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Frauen in Vorständen: In einigen Positionen gibt es noch große Lücken


Eine Studie von Horváth & Partners zeigt, welche Rollen Frauen in deutschen börsenorientierten Unternehmen bereits einnehmen – und wo der Veränderungsbedarf besonders groß ist. | © Tom-Hanisch / fotolia.com

Anfang Januar hat das Kabinett einen Gesetzesentwurf beschlossen, nach dem in Vorständen börsennotierter und paritätisch mitbestimmter Unternehmen mit mehr als drei Mitgliedern künftig mindestens eine Frau sitzen muss. Der „Faktencheck Vorstandsstrukturen 2021“ der Managementberatung Horváth & Partners zeigt, welche Rollen Frauen in deutschen börsenorientierten Unternehmen bereits einnehmen – und wo der Veränderungsbedarf besonders groß ist.

Lediglich 12% der aktuell etwa 730 Vorstandspositionen in den deutschen börsennotierten Unternehmen sind durch Frauen besetzt. Dem Willen der Bundesregierung nach soll sich dies in den nächsten Jahren deutlich ändern. Das am vergangenen Mittwoch verabschiedete Gesetz zur Erhöhung des Frauenanteils in deutschen Vorständen wirkt zwar unmittelbar nur auf eine verhältnismäßig kleine Anzahl der großen Unternehmen, dürfte aber Signalwirkung weit darüber hinaus haben.

Die Experten der Managementberatung Horváth & Partners haben vor diesem Hintergrund im Rahmen ihres „Faktencheck Vorstandsstrukturen 2021“ die aktuelle Aufstellung der Vorstände in den deutschen börsennotierten Unternehmen unter die Lupe genommen. Analysiert wurden dabei die Führungsetagen der Gesellschaften im DAX, MDAX, SDAX und TecDAX.

Transformation der Vorstandsstrukturen schafft Handlungsdruck für Aufsichtsräte

Wie die Untersuchung zeigt, würde eine Ausrichtung an dem verabschiedeten Gesetz eine deutliche Transformation der Vorstandsstrukturen bedeuten: In gut 60% der betroffenen Unternehmen (101 der 169 börsennotierten Unternehmen) ist bisher keine Frau im Vorstand.

Laut der Studienautoren ergibt sich dadurch vor allem für die Aufsichtsräte Handlungsdruck. Die Aufsichtsräte dieser Unternehmen seien aufgerufen, Lösungen zu finden. Die Erfüllung werde in vielen Fällen nicht allein durch Nach- oder Neubesetzungen erfolgen können. Stattdessen müssten auch zweckmäßige Vorstandserweiterungen oder Neustrukturierungen in Betracht gezogen werden.

Jenseits von Finanzen und Personal besteht hoher Veränderungsbedarf

Die besondere Herausforderung wird dabei in der Besetzung von Vorstandspositionen außerhalb der Bereiche Finanzen und Personal liegen, wie die aktuelle Verteilung der Vorstandsaufgaben zeigt. Die meisten weiblichen Vorstände finden sich laut der Analyse im Finanzressort (24 Vorständinnen), dicht gefolgt vom Personalressort, wo es 22 weibliche Vorstände gibt. Dies sind immerhin knapp 45% aller Personalvorstände. Allerdings haben aktuell nur 49 Unternehmen einen dezidierten Personalvorstand, so die Autoren der Studie.

In anderen Funktionen lassen sich Frauen deutlich seltener finden. Für den operativen Betrieb gibt es 6 designierte Vorständinnen, aber 57 männliche Vorstände. Gerade einmal 3 Frauen leiten als Vorstand Technologie- oder Entwicklungsbereiche (im Gegensatz zu 35 Männern). Selbst als Vertriebs-/Marketingvorstände ist die Anzahl der Frauen verschwindend gering: 2 im Gegensatz zu 32 männlichen Vorständen.

Besonders selten haben Frauen derzeit Funktionen mit direkter Geschäftsverantwortung inne. Lediglich 6 Frauen leiten Vorstände in den großen börsennotierten Unternehmen als Vorstandsvorsitzende. Als Bereichsvorstände mit direkter Verantwortung für Geschäftseinheiten lassen sich aktuell ebenfalls nur 6 Frauen finden – im Gegensatz zu 117 männlichen Kollegen.

Neues Gesetz als Katalysator für die Erhöhung des Frauenanteils

Die Experten von Horváth & Partners sind überzeugt, dass das neue Gesetz nicht nur zu einer Transformation der Vorstände in großen börsennotierten Unternehmen führen wird, sondern auch als Katalysator für die Erhöhung des Frauenanteils über alle Führungsebenen hinweg dient. Die Managementberatung plädiert dafür, dies aktiv zu fördern. Natürlich muss es bei der Besetzung von Führungspositionen immer um die beste fachliche Eignung gehen, doch für die kommende Zeit sollte die Maxime gelten: im Zweifelsfalle für die Frau, so das Fazit der Studienautoren.

(Pressemitteilung Horváth & Partners vom 14.01.2021)


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