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M&A-Markt: ESG wird zunehmend wichtiger


©aksanakoval / 123rf

Das Thema ESG ist im M&A-Markt angekommen. So rücken immer häufiger bei der Auswahl geeigneter Targets potenzielle ESG-Risiken oder -Werthebel in den Fokus. Der Trend einer ESG Due Diligence ist also auch bei den Unternehmen angekommen.

Zu diesem Ergebnis kommt das diesjährige zweite M&A Panel, für das die internationale Wirtschaftskanzlei CMS und das Magazin Finance leitende Mitarbeiter aus M&A-Abteilungen deutscher Unternehmen sowie Investmentbanker und M&A-Berater befragt haben.

Demnach führen knapp zwei Drittel der Befragten bereits bei Transaktionen auf der Buy-side eine ESG Due Diligence durch. Nur rund 14 Prozent geben an, eine konventionelle Due Diligence durchzuführen. Zu Jahresbeginn war ESG noch kein Thema. Dass das Thema an Relevanz gewinnt, hat einfache Gründe: ESG-Risiken, wie Probleme in der Lieferkette oder nicht nachhaltige Geschäftsmodelle, können Dealbreaker sein. Dieser These stimmen fast drei Viertel der M&A-Profis zu.

Umweltschutz und Unternehmensführung am relevantesten

Die befragten M&A-Profis sind sich darüber einig, dass ESG nicht nur kurzfristig relevant bleibt. Auf einer Skala von 1 bis 10 bewerten sie den Stellenwert bei ihren M&A-Transaktionen mit 6,69, wobei 10 für einen hohen Wert steht. Nur sieben Prozent der Befragten stimmen der These zu, dass das Thema mit der Zeit wieder abflachen wird. Doch ESG ist nicht gleich ESG: Die Mehrheit der Befragten bewertet den Faktor Environment (Umwelt) am wichtigsten. Auf einer Skala von 1 bis 10 vergeben sie 7,55, gefolgt von Governance (Unternehmensführung) mit 7,21 und Social (Soziales) mit 6,83. Im Alltag der M&A-Profis spielt das Thema aber noch eine untergeordnete Rolle: Nur 17 Prozent gaben an, M&A-Transaktionen gezielt dafür zu nutzen, die eigene ESG-Expertise zu verstärken oder sich selbst nachhaltiger aufzustellen.

Geringer Einfluss von ESG auf Kredite und Multiples

Aktuell legen Kapitalgeber noch keinen Fokus auf die ESG-Konformität der M&A-Projekte. Das könnte auch eine potenzielle Erklärung dafür sein, dass M&A-Profis dem Thema in ihrem konkreten Alltag noch wenig Relevanz zusprechen. Nur rund 28 Prozent aller Geldgeber (Banken oder Finanzinvestoren) finanzieren bevorzugt ESG-konforme Transaktionen – rund 17 Prozent verneinen dies und über die Hälfte ist sich unsicher. Das spricht für die These, dass M&A-Professionals ausreichend Mittel für nicht ESG-konforme Projekte zur Verfügung haben und sich deshalb nicht umfangreich mit dem Thema auseinandersetzen müssen.

Zudem werden die M&A-Preise nicht so stark wie erwartet durch ESG beeinflusst. Nur zehn Prozent sehen bei ESG-Faktoren einen signifikanten Einfluss auf den Kaufpreis, 28 Prozent denken, dass es keine erheblichen Auswirkungen auf die M&A-Bewertungen gibt und rund 55 Prozent sind sich über die Einflüsse auf den Kaufpreis unsicher. Erst wenn die Kriterien sich tatsächlich im Kaufpreis niederschlagen, werden sich M&A-Chefs der Unternehmen vermutlich eingängiger mit dem Thema befassen. „ESG ist im Transaktionsmarkt noch ein relativ junges Phänomen“, findet auch Dr. Tobias Grau, auf Transaktionen spezialisierter Partner der internationalen Wirtschaftskanzlei CMS. Es setze sich aber die Erkenntnis durch, dass ein gutes Standing bei ESG-Kriterien für die erfolgreiche Zukunft einer Zielgesellschaft ein wichtiger Faktor ist. „Das bedingt eine gründliche Due Diligence – denn ‚Greenwashing‘ reicht nicht aus“, so Grau.

Hohe Auslastung im Markt

Neben dem Trend zu ESG prägt die hohe Auslastung aktuell den Markt. Die derzeitige Auslastung der befragten M&A-Berater und Investmentbanker ist derzeit so hoch wie nie zuvor. So beziffern die M&A-Berater das aktuelle Projektaufkommen im eigenen Haus, bezogen auf Deals mit Signing, in den vergangenen oder nächsten zwei Monaten auf einer Skala von -5 (stark unterdurchschnittlich) bis +5 (stark überdurchschnittlich) mit dem sehr hohen Wert 2,18 – der bislang höchste Wert seit Beginn der Befragung im Jahr 2011 lag im Frühjahr 2018 bei 2,14.

Die Höhe der Projektdichte hängt allerdings auch stark vom Schwerpunkt der jeweiligen M&A-Beratung ab. Am wenigsten beschäftigt sind derzeit Häuser, die vorwiegend Smallcap-Transaktionen betreuen. Sie bewerten ihr Aufkommen derzeit mit einem Wert von 1,6. Die Auslastung bei Mid- und Largecap-Beratern hingegen (Projektvolumen über 40 Millionen Euro) fällt deutlich höher aus. Ihr aktuelles Projektaufkommen entspricht derzeit einem Wert von 2,87, was einem Anstieg von 0,79 im Vergleich zum Frühjahr 2021 entspricht. „Die hohe Deal-Aktivität in allen Segmenten, Small-, Mid- und Largecap, können wir bestätigen“, sagt Dr. Oliver Wolfgramm, Partner bei CMS Deutschland. „Das umfasst nunmehr nahezu alle Branchen, nicht mehr nur die weniger konjunktursensiblen.“

Auch in den kommenden drei bis acht Monaten schätzen die M&A-Berater den Dealflow weiterhin als sehr hoch ein (2,58). Für die künftige Auslastung geben Mid- und Largecap-Berater einen Wert von 3,07 an; Smallcap-Berater beziffern ihre zukünftige Arbeitslast mit 2,17.

