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Finanzinvestoren halten deutsche Firmen immer länger – trotz Zinstief und Kapitalflut


Finanzinvestoren halten deutsche Unternehmen heutzutage deutlich länger als noch vor zehn Jahren. Die durchschnittliche Haltedauer ist von 3,9 auf 5,5 Jahre gestiegen. | © stanciuc/fotolia.com

Finanzinvestoren halten deutsche Unternehmen heutzutage deutlich länger als noch vor zehn Jahren, so der „Private Equity Exit-Report“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC. Trotz Zinstief und Kapitalflut ist die durchschnittliche Haltedauer seit den Nullerjahren von 3,9 auf 5,5 Jahre gestiegen. Private Equity-Investoren setzen nicht mehr auf Finanzoptimierung, sondern bringen ihre Unternehmen operativ weiter.

Demnach blieben hiesige Firmen zwischen 2004 und 2009 durchschnittlich nur 3,7 Jahre im Besitz von Private Equity-Gesellschaften – während die mittlere Haltedauer seitdem bei 5,3 Jahren liegt. Setzt sich der Trend fort, werden sich Finanzinverstoren bis 2019 im Schnitt erst nach knapp sieben Jahren von ihren Portfoliounternehmen trennen, prognostizieren die Studienautoren. Manchmal würden die Private Equity-Fonds auch einfach keinen Abnehmer finden. Die längeren Haltefristen spiegeln einen grundsätzlichen Strategiewechsel in der Branche wieder.

Bei vier der zehn größten Exits seit Anfang 2014 betrug die Haltefrist mehr als sieben Jahre

In den Nullerjahren hätten viele Beteiligungsgesellschaften auf Finanzoptimierung gesetzt. Dazu gehörte die Methode, die Übernahmen mit einem hohen Anteil an Fremdkapital zu finanzieren, um über den sogenannten Leverage-Effekt die Renditen zu steigern. Heutzutage würden die die meisten Private Equity-Manager versuchen, die akquirierten Unternehmen operativ nach vorne zu bringen, was mehr Zeit in Anspruch nimmt. Das bedeute allerdings nicht, dass die langen Halteperioden immer freiwilliger Natur seien. In den letzten Jahren seien die Bewertungen und Kaufpreise von Unternehmen kontinuierlich gestiegen. Dadurch verlängere sich auch der Zeitraum, den insbesondere Finanzinvestoren benötigen, um ihre Unternehmen mit der angestrebten Rendite zu veräußern. Manchmal sei es auch einfach so, dass eine Beteiligungsfirma eigentlich verkaufen will, allerdings zu ihren Preisvorstellungen keinen Abnehmer findet, so die Autoren der Studie. Das gelte vor allem für Portfoliounternehmen, die unmittelbar vor der Finanzkrise überteuert gekauft wurden.

Branchenferne Investments lösen vermeintlichen Gegentrend aus

Nach Einschätzung der Studienautoren ist der Trend zu längeren Halteperioden langfristig intakt, auch wenn die Haltedauern 2015 (4,9 Jahre) und 2016 (5,5 Jahre) hinter dem bisherigen Höchstwert von 2014 (5,8 Jahre) zurückblieben. Der Gegentrend dürfte ein vorübergehendes Phänomen sein, da er in erster Linie auf die niedrigen Zinsen zurückzuführen sei. So trieb die Kapitalflut manche Private Equity-Fonds, die normalerweise in Unternehmen investieren, stattdessen in Infrastruktur-Deals. Viele dieser Assets wurden aber rasch wieder abgestoßen. Zudem nutzten einige Beteiligungsgesellschaften den Immobilien-Boom, um in diesem Segment kurzfristige Gewinne zu realisieren. Bei klassischen Firmenübernahmen blieben rasche Exits dagegen die Ausnahme. Meist hatten diese Opportunitäten damit zu tun, dass die Käufer angesichts von Niedrigzins und Kapitalflut unter Anlagedruck standen.

Elf Jahre Haltedauer, 4 Mrd. € Erlös

Dass sich Geduld in der Private Equity-Branche immer häufiger auszahlt, zeigt sich daran, dass bei vier der zehn größten Exits seit 2014 die Haltedauer mindestens sieben Jahre betrug. Den höchsten Erlös mit 3,9 Mrd. € erzielte der US-Finanzinvestor Terra Firma im August 2015 beim Verkauf der Raststätten-Kette Tank & Rast. Hier lag die Haltedauer bei 10,6 Jahren. Den vierten Rang belegte mit einem Volumen von 2,2 Mrd. € der Weiterverkauf des Baustoffunternehmens Xella im vergangenen Dezember. Die Duisburger Firma hatte sich zuvor 8,3 Jahre im Besitz eines von Goldman Sachs angeführten Konsortiums befunden.

Verkauf an Strategen ist die beliebteste Exit-Variante

Die Zahl der Exits zeigt unterdessen seit Jahren nach oben und liegt mittlerweile sogar deutlich über dem Niveau vor der Finanzkrise. Mit 154 erfolgreich weiterverkauften Unternehmen erzielte die Branche 2016 in Deutschland ihr bislang bestes Ergebnis. Zum Vergleich: 2009 – also im Jahr des globalen Wirtschaftseinbruchs – waren es gerade einmal 43 gewesen. Der Verkauf an operativ tätige Unternehmen ist dabei die mit Abstand beliebteste Exit-Variante. So gingen seit 2004 insgesamt 53% aller veräußerten Portfoliofirmen an einen strategischen Investor, wie es im Branchenjargon heißt. 2015 erreicht der Anteil mit 65% seinen Höhepunkt. Laut der PwC-Experten würden diese Zahlen gegen den immer noch verbreiteten Vorwurf sprechen, Finanzinvestoren würden ihre Unternehmen ausplündern. Stattdessen gelten Private Equity-Fonds heutzutage als aktive Gesellschafter, von denen man weiß, dass sie ihre Unternehmen operativ verbessern. Darum würden Strategen diese Firmen in den meisten Fällen sehr gern übernehmen.

Den Private Equity Exit-Report von PwC finden Sie hier zum Download.

(Pressemitteilung PwC vom 12.062017)

 


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