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Der deutsche Markt für „Distressed M&A“ wächst


In 2017 wird der Automobil- und Konsumgüterbereich – ähnlich wie in 2016 – den größten Anteil an Distressed-Fällen ausmachen. | © pichetw/fotolia.com

Auf dem deutschen Markt für den Kauf oder Verkauf von Unternehmen in der Krise – Distressed M&A – wird der Wettbewerb zunehmen. Ausländische Investoren, vor allem aus China, sind dabei 2017 deutlich aktiver als bisher.

Der deutsche Markt für Unternehmensübernahmen aus Krisensituationen heraus (Distressed M&A) wächst weiter. Vor allem der hohe Investitionsdruck bei Investoren, ein günstiges Finanzierungsumfeld und ein zunehmendes Interesse von Investoren aus dem Ausland – in erster Linie aus Asien – sorgen für einen verstärkten Wettbewerb. Durch die hohe Komplexität solcher Transaktionen nehmen gleichzeitig die Anforderungen an M&A-Berater zu. Das sind einige der zentralen Ergebnisse der „Distressed M&A-Studie 2017“, für die Roland Berger über 200 Experten und Entscheider befragt hat. Die meisten Umfrageteilnehmer stammen aus den Gruppen der Gläubiger, also der Unternehmensfinanzierer und der Insolvenzverwalter.

Für 2017 erwarten die meisten Befragten eine Zunahme entsprechender Fälle in den Bereichen Automobil (61%) und Konsumgüter (51%). Fast 90 Prozent sehen ein steigendes Interesse von ausländischen Investoren, besonders aus Asien (82%) und speziell aus China (88%). Mehr als die Hälfte (55%) erwarten dadurch einen verstärkten Wettbewerb. Dagegen spielt der Brexit aus Sicht der Befragten nur eine marginale Rolle: 57 Prozent gehen davon aus, dass der Austritt Großbritanniens aus der EU die Investitionen in deutsche Unternehmen nicht beflügeln wird.

Vorinsolvenzliche Verfahren bevorzugt

Für ihre Studie haben die Roland Berger-Experten die Umfrageteilnehmer auch nach Details ihrer Arbeit gefragt. So nutzen 70 Prozent der Befragten vorinsolvenzliche Verfahren, um Unternehmen zu erwerben, an zweiter Stelle der meistgenannten Prozesse folgt mit 67 Prozent der Kauf oder Verkauf von Unternehmen aus der Insolvenz heraus. „Dass vorinsolvenzliche Prozesse im Vergleich zu Verkäufen aus der Insolvenz heraus bevorzugt werden, deckt sich mit unserer Erfahrung“, sagt Sascha Haghani, Leiter der Restrukturierungssparte bei Roland Berger. „Die vorinsolvenzliche Sanierung hat viele Vorteile, vor allem für Unternehmen mit „gesunden“ Geschäftsmodellen.“

Nach Ansicht fast aller Studienteilnehmer (90%) steigt insgesamt die Komplexität von Distressed M&A-Transaktionen; vor allem die Vielzahl an Beteiligten und hoher Zeitdruck zählen zu den Haupttreibern. Dazu kommen Faktoren wie das aktuelle Niedrigzinsumfeld, das zur Verschleppung von Distressed M&A-Prozessen (64% Zustimmung) und zu einer Belastung von übernommenen Unternehmen (62%) führt, sowie neue Instrumentarien und Vorgehensweisen. „Zudem erwarten Gläubiger und Investoren zunehmend professionell begleitete und ergebnisorientierte Prozesse mit hoher Informationstransparenz“, sagt Jörg Eschmann, Partner der Corporate Finance-Practice von Roland Berger. „All dies führt dazu, dass professionelle Berater mit Industrieexperten an Bord bei Distressed M&A-Verfahren immer wichtiger werden.“

Seniore Beratungsteams bevorzugt

Entsprechend messen mehr als drei Viertel (76%) der Befragten dem Berater eine hohe Bedeutung bei. „Im Ranking der wichtigsten Akteure für eine erfolgreiche Transaktion folgt der M&A-Berater direkt nach den unmittelbar Beteiligten, also Investor, Insolvenzverwalter, Unternehmensmanagement und Gläubigern“, sagt Eschmann. Als wichtigste Anforderungen an den Berater sehen die Befragten dabei Transaktionserfahrung (95%), Unabhängigkeit (72%) und Branchenerfahrung (70%). Letztere ist auch insofern wichtig, als 93 Prozent der Studienteilnehmer ein nachhaltiges Geschäftsmodell als wichtigsten Faktor für den Erfolg einer Transaktion sehen. „Um die nötigen Prozesse gut steuern zu können, bevorzugen die Beteiligten eindeutig die Begleitung durch seniore M&A-Teams“, resümiert Restrukturierungsexperte Sascha Haghani.

Weitere Informationen finden Sie hier.

(Pressemitteilung Roland Berger vom 21.03.2017)


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