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Kreditbedingungen haben sich verschärft


Die EZB stellt neben einer Verschlechterung der Liquiditäts- und Handelsbedingungen auch eine deutliche Verschärfung der Kreditbedingungen fest. | © JFL Photography/fotolia.com

Die Kreditbedingungen an den Märkten haben sich auf Grund der Corona-Krise drastisch verschlechtert. Die Europäische Zentralbank stellt in ihrer EZB-Umfrage vom Juni 2020 eine die breitflächigste Verschärfung der Kreditbedingungen in einem Dreimonatszeitraum seit Einführung der Umfrage im Jahr 2013 fest. Auch die Kreditkonditionen fallen deutlich ungünstiger aus. Einige Versicherungsunternehmen, Hedgefonds und Investmentfonds seien aufgrund von Schwankungsmargen sogar mit angespannter Liquiditätssituation konfrontiert.

Die Umfrageteilnehmer gaben an, dass sich die Kreditbedingungen im aktuellen Betrachtungszeitraum so breitflächig verschärft hätten wie noch in keinem anderen Dreimonatszeitraum seit der Einführung der SESFOD-Erhebung. Im Zeitraum von März 2020 bis Mai 2020 fielen die von den jeweiligen Instituten angebotenen preislichen und nichtpreislichen Kreditkonditionen für alle Arten von Geschäftspartnern ungünstiger aus. Bei den preislichen Konditionen waren nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften am stärksten betroffen. Die Verschärfung der nichtpreislichen Konditionen hingegen war bei den Hedgefonds am deutlichsten spürbar.

Als Grund für die Verschärfung führten die Befragten vor allem eine Verschlechterung der allgemeinen Liquiditätslage und der Funktionsfähigkeit der Märkte an. Doch auch die aktuelle bzw. erwartete Finanzkraft der Geschäftspartner wurden als Beweggrund angegeben, insbesondere Hedgefonds und nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften ungünstigere Konditionen anzubieten.

Verschlechterung der Liquiditäts- und Handelsbedingungen

Die Höchstbeträge und -laufzeiten von Finanzierungen gegen Sicherheiten in Form von nichtstaatlichen auf Euro lautenden Wertpapieren aller Art gingen weiter zurück. Bei Finanzierungen, die mit Staatsanleihen besichert waren, stiegen sie jedoch an. Die Bewertungsabschläge für Sicherheiten in Euro erhöhten sich beträchtlich. Außerdem nahmen die Finanzierungssätze/-aufschläge bei allen Arten von Sicherheiten außer heimischen Staatsanleihen zu. Die Liquidität der Sicherheiten verschlechterte sich über alle Kategorien hinweg, und es wurde die stärkste Zunahme von Bewertungsstreitigkeiten seit der Einführung der Umfrage verzeichnet, stellt die EZB-Umfrage fest.

Die Anforderungen für Einschusszahlungen erhöhten sich bei allen OTC-Derivaten außer Rohstoffderivaten. So meldete ein beträchtlicher Anteil der Befragten erhöhte Anforderungen für Einschusszahlungen bei OTC-Kreditderivaten, die sich auf Staaten, den Unternehmenssektor und strukturierte Kreditprodukte beziehen. Die Befragten gaben auch an, dass sich der maximale Forderungswert bei OTC-Rohstoffderivaten und Total Return Swaps, die sich auf Nicht-Wertpapiere wie Bankkredite beziehen, verringert habe. Die Liquiditäts- und Handelsbedingungen verschlechterten sich bei allen Derivatetypen erheblich, besonders stark aber bei Kreditderivaten, die sich auf Unternehmen, strukturierte Kreditprodukte und Staaten beziehen. Die Anzahl, Dauer und Persistenz von Bewertungsstreitigkeiten nahmen über alle Arten von Derivaten hinweg weiter zu, so die EZB.

Corona-Krise führt zu Verschärfung der Kreditbedingungen

Die Umfrage vom Juni 2020 enthielt eine Reihe von Sonderfragen, die darauf abzielen, die Auswirkungen der Kreditbedingungen sowie der Sicherheitenanforderungen auf die Marktlage und die Liquiditätssituation der Geschäftspartner vor dem Hintergrund der Corona-Krise (Covid-19) abzuschätzen. Die befragten Institute gaben an, dass sie bei der Verschärfung der Kreditbedingungen im Berichtszeitraum bis zu einem gewissen Grad die Liquiditäts- oder Solvenzsituation ihrer Geschäftspartner berücksichtigt hätten, sofern ihr Risikomanagementrahmen dies zugelassen habe. Die Institute waren in der Lage, Geldmarkttransaktionen zu verlängern, wenn auch in vielen Fällen zu ungünstigeren preislichen Konditionen. Die Umfrageteilnehmer berichteten, dass ihre Kunden den Liquiditätsbedarf zur Erfüllung der Nachschussanforderungen hauptsächlich über die Repomärkte oder Kreditlinien deckten. Allerdings sahen sich einige Versicherungsunternehmen, Hedgefonds und Investmentfonds aufgrund von Schwankungsmargen mit einer angespannten Liquiditätssituation konfrontiert.

Die SESFOD-Erhebung wird viermal im Jahr durchgeführt und erfasst Änderungen der Kreditbedingungen in dreimonatigen Referenzzeiträumen, die im Februar, Mai, August und November enden. Für die Umfrage vom Juni 2020 wurden qualitative Angaben über Veränderungen im Zeitraum von März 2020 bis Mai 2020 erhoben. Die Ergebnisse basieren auf den Antworten einer Gruppe von 28 Großbanken, von denen 14 im Euro-Währungsgebiet ansässig sind und 14 ihren Hauptsitz außerhalb des Euroraums haben.

(Pressemitteilung Europäische Zentralbank vom 21.08.2020)


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