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Corona befeuert Verkaufswelle: 86% der nordeuropäischen Unternehmer erwägen, ihr Unternehmen innerhalb von zehn Jahren zu verkaufen


Aufgrund der Corona-Krise erwägen 86% der nordeuropäischen Unternehmer, ihr Unternehmen innerhalb von zehn Jahren zu verkaufen. | ©aksanakoval / 123rf

86% der nordeuropäischen Unternehmer planen, ihr Unternehmen innerhalb von zehn Jahren zu verkaufen – auch als Folge der Corona-Krise. Am wenigsten positiv stehen Unternehmer in England einem Verkauf mit 51% gegenüber. In Deutschland denken zwei Drittel (66%) der Unternehmer, die Zeit sei gut. Auffallend ist in diesem Jahr, dass 77% der deutschen Unternehmer den Kauf eines Unternehmens wiederum ausdrücklich in Erwägung ziehen – und damit am optimistischsten unter allen Ländern sind (Durchschnitt 72%), so der achte „Company Takeover Monitor“ des M&A-Beratungsunternehmens Marktlink. Neben Deutschland umfasste die Erhebung auch Belgien, Dänemark, die Niederlande, Schweden und das Vereinigte Königreich.

Viele Unternehmen haben die unsichere Stimmung der Corona-Krise hinter sich gelassen und blicken wieder positiv nach vorne, stellen die Studienautoren fest. Die Welle an Käufen und Verkäufen, die Marktlink mit seinen jährlichen Umfragen prognostiziert hat, habe zuletzt deutlich eingesetzt.

Eine Untersuchung von KPMG ergab Mitte Oktober, dass der niederländische Markt für Fusionen und Übernahmen wie alle weltweit auf Rekordkurs ist. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2021 fanden der Studie zufolge in den Niederlanden 55% mehr Unternehmensfusionen und -übernahmen statt als im gleichen Zeitraum des Jahres 2020.

Corona-Krise lässt Unternehmer über Verkauf nachdenken

Nach Aussage der Studienautoren hat die Corona-Krise viele Unternehmer zum Nachdenken gebracht. 51% der europäischen Unternehmer mit Verkaufsambitionen nennen Corona als Hauptgrund dafür, dass sie über den Verkauf ihres Unternehmens nachdenken (2020: 37%). Unter den europäischen Unternehmen überwiegt diese Denkweise vor allem bei den deutschen Unternehmern mit 64%. In Belgien, das den Aussagen zufolge mit am stärksten wirtschaftlich von den Auswirkungen betroffen ist, hat sich der Anteil der Unternehmer, die aufgrund der Pandemie über einen Verkauf nachdenken, mehr als verdreifacht (von 15% auf 47%).

Unternehmer haben sich in den letzten anderthalb Jahren Zeit zum Reflektieren genommen. Sie haben begonnen, ihr Unternehmen aus einem deutlich kaufmännischeren Blickwinkel zu betrachten. Sie fragen sich, was sie tun müssen, um auch in Zukunft erfolgreich zu bleiben und welche Rolle sie einnehmen müssen, so die Einschätzung der Studienautoren. Diese Haltung spiegle sich auch darin wider, dass rund 80% der Unternehmer einen Teil des Unternehmenswertes mit weniger Risiko versehen möchten. Damit sei der Weg frei für Übernahmen durch Private Equity-Fonds. Die Kombination aus Kommerzialisierung und viel Kapital am Markt treibe die zuvor prognostizierte Übernahmewelle an. Angesichts der Zahlen und der Anzahl der Unternehmen ist ein Ende dieser Welle nirgends in Sicht, so die Prognose der M&A-Experten.

Während im Ausland die Frage des besten Preises das romantische Image einer Unternehmensnachfolge in der eigenen Familie erodiert, verändert sich diese Haltung in Deutschland nur allmählich. So würden 75% der niederländischen Geschäftsinhaber das Geschäft sofort an einen Dritten verkaufen, wenn der richtige Preis angeboten wird und nur 25% der niederländischen Unternehmer bevorzugen die Unternehmensnachfolge durch ein Familienmitglied. In Deutschland hingegen werden entweder ein MBO (50%) oder aber der Verkauf an ein Familienmitglied (57%) bevorzugt. In allen anderen Märkten wird der Verkauf an einen externen Investor bevorzugt. Von allen untersuchten Ländern wählen die Deutschen überraschenderweise ein anderes Unternehmen am seltensten unter die Top 2.

Corona – größter Schaden in Deutschland und Dänemark

Europaweit gaben nur 25% der Unternehmen an, dass ihr Umsatz durch die Corona-Krise um mehr als 10% gesunken sei; Auffallend ist, dass 30% der Unternehmen angaben, ihr Umsatz sei im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Für die größten Verluste scheint die Coronakrise in Dänemark und Deutschland verantwortlich zu sein. Diese Länder geben an, während der Coronakrise am meisten Umsatz einbüßen zu müssen (56% der Unternehmen in Deutschland, 66% der Unternehmen in Dänemark).

Europa wird immer mehr zur Norm

In Sachen Internationalisierung macht der Markt für Unternehmensübernahmen derzeit große Fortschritte. Die überwiegende Mehrheit der europäischen Unternehmer erwartet im kommenden Jahrzehnt eine Zunahme internationaler Übernahmen. 40% dieser Gruppe erwarten, dass die Akquisitionswelle hauptsächlich zwischen europäischen Unternehmen stattfindet, während 12% der Meinung sind, dass hauptsächlich amerikanische Unternehmen auf den europäischen Markt blicken.

Die Deutschen öffnen sich dem Ausland: 60% von ihnen sind daran interessiert, ihr Unternehmen im Ausland zu kaufen oder zu verkaufen. In den Niederlanden, England und Schweden ist dies für 40% eine ernsthafte Option. Eine wachsende Gruppe niederländischer Unternehmer (43%, +11% letztes Jahr) glaubt jedoch, dass eine ausländische Akquisition aufgrund kultureller Unterschiede weniger erfolgreich ist.

Den Studienautoren zufolge nehme die Internationalisierung des Übernahmemarktes deutlich zu. Bei 80% der Transaktionen sitzen internationale Parteien am Tisch. Dies führe bei etwa einem Drittel der Transaktionen zu einem Deal mit einer internationalen Partei. Dieser Anteil nehme von Jahr zu Jahr zu. Daher spielen kulturelle Unterschiede bei Übernahmen eine zunehmende Rolle. Unternehmer wissen sehr gut, dass Kultur und Präsenz vor Ort wesentliche Erfolgsvoraussetzungen für nahezu jedes Unternehmen sind, so die Aussage der Studienautoren.

Weitere Informationen zum „Marktlink Company Takeover Monitor“ finden Sie hier.

(Pressemitteilung Marktlink vom 18.11.2021)


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