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Grenzüberschreitende Investments: Weniger deutsche Industriebetriebe planen Engagement im Ausland


Bereits seit 2017 sinkt der Anteil deutscher Industriebetriebe, die sich international engagieren. Nur noch 43% der Industrieunternehmen planen im Ausland zu investieren – so wenige wie zuletzt vor zehn Jahren. | © johas/fotolia.com

Immer weniger Industrieunternehmen planen den Schritt ins Ausland. Zugleich wollen die auslandsaktiven Betriebe ihr Investitionsvolumen zunehmend aus Kostengründen erhöhen. Das zeigt eine aktuelle Sonderauswertung der Konjunkturumfrage zu Auslandsinvestitionen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter mehr als 2.000 deutschen Industrieunternehmen.

Der Erhebung zufolge wollen 43% der Industrieunternehmen im Ausland investieren – so wenig wie zuletzt vor zehn Jahren. Dabei ist unsere exportstarke Industrie hierzulande stärker als andere Länder von der Erschließung ausländischer Märkte durch Auslandsinvestitionen abhängig, die immer wieder ausgebremst wird – durch protektionistische Maßnahmen, wirtschaftliche Entkoppelungs-Tendenzen und aktuell durch die Corona-Krise.

Anteil der deutschen Industrieunternehmen mit Auslandsinvestitionen sinkt seit 2017

Auch wenn insgesamt weniger Unternehmen den Schritt ins Ausland planen, so steigen die Investitionsvolumina der auslandsaktiven Unternehmen in den einzelnen Märkten gegenüber dem Vorjahr an – vor allem in China von 12 auf 20 Punkte, in Nordamerika von 9 auf 25 Punkte und in Afrika sowie im Nahen und Mittleren Osten sogar von 7 auf 28 Punkte.

Stabile Lieferketten in Heimatnähe gefragt

Zugleich wollen mehr Betriebe in den Top-3 Zielregionen deutscher Auslandsinvestitionen präsent sein – in der Eurozone (Anstieg von 63 auf 65%), in China (Anstieg von 36 auf 39%) und in Nordamerika (Anstieg von 31 auf 35%). Aber auch die sonstige EU, Schweiz und Norwegen werden für Unternehmen attraktiver (Anstieg von 21 auf 23%). Die Betriebe wissen stabile Lieferketten in Heimatnähe ebenso zu schätzen wie den wachsenden Konsum in China und eine verlässliche Wirtschaftspolitik in den USA. Hinzu kommt die steigende Attraktivität der Eurozone und der sonstigen EU für Nahverlagerungs-Aktivitäten.

Eine besondere Konstellation ergibt sich in den Investitionsbeziehungen zum Vereinigten Königreich: Mehr Unternehmen als zuletzt wollen hier investieren (10%, nach 6% in der Vorumfrage), vor allem in den Vertrieb und Kundendienst (73%) – um den durch den Brexit verursachten Handelshemmnissen zu begegnen.

Insgesamt werden durch die deutschen Direktinvestitionen in diesem Jahr laut der Umfrage erstmalig über 8 Mio. Arbeitsplätze an ausländischen Standorten geschaffen und gesichert.

Kostengründe für Auslandsinvestitionen nehmen zu

Vertrieb- und Kundendienst bleiben zwar weiterhin die Hauptmotive für Auslandsinvestitionen, allerdings wird es für immer mehr Unternehmen in Deutschland relevant, aus Kostengründen im Ausland zu investieren. Aktuell sind es 28 Prozent; der höchste Wert seit 2008 – ein Hinweis auf steigenden Kostendruck an heimischen Standorten. Im Textil-, Bekleidungs- und Ledergewerbe sowie im Fahrzeugbau dominieren Kostengründe den Gang ins Ausland (jeweils 48%). Auch bei den Herstellern von Metallerzeugnissen (33%), in der Elektrotechnik (30%) sowie bei Spitzentechnologieunternehmen (27%) spielt dieses Investitionsmotiv zunehmend eine wichtige Rolle.

Ein Blick in die Industriebranchen zum Auslandsengagement zeigt, dass sich vor allem der Maschinenbau zurückhält. Hier plant lediglich ein Fünftel der Unternehmen, Auslandsinvestitionen auszuweiten, während 23% diese kürzen wollen. Abstriche bei den Auslandsplänen nehmen die Elektrotechnik vor (von 11 auf 8 Punkte) sowie das Textil-, Bekleidungs- und Ledergewerbe (minus 12 nach 5 Punkten).

Pharmaindustrie hat Auslandsengagement hochgefahren

Deutlich expansiver ist laut der Studie dagegen die pharmazeutische Industrie, die ihre Investitionspläne für das Ausland im Schnitt kräftig ausweitet (42 nach 27 Punkten). Auch im Fahrzeugbau planen die Unternehmen unter dem Strich mit höheren Budgets (36% mit Ausweitungen, 23% mit Kürzungen). Während in der chemischen Industrie (inklusive Pharma) überdurchschnittlich viele Betriebe einen Aus- und Aufbau von Produktionskapazitäten zur Markterschließung planen, geht es bei den Auslandsinvestitionen im Fahrzeugbau hauptsächlich um Kostenersparnis, so die DIHK-Umfrage.

Weitere Ergebnisse der Sonderauswertung der DIHK-Konjunkturumfrage „Auslandsinvestitionen 2021“ finden Sie hier.

(Pressemitteilung Deutscher Industrie- und Handelskammertag vom 30.03.2021)


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