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Mehrheit der Deutschen befürchtet Altersarmut


Fast zwei Drittel der deutschen Arbeitnehmer sehen ihrem Altersruhestand mit Skepsis entgegen und haben Angst vor Verarmung im Ruhestand. | © DOC RABE Media/fotolia.com

Fast zwei Drittel der deutschen Arbeitnehmer sehen ihrem Altersruhestand mit Skepsis entgegen. Sie haben keine oder unklare Vorstellungen von ihren staatlichen Rentenleistungen und sehen die Notwendigkeit zusätzlicher Sparmaßnahmen. Die betriebliche Altersvorsorge (bAV), die aktuell durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz der Bundesregierung gefördert werden soll, könnte zur Lösung des Problems beitragen. Doch wie die Deloitte-Studie „bAV zwischen Wunsch und Wirklichkeit“ zeigt, nutzen nur 26% der Arbeitnehmer derzeit die betriebliche Altersvorsorge mit eigenen Beiträgen.

Und nur 11% der Arbeitnehmer erhalten eine vom Arbeitgeber finanzierte betriebliche Altersvorsorge, mit der sie auch zufrieden sind. Der gesetzlichen Rente vertraut die Mehrheit nicht, wobei nur wenige wissen, wie hoch diese tatsächlich ausfällt. Daher besteht Handlungsbedarf bei der Gestaltung attraktiver Angebote und Information der Arbeitnehmer über die Möglichkeiten der bAV.

„Die Ergebnisse der Studie machen deutlich, wie viel Luft nach oben es bei der bAV noch gibt. Um die Zahl der Nutzer zu steigern, müssen die tatsächlichen Wünsche der Arbeitnehmer stärker berücksichtigt werden. Einige Elemente des Betriebsrentenstärkungsgesetzes weisen in die richtige Richtung, andere widersprechen den derzeitigen Vorstellungen der Arbeitnehmer aber sogar. In welchem Maße und in welchem Zeitraum die bAV gestärkt werden wird, ist daher fraglich“, erklärt Peter Devlin, Partner Human Capital Advisory Services.

Informationsbedarf bei Rentenvorsorge

Nur 39% der deutschen Arbeitnehmer sehen dem Ruhestand sorglos entgegen. Alle anderen gehen davon aus, dass die gesetzliche Rente gerade einmal die Hälfte des individuellen Bedarfs deckt. Immerhin 80% sparen aus diesem Grund zusätzlich Geld für das Alter. Am weitesten verbreitet ist dabei das Sparbuch bzw. Festgeldkonto. Zudem handeln viele auf gut Glück: Nur ein Drittel (37%) hat eine präzise Vorstellung von der Höhe der gesetzlichen Rente. Besonders uninformiert sind dabei die jüngeren Arbeitnehmer.

Geringe Zufriedenheit mit bAV

Aktuell profitiert nur eine Minderheit von einer arbeitgeberfinanzierten Altersversorgung – lediglich 40% haben einen Anspruch. 28% davon wissen jedoch nicht, um welche Summen es geht. Und 63% sind der Meinung, der Arbeitgeber sollte etwas mehr leisten. Die Offenheit gegenüber der Entgeltumwandlung, also der Verzicht auf einen Teil des Bruttogehalts, ist vergleichsweise hoch. Hier beklagen viele Arbeitnehmer insbesondere ein mangelndes Angebot ihrer Firma.

Mehrheit fühlt sich schlecht informiert

Das Problem liegt auch oft in der schlechten Informationslage. 65% der Arbeitnehmer fühlen sich nicht ausreichend oder gar nicht über bAV-Optionen informiert – und von den übrigen Befragten finden nicht alle die Informationen auch vertrauenswürdig, ganz gleich, ob diese von den Arbeitgebern, den Versicherungen oder dem Betriebsrat stammen. Dabei wünschen sich die meisten ein persönliches Beratungsgespräch, würden sich aber auch mit einer ausführlichen Broschüre zufrieden geben. Apps als Informationsquelle spielen bislang nur eine ergänzende Rolle.

Die Sicherheit entscheidet

Wenn die Arbeitnehmer ein bAV-Angebot in Anspruch nehmen, kommt es ihnen in erster Linie auf Sicherheit an – gegebenenfalls auch zulasten einer größeren, aber risikobehafteten Rendite. Wichtig sind den Befragten flexible Ein- und Auszahlungsoptionen (45% bzw. 42%). 40% bevorzugen die Kapitalleistung, 38% würden eine Rente wählen und 22% favorisieren Raten. Ein schrittweiser Übergang in den Ruhestand ist für 74% interessant.

„Arbeitnehmer stehen der bAV generell offen gegenüber. Dennoch glaubt nur die Hälfte der Befragten daran, dass auch die nächste Generation noch hiervon profitieren kann. Das Vertrauen in bestehende Modelle muss deshalb gestärkt werden. Für eine weitere Verbreitung der bAV müssten außerdem möglichst viele auch kleinere Unternehmen Angebote einführen und ebenso proaktiv wie kontinuierlich an ihre Mitarbeiter kommunizieren“, resümiert Devlin.

Die Studie finden Sie hier zum Download.

(Pressemitteilung Deloitte vom 09.06.2017)

 


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