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Gehaltseinbußen für deutsche Vorstände – weibliche Vorstandsmitglieder aber mit steigender Vergütung


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Die Vorstände deutscher börsennotierter Unternehmen mussten im Jahr 2018 Gehaltseinbußen hinnehmen. Im Durchschnitt haben sie 2,09 Millionen Euro verdient – 0,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Damit hat ihre Vergütung im Sechsjahresvergleich einen Tiefstand erreicht und liegt rund 30.000 Euro unter dem Höchstwert aus 2013. Über den Zeitraum von 2013 bis 2018 ergibt sich über alle DAX-Segmente ein Rückgang um 1,5 Prozent.

„Die zunehmend schwierige konjunkturelle Lage und die durchwachsene Geschäftsentwicklung bei vielen DAX-Konzernen hat zu Gehaltseinbußen bei den Top-Managern geführt“, beobachtet Dr. Jens Massmann, Partner und Spezialist für Vorstandsvergütung bei der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY.

Der Gehaltsrückgang gilt jedoch nicht für alle Vorstandsmitglieder: Weibliche Vorstände konnten sich gegen diese Entwicklung stemmen und im Jahr 2018 sogar ein Plus von 6,5 Prozent verbuchen, während die Vergütung bei den Männern um 1,9 Prozent gesunken ist. Wie schon 2015, 2016 und 2017 lag die Gesamtdirektvergütung der Frauen über alle DAX-Indizes oberhalb ihrer männlichen Kollegen in vergleichbaren Positionen – 2018 um durchschnittlich 480.000 Euro. Mit 2,27 Millionen Euro fiel das Salär der weiblichen Vorstände um rund 27 Prozent höher aus als das der Männer. Getrieben wird das deutliche Ergebnis jedoch auch von der prozentual geringeren Anzahl der Vorstandsfrauen in den niedriger vergütenden Indizes MDAX und SDAX. Hier blieben ihre Gehälter auch hinter denen der Männer zurück.

Diese Entwicklungen zeigt das Mixed Compensation Barometer der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY. Bei dem Vergleich zwischen Frauen und Männern blieben aus Gründen der Vergleichbarkeit die CEOs außen vor, da es nur sehr wenige weibliche CEOs gibt und die Vorstandsvorsitzenden deutlich höhere Gehälter erzielen als die anderen Vorstandsmitglieder. So erhielt etwa im DAX 30, wo aktuell bei SAP die erste Frau als Co-CEO berufen wurde, ein Vorstandsvorsitzender im Jahr 2018 eine durchschnittliche Gesamtdirektvergütung von 5,39 Millionen Euro, während die anderen Vorstandsmitglieder 2,96 Millionen Euro erhielten. Berücksichtigt wurden zudem ausschließlich Vorstandsmitglieder, die das komplette Geschäftsjahr im Vorstand vertreten waren.

Trend bestätigt: Frauen liegen im DAX-30 vorn

Im DAX 30 lag – wie auch bereits in 2017 und 2016 – die Gesamtdirektvergütung der weiblichen Vorstandsmitglieder oberhalb ihrer männlichen Kollegen – durchschnittlich um 120.000 Euro. So verdiente ein weibliches DAX-30-Vorstandsmitglied im Mittel 3,04 Millionen Euro, bei den Männern waren es 2,92 Millionen Euro. Besonders eindrucksvoll ist in diesem Segment die Steigerung der Gehälter weiblicher Vorstandsmitglieder über die vergangenen sechs Jahre hinweg: Während sie zwischen 2013 und 2018 um etwa 16 Prozent angestiegen sind, erhöhte sich im selben Zeitraum die Vergütung der männlichen Kollegen in vergleichbaren Positionen lediglich um ein Prozent. „Der Gender Pay Gap in diesem Segment ist nachhaltig geschlossen“, erklärt Vergütungsexperte Massmann. Als wichtigen Grund nennt er den wachsenden Wunsch der Unternehmen, Frauen für ihr oberstes Führungsgremium zu gewinnen. Da geeignete Kandidatinnen knapp seien, steige ihr Marktwert und damit auch ihre Vergütung. Auch der wie bereits in den Jahren 2016 und 2017 höhere Fixanteil an ihrer Gesamtdirektvergütung verdeutliche die gute Verhandlungsposition weiblicher Vorstände. Dieser war im Jahr 2018 bei den Frauen im DAX und MDAX (30 Prozent bzw. 43 Prozent) höher als der fixe Anteil ihrer männlichen Kollegen (23 Prozent bzw. 36 Prozent). Im SDAX lagen Frauen (43 Prozent) und Männer (45 Prozent) etwa gleich auf.

Im MDAX und SDAX führen die Männer im Gehaltsvergleich

Was den MDAX betrifft, zeigt sich beim Gehaltsvergleich von männlichen und weiblichen Vorstandsmitgliedern über die Jahre ein gemischteres Bild: Hier fiel 2018 die durchschnittliche Gesamtvergütung weiblicher Vorstandsmitglieder mit 1,37 Millionen Euro niedriger aus als die der männlichen Kollegen – durchschnittlich um etwa 120.000 Euro. Im Jahr 2017 waren die Frauen auch in diesem Segment an den Männern vorbeigezogen. Nun aber befindet sich die durchschnittliche Gesamtdirektvergütung der weiblichen Vorstandsmitglieder in diesem Index auf dem niedrigsten Stand seit 2014.

Im SDAX liegen sowohl aktuell als auch nahezu über den gesamten Sechsjahreszeitraum die Männer vorn. Ihre durchschnittliche Gesamtdirektvergütung fiel hier im Jahr 2018 mit 926.000 Euro um etwa 15 Prozent höher aus als die durchschnittliche Gesamtdirektvergütung weiblicher Vorstände (789.000 Euro). Im Vorjahr betrug dieser Unterschied noch rund 20 Prozent. Sowohl die durchschnittliche Gesamtdirektvergütung der Männer (plus acht Prozent) als auch die der Frauen (plus 15 Prozent) ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.

Ausblick: Weiterhin rückläufige Gehaltsentwicklung erwartet

Vergleicht man die Gehälter zwischen Vorstandsvorsitzenden und den weiteren Vorstandsmitgliedern, hat sich der Abstand im Jahr 2018 vergrößert. So erhielten die Vorstandsmitglieder ohne CEOs eine Gesamtdirektvergütung in Höhe von 1,84 Millionen Euro. Das sind 14.000 Euro weniger als im Vorjahr, was mit 2016 den niedrigsten Stand im Untersuchungszeitraum abbildet. Auf der anderen Seite ist die durchschnittliche Vergütung der CEOs um rund ein Prozent gestiegen – auf knapp 2,87 Millionen Euro – und damit auf den zweithöchsten Wert der letzten Jahre.

Für das kommende Jahr rechnet Vergütungsexperte Massmann mit weiteren Rückgängen bei der Gesamtvergütung: „Viele führende deutsche Konzerne befinden sich in einer Umbruchphase und leiden zudem unter den internationalen handelspolitischen Spannungen sowie der Konjunkturflaute. Die Gewinne sinken, die Aktienkurse sind unter Druck. Daher müssen sich die Vorstände und vor allem die Vorstandsvorsitzenden wohl auf weitere Gehaltseinbußen einstellen.“

(Pressemitteilung EY vom 08.11.2019)


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