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Deutscher M&A-Markt: Regulatorische Hürden bei Transaktionen immer höher


Der deutsche M&A-Markt präsentiert sich auch im dritten Quartal 2017 weiter stark, jedoch nehmen regulatorische Hürden bei Transaktionen immer mehr zu. | © pichetw/fotolia.com

Mit einem Paukenschlag ging das dritte Quartal im deutschen M&A-Markt zu Ende: Siemens und Alstom kündigten an, ihre Zugsparten zusammenzulegen. Die Milliardenfusion soll vorbehaltlich der Zustimmung durch die EU-Kartellbehörden Ende 2018 abgeschlossen sein. Auch sonst verlief das Jahresviertel im Transaktionsgeschäft mit deutscher Beteiligung auf Käufer-, Verkäufer oder Zielunternehmensseite durchaus lebhaft. Trotz eines Rückgangs bei Volumina und Anzahl der Deals bewegte sich der Markt mit 450 Transaktionen und einem Gesamtvolumen von rund 35,1 Mrd. USD auf einem sehr soliden Niveau.

Laut der aktuellen M&A-Insights der Allen & Overy sind die Rahmenbedingungen für M&A-Aktivitäten sind nach wie vor sehr günstig. Die deutschen Unternehmen sitzen auf prallen Kassen, der Anlagedruck für Finanzinvestoren lässt nicht nach, die Finanzierungsbedingungen bleiben bis auf weiteres historisch günstig. Zudem vollzieht sich das organische Wachstum in den entwickelten Volkswirtschaften nach wie vor relativ langsam – für viele Anleger zu langsam, stellen die Studienautoren fest. In diesem Umfeld entfalten M&A-Transaktionen einen besonderen Wert. Viele Unternehmen setzen auf exogenes Wachstum. Andere nutzen das gute Umfeld zur Fokussierung auf zukunftsträchtige Kerngeschäftsfelder und trennen sich von weniger strategischen Aktivitäten.

Aufsehenerregende innerdeutsche Deals

Die größte innerdeutsche Transaktion der vergangenen drei Monate war die Aufspaltung des Handelskonzerns Metro in die Elektroniksparte Ceconomy und die Lebensmittelsparte, die weiter unter dem traditionellen Namen firmieren wird. Die bisherigen Anteilseigner erhielten einen 90%-Anteil an dem Geschäftsbereich im Wert von 6,73 Mrd. USD.

USA bleiben Top-M&A-Ziel

Als ausländisches Zielgebiet blieben neben Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden vor allem die USA für deutsche Käufer wichtig. So übernahm der Dialysekonzern Fresenius Medical Care seinen US-amerikanischen Konkurrenten NxStage Medical für ca. 2 Mrd. USD. Die Bertelsmann-Stiftung erwarb für rund 1 Mrd. USD ein 22%-Aktienpaket an Penguin Random House und besitzt nun 75% des US-Verlags.

Auch bei den Übernahmen deutscher Unternehmen durch ausländische Käufer steigerte sich die Dynamik zum Quartalsende. So betreibt der finnische Versorger Fortum die Übernahme des von E.on abgespaltenen Kraftwerksbetreibers Uniper. Und Rocket Internet verkauft 13% seiner Delivery-Hero-Aktien für 660 Mio. EUR an die südafrikanische Mediengruppe Naspers.

Auch Unternehmen aus den USA waren im vergangenen Quartal im deutschen M&A-Markt aktiv. So verstärkt sich der US-Pharmakonzern Merck & Co Inc. im Bereich der Immunonkologie mit einem Zukauf in Deutschland. Er übernimmt das Biotechnologieunternehmen Rigontec aus München für rund 553 Mio. USD.

Regulatorische Daumenschrauben

Regulatorische Hürden, die den Vollzug von M&A-Transaktionen verkomplizieren und gegebenenfalls zum Scheitern bringen können, werden immer höher. Deutlich wird das zum Beispiel an der 66 Mrd. USD schweren Übernahme von Monsanto durch Bayer. Diese entwickelt sich immer mehr zur Geduldsprobe. Die Behörden wollen den Deal weiter intensiv prüfen. Mit dem Abschluss der bereits vor einem Jahr angekündigten Transaktion ist damit frühestens Anfang 2018 zu rechnen.

Peking nimmt Auslandsinvestitionen genauer unter die Lupe

Hindernisse zeigen sich auch im Verhältnis zu China. Die Regierung in Peking nimmt „irrationale“ Auslandsinvestitionen und Kapitalbewegungen genauer unter die Lupe, um Kapitalabflüsse einzudämmen. Laut der Studienautoren haben die im Juli in Kraft getretenen Änderungen der Außenwirtschaftsverordnung chinesische Kaufinteressenten zusätzlich verunsichert.

Auch die EU machte in den vergangenen Monaten Schlagzeilen mit ihren Plänen für eine Neuregelung des Investitionsschutzes. Nach ihrem Willen sollen die Mitgliedsstaaten ausländische Direktinvestitionen in oder Übernahmen von Unternehmen aus sensiblen Bereichen künftig genauer prüfen können. Im Fokus stehen dabei laut der Studienautoren kritische Infrastrukturen und Hochtechnologie, darunter künstliche Intelligenz, Halbleiter, Robotik sowie der Zugang zu kritischen Rohstoffen. Auch dieses Gesetzgebungsvorhaben wird in erster Linie chinesische Kaufinteressenten betreffen. Innerhalb der EU-Staaten ist dies allerdings umstritten.

Anhaltende Dynamik dank günstiger Rahmenbedingungen

Auch für die kommenden Monate rechnen die Experten von Allen & Overy mit einer anhaltenden Dynamik auf dem M&A-Markt. Die Rahmenbedingungen für M&A-Aktivitäten seien nach wie vor sehr günstig. Geopolitische Entwicklungen scheinen die Zuversicht nur wenig zu beeinflussen. Jeder, der am Erwerb einer maßgeblich in den USA oder Großbritannien tätigen Unternehmensgruppe interessiert ist, steht vor der Frage, ob der Erwerb angesichts der politischen Unsicherheiten nicht besser aufgeschoben werden sollte. Dennoch haben bisher weder der Brexit noch die America first-Politik der neuen US-Administration die negativen Vermutungen pessimistischer Beobachter bestätigt. Im Ergebnis bleibt der Trend zu grenzüberschreitenden Transaktionen ungebrochen, obwohl die regulatorischen Hürden höher werden und die Kaufpreise hoch bleiben, so die Autoren der Studie.

Den aktuellen M&A-Insights-Report finden Sie hier zum Download.

(Pressemitteilung Allen & Overy vom 06.10.2017)


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