unternehmen die Krise nach den langen Wintermonaten und den Lockdown-bedingten Einschränkungen hinter sich gelassen und blickt zuversichtlich nach vorne. Der Weg aus der Krise hat begonnen, doch dazu müssen die Rahmenbedingungen für Unternehmensfinanzierung stimmen, stellt der Bundesverband deutscher Banken in einer aktuellen Veröffentlichung fest.

Damit Banken ihrer zugedachten Rolle als Finanzierer der anziehenden Wirtschaft gerecht werden können, müssen Hindernisse unter anderem bei der Ausgestaltung der finalen Baseler Regeln aus dem Weg geräumt werden. Mit Wiederaufnahme der regulären Insolvenzantragspflicht ist ein weiteres wichtiges Signal der Normalisierung gesetzt. Diese neuerliche Klarheit ist für Banken und andere Geschäftspartner – auch Unternehmen – essenziell. Eine bedrohliche Insolvenz-Welle erscheint gegenwärtig vorerst unrealistisch. Um die transformationsbedingten Investitionen in den nächsten zehn Jahren stemmen zu können, bedarf es einer Kombination aus starken Banken, effizienten Kapitalmärkten und präzisen Förderinstrumenten. Hier sollte auf umfangreiche Erfahrungen aus der jüngsten Krise zurückgegriffen werden, so die Forderung des Bankenverbandes.

Die positiven Wachstumsaussichten wirken sich vermehrt in der Breite des Mittelstandes und der Industrie aus und sorgen für weiter steigenden Optimismus. Zwar befinden sich einzelne Branchen noch immer in der Zwangspause oder haben nach wie vor mit coronabedingten Einschränkungen zu tun, doch Lockerungen und Öffnungsperspektiven nehmen weiter zu.

Normalisierung bei staatlichen Stützungsprogrammen

Die einsetzende Normalisierung ist auch anhand weiterer Indikatoren ablesbar: Die breiten Stützungsmaßnahmen der Bundesregierung in Form von Zuschüssen und Liquiditätshilfen laufen zwar teilweise noch bis Ende des Jahres bzw. werden voraussichtlich verlängert, doch ist schon jetzt erkennbar, dass die Nachfrage insbesondere bei den KfW-Corona-Hilfen stagniert. Darüber hinaus gilt seit dem 01.05.2021 wieder die reguläre Insolvenzantragspflicht für alle Unternehmen, die für Banken und andere Geschäftspartner die notwendige Klarheit über die tatsächliche Lage verschafft. Ein dramatischer Anstieg der Insolvenzzahlen ist zumindest kurz- bis mittelfristig nicht zu erwarten. Seitens der Banken sind bezüglich möglicher Insolvenzen und Kreditausfälle die notwendigen Vorkehrungen getroffen worden. So wurden ausreichende Risikopolster aufgebaut. Darüber hinaus sind in deutschen Banken bislang keine negativen Veränderungen bei den Volumen ausfallgefährdeter Kredite ersichtlich.

Kreditnachfrage der Unternehmen schwächelt noch

Gegenwärtig verharrt die Kreditvergabe an Unternehmen noch auf einem niedrigen Niveau. Laut Bundesbankzahlen für das erste Quartal 2021 zeichnet sich ein leichter Zuwachs ab. Bei der Kreditvergabe der privaten Banken ist im Vergleich zum Vorquartal ein deutlicher Anstieg erkennbar, der eine Trendwende darstellen könnte, so die Einschätzung des Bankenverbandes. Ein wichtiges Indiz ist zudem, dass sowohl der Zugang als auch die Vergabe von Krediten weiter stabil bleiben. Aus Sicht der Banken wie der Unternehmen ist – anders als im europäischen Vergleich – kein Anziehen der Bedingungen erkennbar, sodass die zunehmende Nachfrage gedeckt werden kann.

Verbesserungen der Rahmenbedingungen für Banken essenziell

Sobald der (Fremd-)Finanzierungsbedarf der Unternehmen für die anstehenden Investitionen wieder zunimmt, ist die Leistungsfähigkeit der Banken gefragt. Auf sie kommt es – wie schon in der akuten Phase der Corona-Krise – erneut an. Die privaten Banken stehen dabei mit ihrer Vielfalt, Markterfahrung und Größe ihren Kunden regional und global zur Verfügung. Damit die Institute ihre zugedachte Rolle als Finanzierer der Wirtschaft gerecht werden können, müssen gleichwohl Hindernisse unter anderem bei der Ausgestaltung der finalen Baseler Regeln aus dem Weg geräumt werden. Aber auch die aktuellen Sonderlasten des Bankensektors, etwa die aufgrund der expansiven Geldpolitik deutlich angestiegene Bankenabgabe bzw. die hohen Belastungen der Banken für die Negativzinszahlungen an die EZB, müssen kritisch geprüft werden, fordert der Bankenverband.

Richtige Impulse für die Transformation der Wirtschaft

Mit der sich abzeichnenden Überwindung der Krise rückt der Fokus zunehmend weg von der unmittelbaren Krisenbewältigung: Das Auflösen des Investitionsstaus und die Finanzierung der Transformation in Richtung einer nachhaltigen und digitalen Wirtschaft stehen nun im Blickpunkt. Der umfassende Investitionsbedarf geht einher mit enormen Anschubfinanzierungen, höheren bzw. unbekannten Risiken sowie einem erhöhten Bedarf an Fremd-, Hybrid-, Wagnis- und Eigenkapital. Aufgrund der schieren Volumina ist hierfür ein diversifizierter Ansatz aus Kapitalmarkt, Bankkrediten und auch Förderprogrammen nötig. Konkret bedarf es also einer parallelen, einander ergänzenden Mobilisierung von privatem Kapital, einer unverändert bedeutsamen Kreditfinanzierung durch die Banken sowie öffentlicher Investitionsanreize mittels der Förderprogramme, so die Forderung des Bundesverbandes deutscher Banken.

Eine ausführliche Analyse zum Thema ist hier im aktuellen Bericht „Unternehmensfinanzierung aktuell“ des Bankenverbands zu finden.

(Pressemitteilung Bundesverband deutscher Banken vom 03.06.2021)


Top