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EY Start-up-Barometer 2021: Deutsche Start-ups mit Finanzierungsrekord


Finanzierungsrekord für deutsche Start-ups: Der Gesamtwert der Investitionen im ersten Halbjahr auf 7,6 Mrd. € mehr als verdreifacht und die Zahl der Finanzierungsrunden in deutsche Start-ups steigt um 62% auf 588, so das Start-up-Barometers der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY. | © tashatuvango/fotolia.com

Deutsche Start-ups erhielten im ersten Halbjahr mehr frisches Kapital als je zuvor: Insgesamt 7,6 Mrd. € flossen an deutsche Jungunternehmen – das ist mehr als dreimal so viel wie im Vorjahreszeitraum und mehr als im gesamten Jahr 2020. Auch die Zahl der Finanzierungsrunden stieg sprunghaft: um 62% auf 588, so das Start-up-Barometers der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY. Berücksichtigt wurden Unternehmen, deren Gründung höchstens zehn Jahre zurückliegt.

Erneut gab es in Berlin besonders rege Aktivitäten, die Bundeshauptstadt konnte ihren Vorsprung gegenüber den anderen Bundesländern sogar weiter ausbauen: Die Zahl der Finanzierungsrunden kletterte in Berlin um 74% auf 263. Das Investitionsvolumen hat sich sogar von 1,2 auf 4,1 Mrd. € mehr als verdreifacht. Ebenfalls mehr als verdreifacht hat sich die Finanzierungssumme in Bayern: von 773 Mio. € auf 2,5 Mrd. € – bei 120 Finanzierungsrunden (plus 43%).

Gesamtwert der Investitionen in deutsche Start-ups im ersten Halbjahr auf 7,6 Mrd. € mehr als verdreifacht

Die übrigen Bundesländer folgen mit großem Abstand, konnten aber zumeist ebenfalls deutlich gestiegene Finanzierungsvolumina vorweisen: Start-ups in Baden-Württemberg erhielten im ersten Halbjahr 307 Mio. € (plus 192%), Jungunternehmen kamen in Nordrhein-Westfalen auf 171 Mio. € (plus 187%), in Sachsen auf 134 Mio. € (plus 239%), in Hessen auf 128 Mio. € (plus 1895%) und in Hamburg auf 110 Mio. € (plus 330%). In diesen Ländern stieg jeweils auch die Zahl der Finanzierungsrunden.

Zahl der Finanzierungsrunden steigt um 62% auf 588

Im vergangenen Jahr hatte die Pandemie zu einem leichten Dämpfer beim Finanzierungsvolumen geführt. In diesem Jahr stellen die Studienautoren ebenfalls einen Corona-Effekt fest, allerdings in die umgekehrte Richtung: Die Finanzierungsaktivitäten und -summen explodieren geradezu. Im ersten Halbjahr haben so viele Start-ups frisches Kapital erhalten wie nie zuvor. Vor allem aber fließen inzwischen Summen in einzelne Jungunternehmen, die vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen wären, erklären die Autoren der Studie.

Neue Perspektiven für innovative Technologieunternehmen durch Digitalisierungsschub

So kletterte die Zahl der Transaktionen mit einem Volumen von mehr als 100 Mio. € im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von zwei auf fünfzehn, die Zahl der mittelgroßen Finanzierungsrunden zwischen 50 und 100 Mio. € verdoppelte sich von acht auf 16. Der Finanzierungsboom hat laut der Analyse mehrere Gründe. Zum einen ist sehr viel Liquidität im Markt, die im aktuellen Niedrigzinsumfeld nach attraktiven Anlagemöglichkeiten sucht. Vor allem aber sieht der Markt inzwischen völlig neue Perspektiven für innovative Technologieunternehmen, so die Studienautoren. Die Digitalisierung habe im Pandemiejahr einen riesigen Schritt nach vorn gemacht hat. Der Knoten sei geplatzt, und neue, disruptive Geschäftsmodelle werden jetzt mit ganz anderen Augen gesehen als vor der Pandemie.

