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Konjunktur begünstigt Vorstands- und Aufsichtsratsvergütung


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Vorstandschefs (CEOs) von Dax-Unternehmen verdienten 2017 im Median mehr als sechs Millionen Euro – fast 9 Prozent mehr als 2016 und fast doppelt so viel wie die übrigen Vorstandsmitglieder (CXOs). Dies sind nur zwei der interessanten Ergebnisse der Vergütungsstudie 2018, in der es um die Vergütungsentwicklung bei Vorständen und Aufsichtsräten (ARs) der vier wichtigsten deutschen Börsenindizes ging. Sie wurde von der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC und dem Lehrstuhl für Wirtschaftsprüfung und Corporate Governance der Goethe-Universität Frankfurt am Main in Kooperation erstellt.

Die Studie analysierte die Vergütungsjahre 2014 bis 2017 und schloss alle Unternehmen ein, die am 31. Dezember des jeweiligen Jahres im Dax, MDax, SDax und TecDax gelistet waren. In allen vier Börsenindizes zeigte sich über die letzten Jahre ein Aufwärtstrend bei der Gesamtvergütung.

„Wir sehen die Vorstandsvergütung insgesamt in einem Aufwärtstrend. Dies ist eine Folge der sich seit 2010 positiv entwickelnden Weltwirtschaft“, sagt Petra Raspels, Partnerin und Head of People & Organisation bei PwC Deutschland.

Professor Dr. Böcking von der Goethe-Universität ergänzt: „Hinzu kommt, dass Topmanager in einem globalen Markt agieren. Und die Vorstandsvergütungen sind in nahezu allen entwickelten Ländern im Aufwärtstrend.“

Die wichtigsten Details aus den Vorstandsanalysen

Gesamtvergütungen im Dax: CEO-Vergütungen steigen kräftiger als Vergütungen der CXOs

Die CEOs der Dax-Konzerne erhielten 2017 eine Median-Gesamtvergütung von 6,17 Millionen Euro. Das waren 8,6 Prozent mehr als 2016 und 13,6 Prozent mehr als 2014. Im Betrachtungszeitraum bedeutet dies einen durchschnittlichen Anstieg von 4,4 Prozent pro Jahr.

Das Multiple in Bezug auf die Median-Gesamtvergütung für die CXOs im Dax betrug 1,88. Das heißt: Dax-CEOs bekamen 2017 eine nahezu doppelt so hohe Vergütung wie die CXOs.

Vierjahresvergleich der Median-Gesamtvergütungen im Dax

Dax-CEOs Dax-CXOs
2017 6,17 3,29
2016 5,68 3.05
2015 5,60 2,94
2014 5,43 3,01
durchschnittlicher Anstieg pro Jahr
4,4% 3%
Vergütungsangaben in Millionen Euro, alle Werte gerundet.

Gesamtvergütungen im MDax: CXOs im Mehrjahresvergleich mit fast doppelt so hohem durchschnittlichen Vergütungsanstieg wie CEOs

Die Median-Gesamtvergütung der CEOs der MDax-Unternehmen belief sich 2017 auf 2,76 Millionen Euro. Das waren 7,1 Prozent weniger als 2016, aber 10 Prozent mehr als 2014. Im Mittel stiegen ihre Vergütungen seit 2014 um durchschnittlich 3,2 Prozent pro Jahr. Die CXOs kamen auf 5,9 Prozent.

Das Multiple der Median-Gesamtvergütung der MDax-CEOs in Bezug auf die CXOs lag bei 1,67. Das heißt, MDax-CEOs verdienten 2017 im Median fast 70 Prozent mehr als die CXOs. Das ist eine Verringerung im Vergleich zum Jahr 2014, in dem das Multiple noch bei 1,81 lag.

Vierjahresvergleich der Median-Gesamtvergütungen im MDax

MDax-CEOs MDax-CXOs
2017 2,76 1,65
2016 2,97 1,68
2015 2,46 1,38
2014 2,51 1,39
durchschnittlicher Anstieg pro Jahr
3,2% 5,9%
Vergütungsangaben in Millionen Euro, alle Werte gerundet.

