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Finanzierungsstudie: Neue Herausforderungen für den Mittelstand


Investitionen in Digitalisierung stellen den Mittelstand vor neue Herausforderungen. | ©Andrey Popov/fotolia.com

Smart Factory, Digitalisierung und technisches Know-how nehmen auch im Mittelstand einen immer größeren Stellenwert ein. Hierfür sind weitreichende Investitionen notwendig. Doch welche Auswirkungen ergeben sich dabei auf die Finanzierungsstruktur? Gibt es Hürden bei der Kapitalbeschaffung? Eine Studie zur aktuellen Unternehmensfinanzierung von Ebner Stolz Management Consultants und Wolff & Häcker Finanzconsulting beschäftigt sich mit diesen Fragen und beleuchtet den aktuellen Stand der Finanzierung des deutschen Mittelstandes sowie dessen Erwartungen.

Mit Vorsicht in die Zukunft

Trotz Unsicherheiten aus dem Euroraum geben 76% der Befragten eine wirtschaftlich gute Situation ihres Unternehmens an. Noch positiver wird die konjunkturelle Lage in Deutschland insgesamt eingeschätzt. Jedoch schaut der Mittelstand vorsichtiger in die Zukunft als noch vor zwei Jahren. Ein Viertel der Befragten rechnet mit einer Verschlechterung der Gesamtwirtschaft. Dabei wird als wachstumsbegrenzender Faktor hauptsächlich eine sich verschärfende Wettbewerbssituation genannt. Vor zwei Jahren war die größte Sorge der Unternehmen noch der Mangel an qualifizierten Fachkräften. Fehlende Förderungen, Subventionen oder fehlendes Kapital hingegen bereiten den Unternehmern keine Sorgen.

Skepsis gegenüber Private Equity-Investoren

Die Hausbanken genießen nach wie vor ein hohes Vertrauen bei den Unternehmern, die enge Beziehungen zu diesen pflegen. Dies rührt insbesondere auch daher, dass zum einen eine beharrliche Skepsis gegenüber Private Equity-Investoren herrscht. Zum anderen scheint es für die meisten mittelständischen Unternehmen gerade in der gegenwärtigen Niedrigzinsphase insgesamt günstiger zu sein, sich bei Finanzierungsanliegen an die jeweilige Hausbank zu wenden.

Kurze Laufzeiten dominieren bei Fremdfinanzierungen

Im Hinblick auf die Zinsen hat etwa jeder sechste Befragte bereits Erfahrungen mit Negativzinsen gemacht; allerdings gehen 44% der Befragten davon aus, dass das Niveau in den nächsten zwei Jahren steigen wird. Die Laufzeiten der Kreditfinanzierung spiegeln ein anderes Bild wider: die Mehrheit der Unternehmen setzt auf Laufzeiten unter 5 Jahren.

Kaum Diversifikation der Finanzierungsformen

Nicht nur über klassische Finanzierungsinstrumente wie den Bankkredit wissen die Geschäftsführer Bescheid. Auch hinsichtlich alternativer Finanzierungsinstrumente geben sie an ausreichend informiert zu sein. Trotzdem finanziert sich der Mittelstand traditionell und diversifiziert hinsichtlich der Finanzierungsinstrumente kaum. Ein Grund hierfür ist, dass zumeist keine Probleme bei der Finanzierung auftreten, dies geben 81% der Unternehmer an. Hierzu trägt auch ein enges und vertrauensvolles Verhältnis zur Hausbank bei.

Der Kapitalmarkt hingegen bleibt für den Mittelstand trotz guter Informationslage uninteressant. Besonders hoch ist die Ablehnung mit 94% gegenüber Anleihen. Gründe hierfür sind u.a. höhere Kosten und Transparenzerfordernisse. Wenig euphorisch zeigt sich der Mittelstand auch hinsichtlich Private Equity. Auffällig ist zudem, dass die Kosten für externes Eigenkapital unterschätzt werden. Mit Kosten im niedrigen einstelligen Prozentbereich liegen die Einschätzungen deutlich unter der Realität mit Sätzen um die 10%.

Aufholbedarf im Bereich Digitalisierung

Mit 98% der Befragten sind sich fast alle darüber einig, dass die Digitalisierung in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird. Ebenso deutlich fällt der Anteil derer aus, die Maßnahmen zur Digitalisierung als entscheidenden Erfolgsfaktor im Wettbewerb sehen. Zwar herrscht Einigkeit in Bezug auf die Relevanz des Themas, jedoch geben zwei Drittel der Unternehmer an, dass sich ihr Unternehmen bisher entweder gar nicht, wenig oder nicht ausreichend mit der Digitalisierung beschäftigt hat.

Nachfolgen vermehrt durch strategische Investoren

Immer mehr mittelständische Unternehmen sehen sich in Zukunft mit einer Nachfolge konfrontiert. Zwar geben mit 53% über die Hälfte der Befragten mit Erfahrungen bei der Nachfolge an, dass der Nachfolgeprozess problemlos verlief, allerdings sind die Probleme, die auftreten können, meist persönlicher Natur und damit sehr komplex. Am häufigsten entstehen Komplikationen durch das mangelnde „Loslassen“ des Altgesellschafters. Als zweiten Grund gibt knapp ein Drittel der Befragten persönliche Differenzen zwischen Altgesellschafter und Nachfolger an.

Über die Hälfte der Nachfolgen wurde familienintern gelöst oder dies ist für die Zukunft geplant. Interessant ist mit einem Drittel ein relativ hoher Anteil von Geschäftsführern, die das Unternehmen an strategische Investoren weitergegeben haben oder dies anstreben. Dafür spricht, dass diese Investoren meist keinen persönlichen Bezug zum Unternehmen oder dem Altgesellschafter haben. Dadurch können Entscheidungen im Nachfolgeprozess rationaler getroffen werden.

Auch wenn mittelständische Unternehmer die gesamtwirtschaftliche Lage Deutschlands als positiv einschätzen, muss das Finanzierungsumfeld für den Mittelstand aufmerksam beobachtet werden. Neue Entwicklungen sind zu analysieren und passgenau auf die Unternehmen zu übertragen, so die Autoren der Studie.

Die vollständige Studie finden Sie hier zum Download.

(Pressemitteilung Ebner Stolz Management Consultants / Wolff & Häcker Finanzconsulting vom 08.10.2016)


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