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Emissionsmarkt Deutschland: Starkes Auftaktquartal für Börsengänge


Nach einem äußerst schwachen IPO-Jahr 2020 kommt endlich wieder Bewegung in den deutschen Emissionsmarkt. Bereits vier Unternehmen wagten seit Jahresbeginn den Schritt aufs Frankfurter Börsenparkett. Sie spielten dabei rund 4,5 Mrd. € an Emissionserlösen ein - rund viermal so viel wie 2020 insgesamt. | © Melpomene/fotolia.com

Nach einem äußerst schwachen IPO-Jahr 2020 kommt endlich wieder Bewegung in den deutschen Emissionsmarkt: Seit Jahresbeginn ist schon vier Unternehmen der Sprung an die Frankfurter Börse geglückt, 2020 waren es insg. nur 7. Die Börsenneulinge spielten dabei rekordverdächtige Erlöse in Höhe von rund 4,5 Mrd. € ein, die durch offene Greenshoe-Optionen noch auf rd. 4,8 Mrd. Euro steigen könnten. Das sind bereits mehr als die Gesamterlöse der beiden Vorjahre (2020: 1,130 Mrd. €; 2019: 3,618 Mrd. €).

Zu diesen Ergebnissen kommt die Analyse „Emissionsmarkt Deutschland“, für die das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen PwC vierteljährlich die Aktienneuemissionen sowie die Kapitalerhöhungen an der Börse Frankfurt erfasst.

Die Zuversicht im Markt steigt

Die Konjunkturaussichten haben sich seit Jahresbeginn deutlich verbessert – auch dank der geldpolitischen und fiskalischen Unterstützungsmaßnahmen, stellen die Studienautoren fest. Die gestiegene Zuversicht spiegele sich im ifo Geschäftsklimaindex wider, der im März 2021 auf den höchsten Wert seit Juni 2019 kletterte.

Und auch die kürzlich erschienene PwC-Analyse ECEO Survey“, für die 5.000 Vorstandschefs weltweit befragt wurden, sieht ein hohes Maß an Optimismus bei den Unternehmen: 76% der Befragten rechnen für die kommenden zwölf Monate damit, dass das Wirtschaftswachstum an Fahrt aufnehmen wird, so die Einschätzung der PwC-Experten. Wie schnell der wirtschaftliche Aufschwung hierzulande vorangehe, hänge nun maßgeblich davon ab, wie gut es Deutschland gelingt, die dritte Welle in den Griff zu bekommen und das Impftempo rasch zu erhöhen.

Noch günstige Rahmenbedingungen für IPOs

Auch an den Märkten hält die Erholung unterdessen an: Der DAX kletterte im März 2021 auf ein neues Allzeithoch; die Volatilität ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken. Doch nach den exzellenten Rahmenbedingungen im Auftaktquartal könnte das Umfeld für IPOs der Studie zufolge durchaus wieder etwas schwieriger werden. Der mit einem Ende der Pandemie erwartete Wirtschaftsaufschwung ist im Aktienmarkt bereits weitestgehend eingepreist. Gleichzeitig steigen die Anleiherenditen, und die Sorgen vor einer anziehenden Inflation wachsen, erklären die Studienautoren. Damit erhöhe sich das Risiko für Kurskorrekturen am Aktienmarkt, die IPO-Pläne von Emittenten im zweiten oder dritten Quartal durchaus vor Herausforderungen stellen könnten.

Zwei Milliarden-IPOs- und der erste SPAC-Börsengang

Während 2020 Absagen oder Verschiebungen von Börsengängen an der Tagesordnung waren, konnten die Börsenaspiranten im Auftaktquartal 2021 ihre Pläne durchziehen. Der Börsengang der Vodafone-Tochter Vantage Towers war mit einem Volumen von 2 Mrd. € (ohne Greenshoe) das größte IPO des ersten Quartals.