Professor Böcking erklärt: „Beim MDax, aber auch bei den anderen untersuchten Indizes ist zu beachten, dass die individuellen Gesamtvergütungen in Einzelfällen deutlich von den Medianwerten abweichen. Besonders große Vergütungsunterschiede spiegeln mitunter auch sehr unterschiedliche Unternehmensgrößen.“ Petra Raspels ergänzt: „Im MDax beispielsweise betrug 2017 die kleinste Markt­kapitalisierung eines Unternehmens 1,8 Milliarden Euro und die höchste eines anderen Unternehmens 64,3 Milliarden Euro. Im Dax lag die geringste festgestellte Marktkapitalisierung eines Unternehmens im Jahr 2017 bei 6,6 Milliarden Euro und die höchste bei 112,1 Milliarden Euro.“

Gesamtvergütungen im SDax: aus guten Gründen die höchsten Anstiege

Die CEOs der SDax-Unternehmen verdienten 2017 im Median 1,56 Millionen Euro. Das waren 16,4 Prozent mehr als 2016 und sogar 59,2 Prozent mehr als 2014. Der Mehrjahresvergleich zeigt hier den mit Abstand stärksten Anstieg.

Die Vergütungslücke zwischen CEOs und CXOs ist im SDax am geringsten: Das Multiple der Median-Gesamtvergütung der CEOs in Bezug auf die anderen Vorstandsmitglieder betrug 1,53. 2014 lag das Multiple nur leicht darunter.

Vierjahresvergleich der Median-Gesamtvergütungen im SDax

SDax-CEOs SDax-CXOs
2017 1,56 1,02
2016 1,34 1,09
2015 1,22 0,85
2014 0,98 0,65
durchschnittlicher Anstieg pro Jahr
16,8% 16,2%
Vergütungsangaben in Millionen Euro, alle Werte gerundet.

Dass sich im SDax über die letzten Jahre die höchsten Vergütungszuwächse ergeben, hat verschiedene Gründe. „Zum einen ist die Zusammensetzung des SDax viel volatiler als die der anderen Indizes. So waren hier Ende 2017 nur 11 von 50 Unternehmen vertreten, die dem SDax seit 2014 durchgängig angehören“, sagt Petra Raspels. Allein deshalb sei die durchschnittliche Gesamtvergütung im SDax deutlich gestiegen.

Professor Böcking nennt noch weitere Ursachen: So fielen die Aktienkurssteigerungen im SDax deutlicher aus als im Dax und im MDax – von 2014 bis 2017 um 65 Prozent. Nur der TecDax stand mit 84 Prozent noch besser da. Diese gute Performance sei mit eine Erklärung für die hohen Anstiege der Vergütung. „Nicht zuletzt handelt es sich aber auch um „abgestiegene“ Unternehmen, deren Vergütung zuvor wettbewerbsfähig im MDax war; zudem haben Unternehmen, die sich vor ihrer SDax-Aufnahme vergütungsspezifisch noch mit Unternehmen außerhalb der Dax-Indexfamilie verglichen, ihre Vergütungssysteme professionalisiert und dem Wettbewerb im Börsenumfeld angepasst“, so Professor Böcking weiter.

Gesamtvergütungen im TecDax: der größte Unterschied zwischen CEO- und CXO-Vergütung

Den TecDax-CEOs wurde 2017 eine Median-Gesamtvergütung von 1,75 Millionen Euro gewährt. Das waren 15,1 Prozent mehr als 2016 und 18,2 Prozent mehr als 2014. Der Mehrjahresvergleich zeigt auch: Die großen Vergütungssprünge machten TecDax-CEOs erst in den vergangenen zwei Jahren.

Das Multiple der Median-Gesamtvergütung in Bezug auf die übrigen Vorstandsmitglieder liegt bei 2,19. TecDax-CEOs verdienten 2017 also etwas mehr als doppelt so viel wie ihre CXOs. Das Vergütungsplus in den vergangenen drei Jahren lag bei 5,7 Prozent (CEOs) beziehungsweise 5,6 Prozent (CXOs) jährlich, also höher als bei den Vorständen im Dax und im MDax.

