Kategorien

Brexit-Entscheidung bewirkt Umschichtungen der Investments im DAX


Die Brexit-Entscheidung hat im DAX zu Mittelabflüssen von britischen Investoren geführt, die ihren Anteil um 7,4% im Vergleich zum Vorjahr verringert haben. | © bluedesign/fotolia.com

Bereits zum vierten Mal haben der DIRK – Deutscher Investor Relations Verband und das Investor Relations-Beratungsunternehmen Ipreo in der gemeinsamen Marktstudie „Investoren der Deutschland AG 4.0“ die Strukturveränderungen der Investorenlandschaft des DAX analysiert. Das Hauptaugenmerk der Studie lag sowohl auf der Verteilung, als auch speziell auf den Veränderungen und Mittelflüssen des institutionellen Streubesitzes der DAX-Emittenten hinsichtlich Geografie, Investment Stil sowie den meist genutzten Handelsplätzen. Hierbei wurden Investments auf Investorengruppenebene, von Staatsfonds sowie die Bedeutung von extra-finanziellen Kriterien und das Abstimmverhalten von Investoren näher untersucht.

Die Brexit-Entscheidung hat im DAX zu Mittelabflüssen von britischen Investoren geführt, die ihren Anteil um 7,4% im Vergleich zum Vorjahr verringert haben. Im Gegenzug haben nordamerikanische und deutsche Investoren ihr Engagement im DAX um 5,1% bzw. 4,2% erhöht. Privatanleger favorisieren weiterhin den DAX und halten im Durchschnitt 16%. Der institutionelle Streubesitz bleibt weitestgehend stabil bei ca. 60% der Marktkapitalisierung des DAX.

Auswirkungen des Brexit sind im DAX angekommen

Kay Bommer, Geschäftsführer des DIRK, meint zu den Ergebnissen: „Die Auswirkungen des Brexit sind auch im DAX angekommen. Das erhöhte Interesse von amerikanischen Anlegern und der erneute Anstieg heimscher Investoren stimmt zuversichtlich, aber auch die hohe Bedeutung extra-finanzieller Investmentkriterien und der gestiegene Anteil an Hedgefonds auf Hauptversammlungen sind Themen, denen wir uns als Verband verstärkt widmen wollen“, so Bommer.

„Nach einem turbulenten Jahr am Kapitalmarkt, welches von Themen wie dem Brexit, Präsident Trump und einer lockeren Geldpolitik der Notenbanken geprägt wurde, zeichnen sich Verschiebungen und Umschichtungen im DAX ab. Das Anlagepotenzial, das der Leitindex bietet, wird im Ausland als solches wahrgenommen, speziell in Übersee. Die Relevanz von internationalen Kapitalgebern ist für DAX-Unternehmen von großer Bedeutung und sollte in der aktiven IR-Kommunikationsstrategie eine zentrale Rolle einnehmen“, kommentiert Andreas Posavac, Managing Director bei Ipreo.

London bleibt das Top-Roadshowziel für DAX-Gesellschaften

Die Studienergebnisse zeigen, dass die nordamerikanischen Fonds im DAX auf dem Vormarsch sind, mit einer gestiegenen Veranlagung (+6% im Vergleich zum Vorjahr). Passiv ausgerichtete Investorengruppen wie Vanguard werden immer wichtiger als Investorengruppe des DAX, obwohl in diesem Jahr ein leichter Rückgang zu verzeichnen ist. Top-Destination für Roadshows bleibt immer noch London, gefolgt von Frankfurt und Paris. Die Norges Bank bleibt größter Einzelinvestor im DAX ungeachtet einer Reduzierung seines Engagements in 2016. Der bekannte norwegische Staatsfonds hat angekündigt, aus Rentabilitätsgründen vermehrt in Aktien zu investieren, was sich positiv auf die DAX-Konzerne auswirken wird. Auf Gruppenebene dominiert die Blackrock-Gruppe mit einem leichten Rückgang des DAX-Engagements. Der Anteil der aktiven Investments bleibt mit ca. 20% konstant, zukünftig wird BlackRock vermehrt passive Investmentstrategien nutzen, was eine Kapitalumschichtung aus aktiven Fonds zu Folge haben wird. Extra-finanzielle (ESG) Kriterien bei der Investmententscheidung und der Einfluss von Stimmrechtsberatern auf die Abstimmrichtline der Investoren ist im DAX von zentraler Bedeutung.

Verstärktes Engagements von US-amerikanischen und deutschen Anlegern

„Die Abwanderung von UK-Investoren zugunsten amerikanischer und deutscher Anleger ist ein allgemeiner Trend, den wir nicht nur bei DAX-Unternehmen, sondern auch im deutschen Mittelstand beobachten“, kommentiert Frederik Frank, Associate Director bei Ipreo in Frankfurt, die Studienergebnisse. „Die Unsicherheiten bezüglich des Brexit sowie der MiFID II-Regularien stellen IR-Abteilungen vor neue Herausforderungen, da zu erwarten ist, dass sich Emittenten zukünftig eigenständiger mit der Durchführung ihrer IR-Strategie auseinandersetzen müssen“, so Frederik Frank weiter.

Weitere Ergebnisse der Marktstudie „Investoren der Deutschland AG 4.0“ finden Sie hier.

(Pressemitteilung DIRK Deutscher Investor Relations Verband vom 12.06.2017)


Top