Berlin und Bayern liegen bei Investitionsvolumen und Deal-Zahl weit vorn

Berlin und Bayern stehen zusammen für 65% aller Finanzierungsrunden und sogar für 87% des insgesamt in Deutschland investierten Kapitals. Gerade die ganz großen Deals finden der Studie zufolge in erster Linie in Berlin und Bayern statt. Von den zwanzig größten Transaktionen im bisherigen Jahresverlauf entfielen zwölf auf Berlin, sechs auf Bayern. Hinzu kam jeweils eine Transaktion in Baden-Württemberg und Sachsen.

Berlin und Bayern sind nach Aussage der Studienautoren eindeutig die international sichtbarsten Start-up-Standorte Deutschlands. München hat es in den letzten Jahren geschafft, sich als zweiter wichtiger Standort zu etablieren – dank spezifischer Stärken im Technologie-Bereich. Andere Regionen registrieren zwar ebenfalls Zuwachsraten, können aber gerade bei großen Deals nicht mithalten, so das EY Start-up-Barometer. Es spreche einiges dafür, dass dieser Trend vorerst anhalte – trotz intensiver Bemühungen in vielen Regionen, an der eigenen Attraktivität für Start-ups und Investoren zu arbeiten.

FinTechs und Software-Firmen erhalten das meiste Kapital

Die meisten Finanzierungsrunden wurden laut des EY Start-up-Barometers im ersten Halbjahr 2021 wie schon im Vorjahr im Bereich Software & Analytics gezählt: Ihre Zahl stieg von 112 auf 206. Das Investitionsvolumen hat sich sogar von 501 Mio. € auf 1,8 Mrd. € mehr als verdreifacht. Einen noch stärkeren Anstieg des Volumens verzeichnete – dank einiger sehr großer Transaktionen – der FinTech-Sektor: Hier stieg die Finanzierungssumme von 313 Mio. € auf 2 Mrd. €. Die Zahl der Finanzierungsrunden stieg in diesem Segment von 26 auf 62.

Ebenfalls einen deutlichen Sprung machte der Bereich Mobility, wo die Zahl der Finanzierungsrunden zwar nur von 28 auf 41 stieg, das Investitionsvolumen aber von 434 Millionen auf 1,4 Mrd. € hochschnellte.

Rückläufige Zahl von Finanzierungsrunden im Bereich Media & Entertainment

Eine rückläufige Zahl von Finanzierungsrunden wurde laut der Analyse nur in einem Sektor registriert: Der Bereich Media & Entertainment schrumpfte von 17 auf 15 Finanzierungsrunden, verzeichnete beim Investitionsvolumen allerdings einen deutlichen Zuwachs – um 275% auf 132 Mio. €.

Großteil der Finanzspritzen entfällt auf sehr kleine Deals

Die Studienautoren sehen fast in allen großen Start-up-Sektoren einen starken Aufwärtstrend – sowohl bei der Zahl der Deals als auch beim Finanzierungsvolumen. Die steigende Zahl an Mega-Transaktionen dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass nach wie vor der Großteil der Finanzspritzen auf sehr kleine Deals entfalle. Im laufenden Jahr beliefen sich 71% der Deals, bei denen Angaben zum Finanzierungsvolumen gemacht wurden, auf höchstens fünf Mio. € – im Vorjahr hatte der Anteil bei 77% gelegen. Die meisten Finanzierungsrunden sind klein – damit kann man zumeist keine großen Sprünge machen. Die Mehrzahl der deutschen Start-ups muss also weiterhin mit relativ wenig Geld auskommen, betonen die Autoren der Studie.

Die größte Transaktion in Deutschland war eine Finanzspritze von 830 Mio. € für Celonis, den in München ansässigen Anbieter von Process-Mining Software. Das Berliner FinTech Trade Republic erhielt 747 Mio. €, während wefox, ebenfalls ein FinTech aus Berlin, 539 Mio. € einsammelte.

Das EY Start-up-Barometer 2021 finden Sie hier zum Download.

(Pressemitteilung EY vom 14.07.2021)


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