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Private Equity-Markt: Finanzinvestoren tätigen Rekordzahl an Deals in Deutschland


Finanzinvestoren tätigen im ersten Halbjahr 2021 eine Rekordzahl an Deals in Deutschland. Laut einer EY-Analyse gab es mit 156 Transaktionen in den ersten sechs Monaten einen Bestwert. Die Birkenstock-Übernahme für 3,8 Mrd. € war hierbei der größte Private Equity-Deal. | © pichetw/fotolia.com

Der deutsche Private Equity-Markt hat sich mit einer Rekordzahl an Deals von der Corona bedingten Zurückhaltung gelöst: Finanzinvestoren tätigten hierzulande 156 Deals in den ersten sechs Monaten – das markiert einen Höchstwert im Vergleich aller bisher untersuchten Halbjahre. Das sind Ergebnisse einer Analyse des deutschen Private Equity-Marktes durch das Prüfungs- und Beratungsunternehmen EY.

Die Übernahme des Schuhherstellers Birkenstock durch die Investmentgesellschaft L Catterton und Financière Agache war mit 3,8 Mrd. € die größte Akquisition durch einen Private Equity-Fonds im ersten Halbjahr. Den zweiten Megadeal im Wert von mehr als 1 Mrd. € schloss Apax Partners SAS mit der Übernahme des Brillenherstellers Rodenstock für 1,5 Mrd. € ab. Insgesamt ist damit die durchschnittliche Dealgröße gesunken – in den ersten sechs Monaten dominierten vor allem kleinere und mittelgroße Transaktionen, so die EY-Analyse.

Birkenstock-Übernahme für 3,8 Mrd. € größter Private Equity-Deal

Das Gesamtvolumen erreichte laut der Studie 12,3 Mrd. € – der zweitbeste Wert für ein erstes Halbjahr seit Erstellung der Studie. Lediglich im Vorjahreszeitraum wurde mit 24,2 Mrd. € ein noch höherer Wert erzielt, der zum großen Teil auf den Rekord-Buy-out der thyssenkrupp Aufzugssparte für 17,2 Mrd. € zurückzuführen war. Allerdings brach im Vorjahreszeitraum die Zahl der Transaktionen auf nur noch 94 ein.

Strategische Investoren investieren im Durchschnitt weniger

Strategische Investoren kamen im Vergleich dazu mit deutlich weniger Dynamik aus der Corona-Krise zurück: Die Zahl der Deals lag mit 250 leicht über dem Niveau des Vorjahreszeitraums (236). Der Transaktionswert erreichte 13,9 Mrd. € – laut der Analyse der drittniedrigste Wert für ein erstes Halbjahr in den vergangenen zehn Jahren.

156 Transaktionen in den ersten sechs Monaten markieren Bestwert für ein erstes Halbjahr

Finanzinvestoren haben sich schnell von der Corona-Krise erholt und der Studie zufolge, eine Rekordzahl an Transaktionen in Deutschland getätigt. Die Unsicherheit aus dem Jahr 2020 scheint verflogen zu sein – und das Deal Tempo wird aufgrund von wachsenden Fondvolumen und einem hohen Level an Dry Powder weiter zunehmen. Transaktionen werden zudem maßgeblich von den Trends ‚Innovative Arbeitsmodelle‘ und ‚neuen Technologien‘ beeinflusst, erklären die Studienautoren. Der Investmentfokus wird nach Einschätzung der Experten hierbei auf der Wertschöpfung im Bereich der Digitalisierung und Nachhaltigkeit beziehungsweise ESG liegen.

Strategische Investoren halten sich vergleichsweise zurück

Strategische Investoren treten dagegen deutlich zurückhaltender auf. Sie sind laut der Analyse stärker von den Lockdown-Maßnahmen getroffen worden und viele haben sich zunächst darauf konzentriert, das Kerngeschäft zu stabilisieren, anstatt neue Investitionen zu tätigen.

Finanzinvestoren veräußerten Beteiligungen im Wert von 2,5 Mrd. € an strategische Investoren – ein Rückgang um 1,5 Mrd. € im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Allerdings erhöhte sich die Anzahl der Verkäufe an diese Investorengruppe im gleichen Zeitraum von 28 auf 36.

Finanzinvestoren bringen mehr Unternehmen an die Börse – sieben im ersten Halbjahr

Finanzinvestoren haben auf der Suche nach Alternativen offenbar das Börsenparkett neu für sich entdeckt: Das erste Halbjahr war geprägt von gleich sieben Börsengängen von Unternehmen aus dem Portfolio von Finanzinvestoren, die zusammen 3,3 Mrd. € einbrachten. In den vergangenen fünf Jahren gab es maximal zwei IPOs von Portfoliounternehmen pro Halbjahr.

Nach Aussage der Studienautoren sind strategische Investoren in der Regel bereit, hohe Preise zu zahlen, weil sie gute Synergieeffekte erzielen können. Derzeit halten sie aber lieber noch ihr Geld zusammen. Bei vielen Unternehmen stehen Programme zur Kostenreduktion und Effizienz auf dem Plan – Zukäufe passen momentan vor allem dann in die Strategie, wenn sie das Kerngeschäft ergänzen und als günstige Gelegenheit wahrgenommen werden. Hinzu kommt laut der Analyse, dass das Börsenumfeld sehr attraktiv war und IPOs höhere Preise erzielt haben, als durch Weiterverkäufe möglich gewesen wäre.

Unternehmen im IT-Sektor stark gefragt

Mit 46 Transaktionen haben Finanzinvestoren im ersten Halbjahr 2021 die meisten Übernahmen im IT-Sektor getätigt. Im Industrie- und Bausektor wurden 17 bzw. 15 Transaktionen getätigt. Das höchste Volumen von insgesamt 5,1 Mrd. € hat jedoch der Konsumgütersektor verzeichnet – hauptsächlich aufgrund der Birkenstock-Übernahme.

Die Digitalisierung als Megatrend verändert die Geschäftsprozesse in einem noch nie dagewesenen Tempo, erklären die Autoren der Studie. Finanzinvestoren haben daher insbesondere Unternehmen aus dem Bereich der Informationstechnologie im Blick. Diese passen demnach mit ihren zukunftsorientierten Lösungen gut in die Portfolios zahlreicher Kaufinteressenten.

(Pressemitteilung EY vom 03.08.2021)


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