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Kriterien der Kreditfinanzierung für KMU


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Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) erwirtschaften deutlich niedrigere Pro-Kopf-Umsätze als Großkonzerne. Vor allem bei Auftragsschwankungen  oder Investitionen ins eigene Unternehmen sind sie daher im Durchschnitt häufiger auf eine Fremdfinanzierung angewiesen als umsatzstärkere, große Firmen. Es wird gezeigt, welche Kriterien bei der Entscheidung für einen Kredit eine Rolle spielen und wo die Vor- sowie Nachteile verschiedener Kreditgeber liegen.

Damit ein Unternehmen herausfindet, ob ein bestimmter Kredit wirklich passt, sollte es bei einem konkreten Angebot diese Aspekte prüfen:

  • Gesamtkosten der Finanzierung: Viele Faktoren bestimmen, wie teuer ein Kredit letztendlich wird. Je länger Finanzierungsmittel gewährt werden und je größer das Volumen ist, desto höher wird am Ende die gesamte Zinslast. Eine kurze Laufzeit sowie ein niedriger Leitzins wirken sich hingegen bei den meisten Kreditformen günstig auf die Kosten aus. Firmen mit einer guten Bonität erhalten bessere Konditionen, da die Bank bei der Kreditvergabe ein geringeres Risiko eingeht.
  • Auszahlungsmodalitäten: Wie stellt eine Bank einen Kredit zur Verfügung? Ist man auf eine einmalige hohe Summe angewiesen oder genügen gestaffelte Auszahlungen, z.B. um Betriebsmittel vorübergehend zu finanzieren? Je weniger Geld sofort gebraucht wird, desto günstiger wird es für den Kreditnehmer. Sogenannte Überbrückungskredite sind zwar schnell und unkompliziert verfügbar, dafür aber teurer als langfristige Investitionskredite.
  • Dauer der Kapitalüberlassung: Wann muss das Unternehmen den Kredit zurückbezahlen? Dabei kann ein tilgungsfreier Zeitraum verhandelt werden, in dem noch keine Rückzahlung ansteht. Dadurch bleiben Unternehmen für eine bestimmte Zeit liquide und haben so einen größeren wirtschaftlichen Spielraum. Die Gesamtdauer spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Bei einer gleich hohen Darlehenssumme ist ein Kredit mit einer Laufzeit von beispielsweise fünf Jahren günstiger als einer mit zehn Jahren, da über einen längeren Zeitraum Zinsen anfallen – auch wenn der Zinssatz bei einer kürzeren Laufzeit niedriger ist.
  • Liquiditätswirkung: Kredite sind grundsätzlich da, um finanzielle Engpässe möglichst rasch zu überbrücken – das ist nichts Neues. Geblendet vom augenscheinlich schnellen Geld vergessen viele Kreditnehmer jedoch, dass mit Vertragsabschluss zu den sowieso schon monatlich anfallenden Fixkosten noch die Tilgungsrate kommt. Besonders unvorhersehbare Anschaffungen oder Ausgaben können dann trotz Kreditaufnahme für finanzielle Schieflage sorgen. Daher ist es im Vorfeld ratsam, einen Liquiditätsplan aufzustellen. Er sollte sowohl regelmäßig als auch jährlich anfallende Kosten umfassen. Diese stehen dann den Einnahmen gegenüber. Nur so wird ersichtlich, wie groß die monatliche Marge für anderweitige Ausgaben bleibt und ob sich ein Angebot überhaupt rentiert.
  • Verfügbarkeit: „Sofortkredit“ oder „unverzügliche Auszahlung“ – bei vielen Angeboten liegt da die Vermutung nahe, dass das Geld binnen 24 Stunden auf dem Betriebskonto landet. Außer bei sogenannten Blitzkrediten, sieht die Realität meist anders aus. Bis der Kreditgeber die Zahlung bewilligt, kann manchmal viel Zeit vergehen. Verzug bei der Schufa-Prüfung, fehlende oder ungültige Unterlagen (z.B. Personalausweis oder Reisepass im Zuge des Legitimationsprozesses) sowie zeitintensive Absprachen bei Krediten, an denen verschiedene Institute beteiligt sind – all das kostet Zeit. Darüber sollten sich speziell Firmen im Klaren sein, die dringend Geld benötigen. Schließlich wollen auch die Kreditgeber sicherstellen, dass der Antragsteller seine Pflichten im Rahmen des Kreditgeschäfts am Ende erfüllt. Die Beantragung muss also gut vorbereitet sein, selbst wenn der Liquiditätszuschuss relativ zeitnah benötigt wird. Angebote, bei denen dagegen vor der Auszahlung keine Personen- oder Schufa-Prüfung stattfindet, sind dagegen mit Vorsicht zu genießen.
  • Informationsanforderung: Seriöse Anbieter erkennt man insbesondere an ihrer offenen Auskunftspolitik. Doch gerade online tummeln sich viele zwielichtige Kreditgeber, die wichtige Informationen gerne vorbehalten. Fehlt auf der Webseite zum Beispiel das Impressum, gibt es im Internet keine bisherigen Erfahrungsberichte, wirkt die Verzinsung intransparent und inplausibel oder ist der Anbieter nur online erreichbar, sollten bei Kleinunternehmern die Alarmglocken läuten. Schließlich legen zuverlässige Anbieter großen Wert auf einen offenen Informationsaustausch mit ihren Kunden, für die sie jederzeit sowohl telefonisch als auch schriftlich zur Verfügung stehen. Wer also bei einem auf den ersten Blick attraktiven Angebot keine Fragen auf seine Antworten erhält, sollte von diesem die Finger lassen.