Auch der zweitgrößte Börsengang der vergangenen drei Monate verlief sehr erfolgreich: Der Online-Gebrauchtwagenhändler AUTO1 platzierte Aktien im Volumen von 1,833 Mrd. € und startete mit einem Kurssprung von 45% zum Ausgabepreis. Beim IPO des Industrieunternehmens Friedrich Vorwerk, dem dritten größeren Börsengang des Quartals, lag der Emissionspreis dagegen im unteren Drittel der Bookbuilding-Spanne, ebenso wie beim vierten Börsengang des Quartals, dem IPO von Lakestar, doch konnten auch diese beiden Emissionen zum Handelsstart mit Kursgewinnen aufwarten. Mit der Erstnotiz von Lakestar schwappte ein Trend aus den USA nach Deutschland über: Erstmals seit 2010 ging hierzulande eine Special Purpose Acquisition Company (SPAC) an die Börse, eine Mantelgesellschaft, die über den Börsengang Geld einsammelt, um damit in der Folge ein oder mehrere Unternehmen zu übernehmen.

Ebenfalls zwei Kapitalerhöhungen in Milliardenhöhe

Auch das Volumen der Kapitalerhöhungen hat im ersten Quartal 2021 stark angezogen und sich im Vergleich zum Schlussquartal 2020 auf 3,874 Mrd. € beinahe verdoppelt. Von den insg. 16 Kapitalerhöhungen in den ersten drei Monaten des Jahres stechen zwei Transaktionen im Milliardenbereich hervor, die den Löwenanteil des Gesamtvolumens ausmachen: Siemens Healthineers, die Medizintechnik-Tochter von Siemens, sammelte 2,337 Mrd. € ein, um Kredite für die Übernahme des US-Krebsspezialisten Varian abzuzahlen. Der Lieferdienst Delivery Hero besorgte sich über eine Kapitalerhöhung 1,246 Mrd. € frisches Geld an der Börse, um seine Expansionspläne zu finanzieren.

Fremdkapitalemissionen auf hohem Niveau

Auch bei den Fremdkapitalemissionen spiegeln sich laut der Analyse die wirtschaftliche Erholung und die damit verbundenen Wachstumsperspektiven für deutsche Unternehmen wider: Im ersten Quartal 2021 lagen die Emissionsvolumina im Investment Grade bei 30,626 Mrd. € und damit fast vier Mal so hoch wie im Schlussquartal 2020 (6,775 Mrd. €). Bei Investoren besonders nachgefragt sind derzeit Instrumente aus dem Bereich Umwelt, Soziales und Governance (ESG). Die Erlöse der High-Yield-Anleihen in den ersten drei Monaten dieses Jahres lagen knapp über denen aus dem Vorquartal (5,329 vs. 4,572 Mrd. €).

Ausblick: 15 Börsengänge liegen 2021 drin

Nach diesem starken Auftaktquartal zeigt sich Nadja Picard optimistisch: „Die Pipeline für Börsengänge ist weiterhin gut gefüllt. Sofern die günstigen Rahmenbedingungen anhalten , bin ich zuversichtlich, dass wir im Gesamtjahr 2021 rund 15 Börsengänge auf dem Frankfurter Parkett erleben werden“, so die Prognose der PwC-Expertin. Presseberichten zufolge plant etwa der Finanzinvestor Cinven, den Laborkonzern Synlab noch im ersten Halbjahr 2021 an die Börse zu bringen; der Online-Modehändler About You strebt ebenfalls einen baldigen Börsengang an. Weitere Firmen arbeiten bereits intensiv an der Vorbereitung ihres IPOs.

Trend zur Absicherung durch Cornerstone- und Anker-Investoren

„Eindeutig erkennbar ist der Trend zu Cornerstone- oder Anker-Investoren, die mit großen Orders den Erfolg eines IPO frühzeitig absichern“, erläutert Carsten Stäcker. So verpflichteten sich z.B. beim Börsengang von Vantage Towers zwei institutionelle Investoren bereits vorab zur Zeichnung von 40% des IPO-Volumens.

Virtuelle Roadshows haben sich gut etabliert und punkten mit Schnelligkeit

In der Vermarktungsphase für den Börsengang kann es dann recht schnell gehen. Durch Corona können nun seit über einem Jahr keine physischen Roadshows mit Investoren mehr stattfinden. Die Verlagerung auf virtuelle Formate hat sich inzwischen aber recht gut etabliert – neben der Vermeidung von CO2 mangels Reisetätigkeit mit einem weiteren positiven Nebeneffekt: Die Zeitpläne lassen sich damit verkürzen und dadurch das Marktrisiko zwischen öffentlicher IPO-Ankündigung und Abschluss des Bookbuilding reduzieren, so das Fazit der Studienautoren.

(Pressemitteilung PwC Deutschland vom 30.03.2021)


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