Vierjahresvergleich der Median-Gesamtvergütungen im TecDax

TecDax-CEOs TecDax-CXOs
2017 1,75 0,80
2016 1,52 0,83
2015 1,30 0,76
2014 1,48 0,68
durchschnittlicher Anstieg pro Jahr
5,7% 5,6%
Vergütungsangaben in Millionen Euro, alle Werte gerundet.

„Der TecDax lässt sich nicht eindeutig in die Hierarchie der anderen drei Indizes einordnen, da er ein Branchenindex ist“, so Petra Raspels. „Die hohen Median-Gesamtvergütungssteigerungen sind vor allem darauf zurückzuführen, dass der TecDax mit 84 Prozent Aktienkurssteigerung von 2014 bis 2017 die beste Performance aufwies.“ Zudem sei die Vergütung ein wichtiges Anreizmittel, da es besonders schwer ist, geeignete Topmanager für Technologieunternehmen zu finden. Professor Böcking ergänzt: „Zudem schauen die deutschen Tech-Unternehmen auch verstärkt auf die Entwicklungen im Silicon Valley, da sie im internationalen Wettbewerb um Topmanager mithalten wollen.“

Geschlechterverteilung in Vorständen: Frauen nach wie vor selten

Trotz langjähriger Debatte hat sich bei der Geschlechterverteilung in den CEO-Büros bislang wenig getan. In allen untersuchten Börsenindizes lag die Männerquote 2017 bei 97 Prozent (2014: 99 Prozent). Vorreiter für Veränderungen ist der TecDax: Hier wurde in 2017 immerhin fast jedes zehnte Unternehmen von einer Frau geführt.

Etwas anders sieht es bei den CXOs aus. Hier lag die Männerquote 2017 bei 90 Prozent (2014: 93 Prozent) und im Dax waren 16 Prozent aller CXOs Frauen. Interessanterweise sind unter den CXOs beim TecDax kaum Frauen vertreten (3 Prozent).

Die wichtigsten Details aus den Aufsichtsratsanalysen

Gesamtvergütungen in den Aufsichtsräten der Dax-Unternehmen: höchste Anstiege bei Stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden, Stagnation bei einfachen Aufsichtsräten

Die Aufsichtsratsvorsitzenden der Dax-Konzerne haben 2017 eine Median-Gesamt­vergütung von 347.000 Euro erhalten. Das waren 8,1 Prozent mehr als 2016 und 11,2 Prozent mehr als 2014. Das Vergütungsplus ist also nahezu vergleichbar mit der Entwicklung der CEOs im Dax.

Das Multiple in Bezug auf die Median-Gesamtvergütung zu den stellvertretenden AR-Chefs ergibt hier 1,45. Dax-AR-Chefs verdienten 2017 also fast 50 Prozent mehr als ihre Vizechefs. Das Multiple gegenüber einfachen Aufsichtsratsmitgliedern lag bei 2,5.

Vierjahresvergleich der Median-Gesamtvergütungen im Dax

Dax-AR-Vorsitz Dax-AR-St. Vorsitz Dax-AR-Mitglied
2017 347 239 139
2016 321 236 131
2015 311 214 125
2014 312 200 137
durchschnittlicher Anstieg pro Jahr
3,6% 6,1% 0,5%
Vergütungsangaben in Tausend Euro, alle Werte gerundet.

Hier flossen laut Professor Böcking zwei Aspekte ein: „Erstens steigen die Anforderungen an die fachliche Qualität von Aufsichtsräten und zweitens professionalisieren insbesondere kleinere Unternehmen nach und nach ihre Aufsichtsratvergütungssysteme.“ Doch auch gestiegene Haftungsrisiken spielten eine Rolle.

Gesamtvergütungen in MDax-Aufsichtsräten: moderate Steigerungen

Die AR-Chefs von MDax-Unternehmen verdienten 2017 im Median 195.000 Euro. Das waren 2 Prozent weniger als 2016, aber 6,6 Prozent mehr als 2014.

Das Multiple gegenüber den stellvertretenden AR-Chefs liegt bei 1,60. MDax-AR-Chefs bekamen 2017 im Median circa 60 Prozent mehr an Gesamtvergütung gewährt als ihre Vizechefs. Das Multiple gegenüber einfachen Aufsichtsratsmitgliedern lag 2017 bei 2,47.

