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Ausländische Investoren kaufen mehr deutsche Unternehmen als je zuvor


Private-Equity-Investoren stehen inzwischen für gut ein Drittel aller Deals. | © stanciuc/fotolia.com

Allein bis Mitte November wurden 756 deutsche Firmen von ausländischen Investoren geschluckt – und damit mehr als im Rekordjahr 2015 insgesamt, zeigt eine PwC-Studie. Vor allem auf Technologie-Unternehmen hat ein regelrechter Run eingesetzt.

Ausländische Investoren haben 2016 mehr deutsche Unternehmen übernommen als je zuvor. Allein bis Mitte November zählte die Unternehmensberatung PwC 756 Deals – womit der Rekordwert aus dem Vorjahr (728 Transaktionen) bereits nach zehneinhalb Monaten übertroffen war. Auch wenn für das restliche Jahr noch keine finalen Daten vorliegen, rechnen die M&A-Experten von PwC für 2016 insgesamt mit deutlich mehr als 850 Übernahmen. Das entspräche einer Steigerung von rund 20 Prozent. „Bemerkenswert ist, dass deutsche Unternehmen auch für Investoren aus Schwellenländern immer interessanter werden. So kamen 2015 noch 60 Prozent aller Käufer aus einer der sieben großen Industrieländer – dagegen waren es 2016 nur noch 45 Prozent“, sagt Steve Roberts, Partner und Leiter Private Equity bei PwC.

Warum Private-Equity-Investoren verrückt nach deutschen Technologiefirmen sind

Besonders spektakulär entwickelte sich die Zahl der Übernahmen in der Technologiebranche. Bis Mitte November waren bereits 141 Transaktionen vollzogen oder wenigstens angekündigt – was grob gerechnet einer Verdopplung binnen drei Jahren gleichkommt (2013 waren es insgesamt 78 Übernahmen). Der größte Tech-Deal war der Einstieg des niederländischen ASML-Konzerns bei der Carl-Zeiss-Tochter SMT für eine Milliarde Euro. Daneben sorgte zum Beispiel auch der Einstieg des US-Finanzinvestors Warburg Pincus bei der „Business Applications“-Sparte von United Internet für Schlagzeilen. „Vor allem die Private-Equity-Branche hat den deutschen Technologiesektor für sich entdeckt – was man daran erkennt, dass sich hier die Zahl der Tech-Deals seit 2013 sogar mehr als verfünffacht hat. Dabei geht es den Finanzinvestoren nicht nur um die Unternehmen als solche. Stattdessen setzen sie darauf, dass ihr gesamtes Portfolio von den Technologien ‚made in Germany‘ profitiert – und dass sich dadurch entsprechende Synergien schöpfen lassen“, erklärt Roberts.

Finanzinvestoren stemmten allein 266 Übernahmen

Auch generell stieg die Zahl der Private-Equity-Deals 2016 überproportional an. So zeichneten Finanzinvestoren bis Mitte November für 266 Übernahmen verantwortlich – eine Zahl, die nach PwC-Schätzungen bis zum Jahresende auf mehr als 300 gestiegen sein dürfte. Im Vergleich zum Vorjahr wäre das ein Plus von rund 25 Prozent. Bemerkenswert: Gemessen an sämtlichen Übernahmen deutscher Unternehmen durch ausländische Investoren liegt der Private-Equity-Anteil damit mittlerweile schon bei stattlichen 35 Prozent. „Die meisten Beteiligungsgesellschaften setzen vor allem auf Unternehmen aus der industriellen Produktion. Insofern ist Deutschland für viele Private-Equity-Firmen ein sozusagen natürlicher Zielmarkt. Als weitere Faktoren kommen noch die Stabilität der hiesigen Wirtschaft und die große Bandbreite an spannenden Mittelständlern hinzu“, sagt Roberts.

Chinesen auf dem Vormarsch, Briten fallen zurück

Genau wie in den Vorjahren stemmten US-Investoren auch 2016 die mit Abstand meisten Deals in Deutschland; bis Mitte November waren es 136. Allerdings ging ihr Anteil deutlich von 25 Prozent auf nur noch 18 Prozent zurück. Auf den Plätzen zwei und drei folgten die Schweiz (78 Deals) und Frankreich (71 Deals). China liegt mit 70 Transaktionen mittlerweile schon auf Rang vier, während Großbritannien mit nur noch 68 Übernahmen von Rang zwei auf Rang fünf abrutschte. Mit 188 Deals standen Unternehmen aus der industriellen Produktion ganz oben auf dem Kaufzettel der ausländischen Investoren. Dagegen schlitterte die Handels- und Konsumgüterbranche mit lediglich 142 Deals auf Platz zwei, ganz knapp nur noch vor der Technologieindustrie. Den deutlichsten Rückschlag musste der Immobiliensektor hinnehmen, der es bis Mitte November lediglich auf 54 Deals brachte und damit sogar hinter 2015 (insgesamt 72 Deals) zurückbleiben dürfte – womöglich ein Indiz, dass die Kaufpreise in der Branche mittlerweile recht hoch sind.

Weniger Mega-Deals als 2015

Auch wenn die Zahl der Übernahmen 2016 deutlich anstieg, blieb der durchschnittliche Transaktionswert mit 213 Millionen Euro hinter dem Vorjahr (280 Millionen Euro) zurück. Die größte Einzeltransaktion war die 4,1 Milliarden Euro schwere Übernahme des Roboterherstellers Kuka durch die chinesische Midea Group. Es folgten mit 3,3 Milliarden Euro die Akquisition des Immobilienunternehmens Office First durch den US-Finanzinvestor Blackstone sowie die 2,9 Milliarden Euro teure Übernahme des Spezialchemieunternehmens Atotech durch eine weitere Private-Equity-Gesellschaft, nämlich Carlyle.

(Pressemitteilung PwC vom 28.12.2016)


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