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Chemiebranche: Übernahmefieber steigt auf Allzeithoch


Der Anteil der Transaktionen mit europäischer Beteiligung hat sich gegenüber dem Vorjahr von sechs auf rund 16% fast verdreifacht. | © pichetw/fotolia.com

Das Transaktionsvolumen in der Chemiebranche ist laut einer aktuellen PwC-Analyse zur Jahreshälfte auf einem Allzeithoch. Besonders Mega-Deals treiben die Branche an. Die Eurozone verzeichnet ein Rekordvolumen.

Erneuter Rekord bei den Fusionen und Übernahmen in der Chemiebranche: Wie aus einer Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC hervorgeht, zählte das erste Halbjahr 2016 weltweit 89 Transaktionen ab 50 Mio. USD, die mit einem Gesamtvolumen von 136,7 Mrd. USD zu Buche schlugen. Dies ist das mit Abstand höchste bislang gemessene Transaktionsvolumen zur Jahresmitte: Schon jetzt liegen die M&A-Aktivitäten im laufenden Jahr über dem Niveau der Gesamtjahre 1998 bis 2014. Lediglich im Rekordjahr 2015 erreichte das Transaktionsvolumen mit 230 Mrd. USD zum Jahresende einen noch höheren Wert. Ausschlaggebend für diese Entwicklung sind mehrere große Deals, allen voran die Ankündigung der Übernahmen von Monsanto durch Bayer sowie von Syngenta durch ChemChina.

Europäische und chinesische Unternehmen auf dem Vormarsch

Der Anteil der Transaktionen mit europäischer Beteiligung hat sich gegenüber dem Vorjahr von sechs auf rund 16 Prozent fast verdreifacht. Der europäische Beitrag zum globalen Übernahmevolumen liegt mit 80 Prozent sogar noch deutlich höher. „Europa hat im ersten Halbjahr 2016 ein fulminantes Comeback hingelegt“, erklärt Dr. Volker Fitzner, Partner und Experte für die Chemieindustrie bei PwC. „Das schon jetzt rekordverdächtige Transaktionsvolumen im laufenden Jahr lässt sich nicht zuletzt auf die deutlich gestiegenen Übernahmeaktivitäten europäischer Firmen und Investoren zurückführen.“ Gleichzeitig sind europäische Unternehmen aber auch zunehmend attraktiv für ausländische Akteure. „Die Patente, das technische Know-how sowie die strategisch gute Marktpositionierung europäischer Chemieunternehmen weckt die Kauflust ausländischer Investoren, allen voran aus China“, ergänzt Fitzner. Die chinesischen Übernahmeangebote in Richtung Europa brachten es in den ersten sechs Monaten des Jahres auf ein Volumen von insgesamt 45 Mrd. USD.

Konsolidierung innerhalb Chinas schreitet voran

Gemessen an der reinen Anzahl der Fusionen und Übernahmen liegt der regionale Schwerpunkt der M&A-Aktivitäten allerdings weiterhin in China. Mit insgesamt 42 Transaktionen wurde in diesem Jahr bereits fast die Hälfte der Chemie-Deals innerhalb Chinas angekündigt und vollzogen. „Durch eine stetige Konsolidierung der heimischen Chemieindustrie versucht die chinesische Regierung, international konkurrenzfähige Großkonzerne zu schaffen“, erläutert Volker Fitzner. „Neben dem Zukauf ausländischen Know-hows ist dies die zweite Säule ihrer Branchenstrategie.“

Strategische Übernahmen in der Agro-Chemie

Die meisten Fusionen und Übernahmen im ersten Halbjahr 2016 gab es in den Bereichen Spezial- sowie Grundstoffchemie. Das mit Abstand höchste Transaktionsvolumen von 99,1 Mrd. USD erreichte hingegen der Bereich Agro-Chemie. Grund hierfür ist die Ankündigung zweier Mega-Übernahmen. „Das Geschäft mit Agrarchemikalien ist von enormer strategischer Bedeutung“, kommentiert Volker Fitzner. „Zweifelsohne investieren die Unternehmen in eine zukunftsweisende Technologie, deren Wachstumsversprechen an der Entwicklungsprognose der Weltbevölkerung abzulesen ist.“

Ausblick zweites Halbjahr 2016

Sollte sich der Trend des ersten Halbjahres fortschreiben, könnte 2016 das Jahr mit den bislang teuersten Unternehmensübernahmen in der Chemiebranche werden. „Die Ankündigung der Mega-Fusion zwischen Dow Chemicals und Dupont im vergangenen Jahr hat die Branche in Bewegung versetzt“, erklärt Fitzner. Weitere Akteure sind mit ihren Investitionsentscheidungen nun nachgefolgt. „Bis Ende des Jahres können wir sicherlich mit einer weiterhin hohen Dynamik im M&A-Markt rechnen. Schließlich werden weitere Carve-Outs und Verkäufe zu erwarten sein“, so Fitzner weiter.

(Pressemitteilung PwC vom 04.07.2016)


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