Firmen sollten sich grundsätzlich auf das Verhandlungsgespräch mit der Bank oder dem Anbieter der Wahl gut vorbereiten. Idealerweise kennen sie die Kriterien, nach denen ein Kreditgeber über eine Finanzierungsanfrage entscheidet. Dadurch steigt die Chance einer Bewilligung.

Für die Anbieter hingegen dürften die Sicherheiten (Eigenkapital, Sachwerte etc.), das Rating (Credit Scoring) und die Zukunftsfähigkeit (der Branche und des individuellen Unternehmens im Wettbewerb) relevant sein, wenn sie die Kreditwürdigkeit (Bonität) eines Unternehmens prüft. Bei KMU brauchen Banken sowie Institute üblicherweise deutlich mehr Informationen als bei Großkonzernen, deren Liquidität und Sicherheiten höher sind. Bei Start-ups erhöht ein überzeugender Businessplan die Chance auf eine Kreditzusage.

Wo können KMU Kredite beantragen?

Generell können KMU bei den gleichen Stellen eine Kreditanfrage stellen wie größere Betriebe. Welche Kreditarten im Einzelfall sinnvoll sind, hängt von der Mitarbeiteranzahl, der wirtschaftlichen Lage, vom Industriezweig und vom Verwendungszweck ab. Zudem können Mittelstandsfirmen  häufig von speziellen Förderungen profitieren, die Großkonzerne nicht erhalten. Bei jedem einzelnen Angebot sollte man deshalb die Konditionen immer genau prüfen, bevor man einen Vertrag bei einem der folgenden Anlaufstellen unterschreibt:

  • Förderbanken: Viele Betriebe glauben, dass nur Startups von Förderkrediten profitieren, und bemühen sich daher nicht um eine staatliche Unterstützung. Doch diese Annahme ist falsch. Es gibt beispielsweise bestimmte Kredite, die sich explizit an Firmen richten, deren Gründung fünf oder mehr Jahre zurückliegt. Es lohnt sich, die Angebote von Förderbanken genau zu prüfen, denn die Rückzahlkonditionen sind meist deutlich günstiger als bei Hausbanken. Allerdings sind solche Kredite in aller Regel zweckgebunden. Betriebe dürfen sie zum Beispiel nur für das Umlauf- oder Anlagevermögen verwenden. Außerdem müssen nicht genutzte Mittel zurückbezahlt werden.
    Die größte nationale Förderbank ist die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Doch auch die einzelnen Länder fördern bestimmte Branchen oder wirtschaftlich schwächere Regionen, wovon KMU häufig profitieren können. Bei der Vergabe von Förderkrediten können Betriebe nicht verhandeln. Die Vergabe einzelner Förderprogramme ist an strikte Voraussetzungen gekoppelt. Kann eine Firma diese nicht erfüllen, fällt diese Kreditform weg. Grundsätzlich lohnt es sich aufgrund der günstigen Konditionen jedoch immer, sich zu informieren, ob man förderberechtigt ist.
  • Hausbanken: Großes Plus ist hier, dass Unternehmen in einem gewissen Rahmen die Konditionen selbst verhandeln können. Dies ist vor allem interessant, wenn Förderkredite nicht ausreichend hoch sind oder eine Unterstützung von Bund und Ländern ausgeschlossen ist. Hausbanken sind zwar grundsätzlich vergleichsweise etwas teurer, allerdings läuft die Auszahlung in der Regel schneller ab. Je höher das Risiko ist, dass ein Unternehmen einen gewährten Kredit nicht ordnungsgemäß tilgen kann (niedrige Bonität), desto teurer ist allerdings der Zinssatz und desto geringer ist die Chance, dass überhaupt ein Kredit ausbezahlt wird.
  • Onlinebanken: Sie haben sich meist auf bestimmte Branchen oder Firmengrößen spezialisiert. Dadurch können sie im Einzelfall durchaus bessere Konditionen anbieten als eine Hausbank. Denn diese schätzen manche Wirtschaftszweige als besonders risikoreich ein (z.B. durch hohe Verdienstausfallraten oder weil sie sehr abhängig von Lieferanten sind). Für Betriebe, die bei Hausbanken keine oder nur teure Kredite erhalten, lohnt sich die Suche im Internet nach einem spezialisierten Finanzpartner. Allerdings fehlt bei Onlinegeschäften der direkte Ansprechpartner vor Ort. Bei sehr kleinen Banken kann es zudem vorkommen, dass sie  zahlungsunfähig werden Für größere Investitionen mit längeren Auszahlungsphasen sollte man daher eher auf eine etablierte Bank setzen.

Fazit Bankenwahl: Es ist sinnvoll, einige Angebote einzuholen und sie sorgfältig miteinander zu vergleichen, bevor man sich für einen bestimmten Finanzpartner entscheidet. Dabei sollte man darauf achten, dass man keine Kreditanfrage stellt, sondern vorerst eine Konditionenanfrage. Denn Kreditanfragen melden Banken an Auskunfteien (z.B. der Schufa) – was die Bonität negativ beeinflusst. Außerdem muss man bei Kreditvergleichen beachten, dass die Konditionen für jedes Unternehmen unterschiedlich sind. Besonders gute Angebote gelten meist nur für Betriebe mit einer entsprechend hohen Bonität.

Hinweis: Weiterführende Informationen zum Thema finden Sie in einer Studie des Finanzierungsdienstleisters COMPEON, welche Sie hier abrufen können.

Autor: Diplom-Betriebswirt (FH) Massimo Lombardo ist als selbständiger Unternehmensberater tätig. Daneben schreibt er als Experte für bekannte Onlineportale und Fachverlage zum Thema Unternehmensführung und der Existenzgründung.


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