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Mehr politische Interventionen bei M&A-Transaktionen


Die Situation am deutschen Markt für Fusionen und Übernahmen ist weiterhin gut, jedoch steigt das Risiko politischer Interventionen. | © adiruch na chiangmai/fotolia.com

Die Situation am deutschen Markt für Fusionen und Übernahmen ist stabil gut. Das Risiko politischer Interventionen steigt aber. Bei der Finanzierung setzen M&A-Chefs stark auf eigene Liquidität, so das M&A-Panel 2017/II von CMS und Finance.

Viele M&A-Verantwortliche in deutschen Unternehmen sehen, dass das Risiko politischer Interventionen zunimmt: Für 60% der Befragten ist das Risiko in den vergangenen fünf Jahren leicht gestiegen. 11% machen sogar einen sehr starken Anstieg aus. Eine sinkende Einflussnahme sieht dagegen kein Teilnehmer. Die Autoren der Studie stellen fest, dass die Prüfung etwaiger staatlicher Interventionsmöglichkeiten und -risiken in der Vorbereitungs- beziehungsweise Anfangsphase einer Transaktion eine immer größere Rolle spielt.

Dabei wird der Einfluss staatlicher Interventionen als stark branchenabhängig eingestuft. Besonders anfällig seien für die M&A-Verantwortlichen in den Unternehmen die Rüstungsindustrie (100%) und die Luftfahrt (90%). Hier würde sich nur eine Entwicklung verstärken, die ohnehin schon angelegt gewesen sei. Transaktionen im Rüstungsbereich und rüstungsnahen Branchen unterlagen auch in der Vergangenheit besonderen Anforderungen. Dies fängt bereits bei der Due Diligence an.

Politische Einflussnahme als Transaktionsrisiko

Aktuell wollen sich die M&A-Profis der Unternehmen im Vorfeld von M&A-Transaktionen noch nicht intensiv mit politischen Gremien, wie der US-Behörde für Auslandsinvestitionen (CFIUS), beschäftigen. Auf einer Intensitätsskala von 1 bis 10 positionierten sich die Befragten beim Wert 5,00 (10 = sehr intensive Beschäftigung). Letztlich handele es sich um ein weiteres regulatorisches Transaktionsrisiko, das im Vorfeld genau analysiert werden müsse. Sofern die Parteien bereit seien, dieses Transaktionsrisiko in Kauf zu nehmen, müsse im Vertrag durch klare Regelungen zu den Rechten und Pflichten adäquat Vorsorge getroffen werden. Laut der Studienautoren sind Unternehmen vermehrt dazu bereit, auch ein Scheitern aufgrund kartellrechtlicher Untersagung in Kauf zu nehmen.

In Deutschland liegt die Verantwortung für die Prüfung von Auslandsinvestitionen beim Bundeswirtschaftsministerium. Ob auch hierzulande die bestehenden rechtlichen Möglichkeiten zur Kontrolle und zum Verbot ausländischer Direktinvestitionen mittel- bis langfristig verschärft werden, darüber haben sich die Panelisten noch kein einheitliches Bild gemacht. Die Corporate-M&A-Vertreter positionierten sich zu dieser These durchschnittlich bei dem Wert 5,72 (10 = sehr wahrscheinlich). Nach Einschätzung der Studienautoren wird es keine nationalen Alleingänge in Europa geben. Vielmehr würde diskutiert, bestehendes EU-Recht zu ergänzen, um den Mitgliedsstaaten mehr Möglichkeiten zu geben, unliebsame Investoren draußen zu halten.

Bedeutung von Bankkrediten als Finanzierungsmöglichkeit nimmt ab

Für die Corporate-M&A-Chefs ist die eigene Liquidität weiterhin das mit Abstand wichtigste Finanzierungsinstrument. Sie bewerten deren Stellenwert mit 8,17 (10 = sehr wichtiges Finanzierungsinstrument). Die Bedeutung der Bankenfinanzierung nimmt weiter ab und wird aktuell mit einem Wert von 5,56 bewertet. Leicht zugelegt hat die Bedeutung von Private-Equity mit einem Wert von 3,78.

Der wichtigste Dealbreaker sind nach Ansicht aller Befragten weiterhin divergierende Preisvorstellungen. Mit einem Wert von 6,89 bei den Corporate-M&A-Chefs und 6,00 bei den M&A-Beratern und Investmentbanken sind negative Befunde aus der Due Diligence der zweitwichtigste Grund für das Scheitern von Verhandlungen. Die Bedeutung der Due Diligence hat wieder zugenommen, so die Autoren der Studie. Insbesondere für US-Investoren war eine umfangreiche Due Diligence schon immer wichtig. Aber auch europäische Unternehmen würden inzwischen verstärkt ihr Augenmerk auf eine intelligente Due Diligence richten. Das unsichere politische Umfeld trage dazu bei, da sich in dieser Situation kein Unternehmenslenker handwerkliche Schnitzer bei einer Transaktion vorwerfen lassen möchte.

Mehr Aufträge für die M&A-Berater

Laut des M&A-Panels schätzen die M&A-Berater ihre eigene Auslastung nach wie vor als überdurchschnittlich ein und blicken positiv in die Zukunft. Das Projektaufkommen ist im Vergleich zur Februar-Umfrage sowohl bei Beratungshäusern mit Fokus auf Mid- und Largecap als auch im Smallcap-Segment leicht gestiegen. Auch das zukünftige Projektaufkommen mit Deal Signing in den folgenden drei bis acht Monaten wird positiv geschätzt. Smallcap-Berater sehen einen Anstieg von derzeit 1,71 auf 1,95 (Skala von –5 bis +5, wobei der Wert 0 einem durchschnittlichen Projektaufkommen entspricht). Mid- und Largecap-Berater rechnen mit einem Anstieg des Projektaufkommens von aktuell 2,00 auf 2,41.

Weitere Ergebnisse M&A-Panels finden Sie hier zum Download.

(Pressemitteilung CMS Hasche Sigle vom 14.06.2017)


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