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Fusionen und Übernahmen lohnen sich besonders im Abschwung


Die anhaltende Unsicherheit hat das globale Transaktionsvolumen im ersten Halbjahr 2019 um 19% gegenüber dem Vorjahr sinken lassen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass die Outperformance für Käufer in Zeiten schwacher Wirtschaft knapp 10% höher als in Boomphasen ist. | © Tim/Fotolia.com

Fusionen und Übernahmen lohnen sich besonders in Zeiten schwacher Wirtschaft. Deals, die während eines Abschwungs abgeschlossen werden, schaffen für den Käufer bereits nach einem Jahr eine fast sieben Prozentpunkte höhere Wertsteigerung – gemessen als Überrendite (Relative Total Shareholder Return, RTSR) – als Zukäufe in Boomphasen. Zu diesem Ergebnis kommt die Strategieberatung Boston Consulting Group im diesjährigen Global M&A-Report „Downturns Are a Better Time for Deal Hunting“, der in Kooperation mit der Universität Paderborn erarbeitet wurde.

Laut der Studienautoren sollte der drohende wirtschaftliche Abschwung Unternehmen bei Fusionen und Übernahmen nicht bremsen – im Gegenteil. Gerade jetzt sollten sie ihr Profil erweitern. Nach zwei Jahren steigt die Differenz der RTSR-Performance zwischen Transaktionen, die während einer Abschwungphase getätigt wurden, gegenüber solchen, die in einem Aufschwung durchgeführt wurden, auf mehr als neun Prozentpunkte. Die bessere Performance liegt nach Einschätzung der Experten nicht nur darin begründet, dass Unternehmen im Abschwung oft zu niedrigeren Multiples Firmen erwerben können. Darüber hinaus würden sich Fusionen und Übernahmen in dieser speziellen Zeit zumeist auf die Ausweitung außerhalb des Kerngeschäfts konzentrieren und seien daher wohlüberlegt.

Globale Transaktionen vom drohenden Abschwung getrübt

2018 setzten Unternehmen so viel Hoffnung in Fusionen und Übernahmen wie lange nicht. Der weltweite M&A-Markt schloss mit rund 36.000 angekündigten Transaktionen im Wert von insgesamt rund 3,1 Billionen USD ab und landete dabei etwas über dem Vorjahresniveau von 2,9 Billionen USD.

Die liegt in erster Linie aber an Megadeals wie die Übernahme einer Mehrheit an Innogy durch E.ON oder der Akquisition von Sprint durch die US-amerikanische Telekom-Tochter T-Mobile US, so die Studie. Denn trotz der objektiv besseren Renditechancen im Downturn wirken sich die unsicherer werdenden politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen negativ auf die Anzahl der Deals im zweiten Halbjahr 2018 aus.

Global ist seit fünf Quartalen ein Rückgang der Anzahl der Unternehmenstransaktionen zu beobachten. Nur die Megadeals – größer als 10 Mrd. USD – sorgen dafür, dass der Wert der Unternehmenstransaktionen noch im langfristigen Mittel ist. Laut der Analyse hat sich inzwischen auch das Bewertungsniveau abgekühlt. Während der EBITDA-Multiple weltweit im Jahr 2017 noch 14,8× betrug, stellen die Studienautoren 2018 einen Rückgang auf 13,7× und in der ersten Jahreshälfte 2019 von 13,1× fest – eine mögliche Parallele zu 2007/2008.

M&A-Markt in Deutschland erreicht Fünf-Jahres-Niveau

Bei einer Anzahl von knapp 2.000 Deals steigerte sich der Gesamtwert von Fusionen und Übernahmen in Deutschland 2018 um 37% auf 143 Mrd. USD. Damit erreichte der Markt den Fünf-Jahres-Durchschnitt. Auch hier lohnt sich ein genauer Blick auf beide Jahreshälften: Während das erste Halbjahr 105 Mrd. USD in Deals umsetzte, ist das zweite Halbjahr mit lediglich 38 Mrd. USD zu beziffern. Auch in Deutschland wirkte sich die erhöhte Unsicherheit in einem deutlichen Rückgang der M&A-Aktivitäten in der zweiten Jahreshälfte aus.

Die anhaltende Unsicherheit ist auch 2019 zu spüren: Für das erste Halbjahr kommt die Studie auf einen Gesamttransaktionswert von 60 Mrd. USD (ein Minus von 43% gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres), auf Basis von 864 Deals (ein Rückgang von 17% vs. Der ersten Jahreshälfte 2018). Während im ersten Halbjahr 2018 in Deutschland noch drei Großtransaktionen mit jeweils einem Wert von über 10 Mrd. USD angekündigt wurden, gab es in den vergangenen zwölf Monaten in Bundesrepublik keinen einzigen Megadeal mehr.

M&A-Erfahrung zahlt sich aus

Wie die Auswertung der Studie zeigt, erzielen vor allem erfahrene Käufer, die in Zeiten schwacher Wirtschaft Fusionen und Übernahmen abschlossen, eine deutlich höhere langfristige Wertsteigerung als unerfahrene Käufer. Deals von erfahrenen M&A-Spielern erreichten im Abschwung einen RTSR von 7,3% in den ersten zwei Jahren – Deals, die sie in Boomzeiten abschlossen, brachten 1,1%. Wer jetzt mutig handelt, Transaktionserfahrung und eine klare strategische Ausrichtung hat, kann sich von den anderen abheben, raten die Studienautoren.

Der M&A-Report 2019 „Downturns Are a Better Time for Deal Hunting“ kann hier heruntergeladen werden.

(Pressemitteilung Boston Consulting Group vom 01.10.2019)


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