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    Industrie 4.0 verbreitet sich schleppend


    Als Industrie 4.0 werden die intelligente Fabrik und die Vernetzung von Produkten untereinander bezeichnet. Vielen Unternehmen fehlt allerdings das Geld oder das Know-how, um das Thema selbst voranzutreiben. Das kann für sie zu einem echten Wettbewerbsnachteil werden. | ©zapp2photo/fotolia.com

    Die vernetzte Produktion wird für die Industrie immer wichtiger, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Allerdings setzt sich die Technologie eher schleppend durch: In 45 % der Unternehmen kommt Industrie-4.0 zum Einsatz – das sind nur vier Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr.

    Unternehmen, die Industrie 4.0 anwenden, können dadurch ihre Produktion flexibilisieren, schneller auf Kundenwünsche reagieren oder die Effektivität erhöhen. Im Durchschnitt rechnen die Unternehmen, die Potenzial in der Kostenreduktion sehen, mit Einsparungen von mehr als 5 % durch Industrie-4.0-Lösungen – ein erheblicher Wettbewerbsvorteil.

    Hohe Investitionskosten sind das größte Hemmnis

    Den Anschluss zu verlieren, drohen dagegen die Unternehmen, die sich Industrie-4.0-Lösungen nicht leisten können oder kein entsprechendes Know-how haben: Immerhin 59 % sehen in den hohen Investitionskosten das größte Hemmnis, Industrie 4.0 im Betrieb einzuführen. Auch der Fachkräftemangel (57 %) wird wie auch in den Vorjahren als großes Hindernis gesehen. Es folgen Sicherheitsbedenken (48 %) und mangelnde Standards (46 %). Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young), für die insgesamt über 550 Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes in Deutschland befragt wurden. Die repräsentative Umfrage führte Bitkom Research durch.

    Industrie 4.0 im Automobilbau am verbreitetsten

    Vorreiter in Sachen Industrie 4.0 ist vor allem der Automobilbau. Hier setzt bereits jedes zweite Unternehmen (50 %) auf die vernetzte Produktion. Auch die Konsumgüterindustrie hat die Vorteile erkannt. 46 % der Unternehmen aus dieser Branche haben entsprechende Anwendungen im Einsatz. Es folgen die Elektrotechnik (37 %) und der Maschinenbau (34 %). Die überwiegende Mehrheit der Unternehmen (80 %) bescheinigt Industrie 4.0 bereits heute eine hohe strategische Bedeutung. Vier von zehn Unternehmen (41 %) schreiben dem Thema sogar eine sehr große strategische Bedeutung zu. Lediglich 5 % der Unternehmen sagen, dass Industrie 4.0 für sie überhaupt keine strategische Bedeutung hat.

    89 % erwarten steigende Bedeutung

    In der Zukunft wird Industrie 4.0 diesen hohen Stellenwert eher noch weiter ausbauen. Mit Blick auf die kommenden fünf Jahre sagen nämlich 89 % der befragten Industrieunternehmen, dass die strategische Bedeutung für ihr Unternehmen zunehmen wird. Auch die Investitionsabsichten sprechen dafür, dass Industrie 4.0 noch an Bedeutung zulegen wird. Im Durchschnitt investieren Anbieter und Planer derzeit 5 % des Jahresumsatzes in den Bereich Industrie 4.0 investiert. Die Investitionen fließen vor allem in Personal (43 %) sowie Softwaresysteme und -konzepte (38 %). 76 % der Unternehmen wollen ihre Investitionen in Industrie 4.0 im kommenden Jahr weiter ausbauen. 2016 waren es noch zehn Prozentpunkte weniger (66 %).

    (EY, PM vom 27.11.2017 / Viola C. Didier)


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