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Durchwachsene Halbjahresbilanz auf dem weltweiten IPO-Markt


Europa ist weiter aktivste IPO-Region weltweit – trotz Unsicherheiten vor dem UK Referendum. | © moomsabuy/fotolia.com

Nach einem schwachen Jahresauftakt mit weltweit gerade einmal 191 Börsengängen im ersten Quartal stieg die Zahl der IPOs im zweiten Quartal auf 246. Damit blieb das erste Halbjahr allerdings deutlich hinter dem Vorjahreszeitraum zurück: Die Zahl der Börsengänge sank im Vergleich zum ersten Halbjahr 2015 um 38% von 704 auf 437 Transaktionen, das Emissionsvolumen ging noch stärker zurück – um 61% von 110,1 auf 43,0 Mrd. USD. Damit war die erste Jahreshälfte die schwächste seit dem ersten Halbjahr 2009, dem Jahr der Finanzkrise.

Besonders stark schrumpfte der chinesische IPO-Markt: Nachdem im Vorjahresquartal noch 139 Unternehmen in China und Hong Kong den Schritt aufs Parkett gewagt hatten, verzeichneten die dortigen Börsenplätze in den vergangenen drei Monaten nur noch 58 IPOs – ein Rückgang um 58%. Das Emissionsvolumen sank sogar um 84% von 30,0 auf 4,8 Mrd. USD, wie eine aktuelle Analyse des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY zeigt.

Ebenfalls stark rückläufig waren die IPO-Aktivitäten in den Vereinigten Staaten, wo die Zahl der Börsengänge von 72 auf 37 sank. Dabei erlösten die Neulinge an den US-Börsen nur noch 6,2 Mrd. USD – weniger als halb so viel wie im Vorjahresquartal, als 14,3 Mrd. USD erlöst wurden.

Europa weiter aktivste IPO-Region weltweit

Europa erwies sich wie schon im ersten Quartal als aktivste IPO-Region der Welt – wenngleich auch hier Einbußen zu verzeichnen waren: Die Zahl der Börsengänge sank um 32% von 95 auf 65, das Emissionsvolumen ging um 32% von 16,2 auf 12,9 Mrd. USD zurück.

„Trotz der Unsicherheiten vor dem Referendum in Großbritannien entwickelte sich der europäische Primärmarkt erneut deutlich stärker als der asiatische und der weit abgeschlagene amerikanische Markt: Beim Emissionsvolumen liegt Europa mit 19 Mrd. USD vorn, bei der Anzahl der Börsengänge mit 155 IPOs auf Platz zwei. Der sich stabilisierende Ölpreis und die vergleichsweise gute Kursperformance von IPOs im aktuellen Niedrigzinsumfeld sind die wichtigsten Gründe für die vergleichsweise robuste Entwicklung in Europa“, stellt Martin Steinbach, Leiter des Bereichs IPO and Listing Services bei EY, fest.

Nachdem es im ersten Quartal gerade einmal eine einzige Mrd.-Transaktion gegeben hatte, wurden im zweiten Quartal immerhin sechs Börsengänge mit einem Emissionsvolumen oberhalb von einer Milliarde USD gezählt. Der größte Börsengang war das Börsendebüt des dänischen Windparkbetreibers Dong Energy, das 2,6 Mrd. USD einbrachte. Die zweitgrößte Transaktion im zweiten Quartal war der Börsengang des US-Investmentfonds MGM Growth Properties (1,2 Mrd. USD), gefolgt vom IPO des Lebensmittellieferanten US Foods Holding, der knapp 1,2 Mrd. USD einbrachte. Von den zehn größten Börsengängen weltweit fanden immerhin sechs in Europa statt.

In Deutschland bisher vier Börsengänge

Innerhalb Europas erwies sich vor allem der IPO-Standort Großbritannien als aktiv: Nach 18 IPOs im Vorjahreszeitraum gingen dort auch im zweiten Quartal dieses Jahres 18 Unternehmen an die Börse. Nachdem in Deutschland im ersten Quartal mit dem Biotechnologie-Unternehmen BRAIN (32,5 Mio. € Platzierungsvolumen) und dem Windradbauer Senvion (270,6 Mio. € Platzierungsvolumen) zwei Unternehmen an die Börse gegangen waren, schafften im zweiten Quartal zwei weitere Unternehmen den Sprung aufs Parkett: das Spezialchemieunternehmen Decheng Technology, das 2,5 Mio. € erlöste, sowie das FinTech-Unternehmen MyBucks, dessen Börsengang 15 Mio. € einbrachte.

„Obwohl die Volatilität im zweiten Quartal über weite Strecken relativ gering war, und obwohl reichlich Kapital vorhanden ist, das nach Anlagemöglichkeiten sucht, blieben viele Börsenkandidaten lieber in Deckung und warteten ab, als in diesen unsicheren Zeiten den Schritt aufs Parkett zu wagen“, kommentiert Steinbach.

Brexit sorgt für Unsicherheit

Steinbach rechnet nach dem Brexit-Votum der Briten kurzfristig mit verhaltenen IPO-Aktivitäten, vor allem in den traditionell ohnehin eher ruhigen Sommermonaten: „Die Unsicherheiten haben nach der Brexit-Entscheidung besonders für IPO Kandidaten mit starkem Geschäft in Großbritannien nochmal deutlich zugenommen. Wir rechnen deshalb mit Börsen, die durch die aktuellen politischen Rahmenbedingungen stark beeinflusst sind, und mit einem raschen Wechsel von Aktivität und Flaute für das verbleibende IPO Jahr. Die Aktien- und Währungsmärkte bleiben dabei weiter hoch sensibel. Zum Jahresende hin und im kommenden Jahr könnte der IPO-Markt aber wieder kräftig an Dynamik gewinnen, sofern bis dahin mehr Klarheit über die zukünftigen Rahmenbedingungen herrscht. Mit etwas Glück sind 10 bis 15 Börsengänge in Deutschland nach wie vor möglich“. IPO-Kandidaten müssten aber bei IPO-Fenstern, die nur kurz geöffnet und zudem  schwer vorhersagbar seien, in der Lage sein, ihre Chance sehr rasch zu nutzen. Dabei würden die richtige Equity Story, die gute Vorbereitung und ein Plan B immer wichtiger, betont Steinbach.

(Pressemitteilung EY vom 29.06.2016)


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