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Gewinnwarnungen deutscher Unternehmen auf Rekordniveau


Die Risiken auf ausländischen Märkten steigen: Jedes achte börsennotierte Unternehmen in Deutschland gab im ersten 1. Halbjahr 2018 eine Gewinn- oder Umsatzwarnung heraus. | © Jamrooferpix/fotolia.com

Trotz der guten Konjunkturentwicklung mussten im ersten Halbjahr dieses Jahres deutlich mehr börsennotierte Unternehmen in Deutschland ihre Prognosen nach unten korrigieren als im Vorjahreszeitraum, so eine aktuelle Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY. Die Zahl der Umsatz- oder Gewinnwarnungen stieg von 29 auf 42, und damit auf den höchsten Stand in einem ersten Halbjahr seit 2011, als die Analyse erstmals durchgeführt wurde. Jedes achte Unternehmen der 307 Unternehmen aus dem Prime Standard der Frankfurter Börse gab eine Warnung raus. Gleichzeitig hat sich die Zahl der positiven Korrekturen, bei denen die Unternehmen das Übertreffen ihrer bisherigen Prognosen ankündigen, von 106 auf 42 mehr als halbiert.

Im gesamten Prime Standard haben im ersten Halbjahr 24% der Unternehmen mindestens einmal ihre eigene Prognose kassiert, wobei die SDAX- und DAX-Konzerne die meisten positiven Korrekturen aufwiesen – 20 bzw. 17% der Unternehmen haben ihren Ausblick nach oben angepasst –, während bei Negativ-Korrekturen vor allem die DAX-Konzerne betroffen waren: 17% – also fünf Unternehmen – haben ihren Prognose im ersten Halbjahr nach unten revidiert.

Zahl der Umsatz- und Gewinnwarnungen nimmt deutlich zu

Noch in der zweiten Hälfte des Vorjahres hatte sich die weltweite Konjunktur überraschend stark gezeigt, und viele Unternehmen hatten ihre Prognosen nach oben angepasst, so dass die Zahl der Aufwärtskorrekturen auf ein Rekordniveau stieg – nun schwingt das Pendel zurück, die Zahl der Umsatz- und Gewinnwarnungen nimmt deutlich zu. Laut der Studienautoren mehren sich die Anzeichen, dass eine Abkühlung bevorsteht. Eindeutig nach unten zeigt der Trend derzeit für Unternehmen aus der Autoindustrie, von denen jedes vierte im ersten Halbjahr eine Umsatz- oder Gewinnwarnung herausgab, während von keinem einzigen eine positive Korrektur veröffentlicht wurde. Umgekehrt überwogen bei Software-Unternehmen, Immobilienkonzernen und Telekommunikationsunternehmen eindeutig die positiven Korrekturen.

Vor allem weltweit tätige Unternehmen betroffen

Der stärkste Zuwachs an negativen Prognosekorrekturen war im DAX zu verzeichnen. 17% der DAX-Konzerne mussten in den ersten sechs Monaten dieses Jahres ihren Ausblick nach unten 4% auf 8%, während im SDAX und im TecDAX jeweils nur noch 8% statt 10% der Unternehmen eine Gewinn- oder Umsatzwarnung veröffentlichten.

In den letzten Monaten hatten laut der Analyse vor allem stark im internationalen Wettbewerb stehende und im Ausland engagierte Unternehmen Probleme, die selbstgesteckten Ziele zu erreichen. Weltweit tätige Unternehmen sind besonders betroffen von den internationalen geopolitischen Entwicklungen. Die Unsicherheiten seien derzeit so groß wie schon lange nicht mehr. Vor allem der Handelskonflikt zwischen den USA und China führe inzwischen zu spürbaren Einbußen für exportorientierte deutsche Unternehmen.

Neue Herausforderungen für die Unternehmenssteuerung

Nach Ansicht der Studienautoren sollten sich Unternehmen international breiter aufzustellen, um unabhängiger von Zöllen und Handelsschranken zu werden. Oder sie verstärken sich vor Ort durch den Zukauf ausländischer Unternehmen. Alle diese Strategien seien allerdings auch nicht ohne Risiko, so die Autoren der Analyse. Letztlich komme es für Unternehmen darauf an, ein funktionierendes Frühwarnsystem einzurichten, Entscheidungsprozesse zu beschleunigen, interne Strukturen flexibel zu halten und vor allem ihre Lieferketten und die Schnittstellen mit Zulieferern so anzupassen, dass schnelle Reaktionen auf unvorhergesehene Ereignisse möglich seien. Die Herausforderung bestehe darin, von der nach wie vor guten Konjunktur optimal zu profitieren und sich gleichzeitig auf einen möglichen Abschwung vorzubereiten. Gut vorbereitete Unternehmen hätten die Notfallpläne bereits in der Schublade, und in vielen Fällen bereits mit dem Betriebsrat vereinbart.

Management der Erwartungen bei Investoren wird immer wichtiger

Konjunkturelle Unsicherheiten und Marktentwicklungen sind die wichtigsten Faktoren, die die Unternehmen derzeit im Auge behalten müssen, stellen die Autoren der Analyse fest. Nach drei guten Jahren, in denen jeweils deutlich mehr positive als negative Korrekturen gezählt wurden, hielten sich im ersten Halbjahr erstmals seit 2014 wieder positive und negative Prognoseänderungen die Waage. Dies deute auf eine Trendwende hin. Im laufenden Jahr wird die Zahl der Gewinn- und Umsatzwarnungen voraussichtlich auf einen neuen Höchststand klettern und die Zahl der positiven Korrekturen übertreffen, so die Einschätzung der Studienautoren.

In diesem Umfeld werde eine langfristige Planung gerade für Unternehmen, die weltweit tätig sind, zu einer echten Herausforderung – sowohl im operativen Geschäft und der Unternehmenssteuerung, als auch für die Finanzmarktkommunikation. Das Erwartungsmanagement bei Analysten und Investoren gewinne derzeit an Bedeutung. Deshalb sei es wichtig, im ständigen Dialog mit den wichtigsten Stakeholdern zu stehen, um Überraschungen möglichst zu vermeiden und starken Kurseffekten vorzubeugen, raten die Autoren der Studie.

Warnungen lassen Kurse binnen einer Woche um 9% sinken

Besonders stark waren die Kursausschläge zuletzt bei Unternehmen, die ihren Ausblick nach unten korrigieren mussten: Im Durchschnitt sanken die Kurse am Tag der Gewinnwarnung um 7% und konnten sich auch in der Folgewoche nicht wieder erholen – im Gegenteil: Eine Woche nach Bekanntgabe der Gewinnwarnung lag der Aktienkurs im Durchschnitt um 9% niedriger als vor der Ad-hoc-Meldung. Wenn hingegen Unternehmen ein Übertreffen ihrer Gewinnprognosen ankündigten, führte das im Schnitt zu einem Anstieg des Aktienkurses um nur 2% – sowohl am Tag der Bekanntmachung als auch noch eine Woche später. Positive Korrekturen werden laut der Studie an der Börse derzeit kaum honoriert, während Gewinnwarnungen zu deutlichen Einbußen führen. Tief stapeln lohne sich also für die Unternehmen nicht, denn zu optimistische Prognosen würden kräftig abgestraft, so das Fazit der Studienautoren.

Die EY-Analyse zu den Gewinnwarnungen findet sich hier zum Download.

(Pressemitteilung EY vom 16.08.2018)


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