Höhere Aktivität in bisher schwachen Branchen

Aktuelle Projekte der Berater kommen derzeit nicht mehr nur aus den krisenfesten Branchen. Auch eher schwer vermittelbare Branchen konnten eine höhere Aktivität verzeichnen. Zwar ist die aktivste Branche weiterhin Software/IT mit einem Wert von 8,88 (10 steht für eine sehr hohe Aktivität). Damit stieg der Wert noch einmal, im Vergleich zur Befragung im Frühjahr 2021, an. Damals betrug dieser 8,59. Der Wert im Bereich Pharma/Healthcare hingegen hat im Vergleicht zum Frühjahr nachgelassen (8,07, aktuell 7,85); gleiches trifft für die drittaktivste Branche, Handel/E-Commerce, zu (aktuell 7,08, Frühjahr 2021: 7,4). Dagegen konnten bisher wenig attraktive Branchen zulegen. Die Aktivität im Bereich Automotive konnte im Vergleich zum Frühjahr (4,71) auf 4,97 zulegen. Ebenso die Branche Transport und Logistik. Hier konnte ein Zuwachs um 0,12 auf den Wert 5,91 verzeichnet werden.

Unternehmenswachstum über M&A als Dealtreiber

Nach der akuten Coronakrise steht bei Unternehmen das Thema „Wachstum beschleunigen“ wieder ganz oben auf der Agenda. Mit 7,76 (10 steht für einen sehr wichtigen Dealtreiber) ist Wachstum der aktuelle Haupttreiber für M&A. Darauf folgen die Expansion in neue Märkte (7,52) und die Erweiterung des Produkt- und Technologieportfolios (7,48). Die Prioritäten haben sich demnach im Vergleich zum Frühjahr nur geringfügig verschoben. Die befragten M&A-Berater und Investmentbanker bringen, neben dem Wachstum (7,97), noch zwei weitere Deal-Treiber ins Spiel: Die Branchenkonsolidierung (7,28) und die Erhöhung des Marktanteils (7,14).

Außerdem stehen aktuell viele Zielunternehmen zum Verkauf. Der These, dass strategisch attraktive Übernahme-Targets auf dem Markt sind, stimmen die befragten M&A-Professionals mit dem Wert 6,93 zu, wobei 10 für eine hohe Zustimmung steht. „Robuste Kauflust und ein hohes Angebot an attraktiven Targets wirken wie ein Turboantrieb für die M&A-Aktivität“, sagt M&A-Experte Dr. Tobias Grau. Allerdings können, dem M&A-Anwalt zufolge, die steigenden Energiepreise sowie Probleme bei der Lieferkette zum Spielverderber werden.

Private Equity rückt als Finanzierungsquelle weiter in den Vordergrund

Die weitere gute Nachricht: Auch Akquisitionsfinanzierungen sind aktuell sehr leicht zu bekommen. Mit 6,21 von 10 Punkten sehen sich M&A-Profis derzeit in einem extrem guten Finanzierungsumfeld. Einen ähnlich hohen Wert gab es zuletzt im Sommer 2015 (6,47). Jedoch bleibt abzuwarten, wie sich die steigende Inflation auf die Finanzierungsverfügbarkeit und die M&A-Preise auswirken wird. Im Bereich der Finanzierungsquellen steht immer noch die eigene Liquidität mit einem Wert von 7,9 (10 steht für sehr hohe Wichtigkeit) an erster Stelle. Das ist der niedrigste Wert seit 2017, was sich sicherlich auch auf die wirtschaftliche Entspannung zurückführen lässt. Dahinter folgen Bankkredite mit 6,59 als zweitwichtigste Kapitalquelle, gefolgt vom Anleihemarkt (5,69) und Kapitalerhöhungen (5,0). Insgesamt rückt aber noch eine weitere Finanzierungsquelle in den Fokus. Mit 4,59 liegt die Finananzierungsquelle Private Equity zwar deutlich unter den anderen Werten, doch legte dieser Wert, im Vergleich zum Frühjahr 2021 (damals bei 3,24), am deutlichsten zu.

Dennoch ist das Verhältnis zwischen Private Equity und Strategen insgesamt eher zwiegespalten. Einerseits sind sie gerngesehene Kapitalgeber, anderseits sind sie ebenso Rivalen bei der Suche nach dem nächsten Plattform-Deal oder einem Add-on für ein Portfoliounternehmen. Die These, dass Strategen im Wettbewerb mit Finanzinvestoren im Vorteil sind, wird von den Befragten lediglich mit 4,9 bejaht (10 steht für vollkommene Zustimmung). So bewerten die Unternehmen Private Equity erstmals seit Beginn der Umfrage als schlagkräftiger als sich selbst. Eine Übermacht der Private-Equity-Investoren am deutschen M&A-Markt erkennt Rechtsanwalt Dr. Oliver Wolfgramm aber noch nicht: „Strategen und Finanzinvestoren sind jedenfalls auf Augenhöhe“, beobachtet er. „Es ist viel Geld im Markt, der Wettbewerb ist hoch und die Finanzierungskonditionen sind gut.“

(Pressemitteilung CMS vom 27.10.2021)


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