Vierjahresvergleich der Median-Gesamtvergütungen im MDax

MDax-AR-Vorsitz MDax-AR-St. Vorsitz MDax-AR-Mitglied
2017 195 122 79
2016 199 123 83
2015 185 120 76
2014 183 119 73
durchschnittlicher Anstieg pro Jahr
2,1% 0,8% 2,7%
Vergütungsangaben in Tausend Euro, alle Werte gerundet.

Gesamtvergütungen in SDax-Aufsichtsräten: weit höhere prozentuale Steigerungen als in den anderen Indizes

Die Aufsichtsratsvorsitzenden der SDax-Unternehmen haben 2017 eine Median-Gesamt­vergütung von 108.000 Euro erhalten. Das sind 8 Prozent mehr als 2016 und 50 Prozent mehr als 2014. Dies ist der mit Abstand größte Vergütungssprung in den vier untersuchten Indizes.

Bei den AR-Chefs im SDax ergibt das Multiple in Bezug auf die Median-Gesamt­vergütung der stellvertretenden AR-Chefs 1,46. Das bedeutet, dass SDax-AR-Chefs 2017 im Median fast 50 Prozent mehr Gesamtvergütung gewährt bekamen als ihre Vizechefs. Gegenüber einfachen Aufsichtsratsmitgliedern in diesem Index lag das Multiple bei 2,26.

Vierjahresvergleich der Median-Gesamtvergütungen im SDax

SDax-AR-Vorsitz SDax-AR-St. Vorsitz SDax-AR-Mitglied
2017 108 74 47
2016 100 64 46
2015 80 63 39
2014 72 52 37
durchschnittlicher Anstieg pro Jahr
14,5% 12,5% 8,3%
Vergütungsangaben in Tausend Euro, alle Werte gerundet.

Gesamtvergütungen in TecDax-Aufsichtsräten: Einbußen für einfache AR-Mitglieder im Mehrjahresvergleich

Die Vergütung für AR-Vorsitzende von TecDax-Unternehmen betrug 2017 im Median 96.000 Euro. Das waren 6,7 Prozent mehr als 2016 und 5,5 Prozent mehr als 2014 – das kleinste Vergütungsplus seit 2014 in den vier Indizes.

In Bezug auf die Gesamtvergütung der stellvertretenden AR-Chefs im TecDax lag das Multiple bei den AR-Chefs bei 1,37. Im Vergleich erhielten die AR-Chefs also knapp 40 Prozent mehr als ihre Vizechefs. Gegenüber einfachen AR-Mitgliedern lag das Multiple bei 2,13.

Vierjahresvergleich der Median-Gesamtvergütungen im TecDax

TecDax-AR-Vorsitz TecDax-AR-St. Vorsitz TecDax-AR-Mitglied
2017 96 70 45
2016 90 70 39
2015 93 60 40
2014 91 63 46
durchschnittlicher Anstieg pro Jahr
1,8% 3,6% 0,7%
Vergütungsangaben in Tausend Euro, alle Werte gerundet.

Geschlechterverteilung in Aufsichtsräten: immer mehr Frauen in Vizechef-Positionen und Prüfungsausschussleitungen

Führende Positionen in deutschen Aufsichtsräten besetzten 2017 nach wie vor fast ausnahmslos Männer – und zwar zu 96 Prozent. 2014 lag der Wert genauso hoch. Besser schneidet hier der TecDax ab, in dessen Unternehmen 7 Prozent der AR-Chefs weiblich sind. Deutlich mehr Frauen gibt es auf den Vizechefposten in Aufsichtsräten: Hier betrug ihre Quote 2017 über alle vier Indizes hinweg 14 Prozent (2014: 6 Prozent). Etwas über diesem Durchschnitt lagen der Dax und der MDax.

Auch in den Prüfungsausschüssen hat sich etwas getan: 14 Prozent dieser Gremien werden von Frauen geleitet (2014: 7 Prozent). Deutlich überdurchschnittlich waren die Frauenquoten mit Blick auf den Prüfungsausschussvorsitz im SDax (21 Prozent) und im TecDax (19 Prozent).

(Pressemitteilung PwC vom 24.10.2018)


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