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02.02.2022

Schlechte M&A-Kommunikation kann Unternehmensübernahmen um bis zu 20% verteuern

Autokonzerne auf der Überholspur

©aksanakoval / 123rf

In einer über vier Teile angelegten Umfrage haben der Berufsverband der Investment Professionals DVFA und SMS Strategic Management Solutions ein umfassendes Bild über M&A-Transaktionen gezeichnet, deren letzter Teil die Kommunikation in den Fokus nimmt. In den ersten Teilen der Befragung ging es um Transaktionsstrukturen und Finanzierung (2/2019), Auswirkungen von Fusionen und Übernahmen (10/2019) sowie Transaktionshintergründe (1/2021). Im Zentrum der vierten Befragung stand nun die Kapitalmarktkommunikation im Rahmen von M&A-Transaktionen.

„Added value“ und „competitive advantage“

90% aller Investment Professionals geben in der aktuellen Umfrage an, dass die Kapitalmarktkommunikation im Rahmen einer M&A-Transaktion eine hohe (46%) bzw. sehr hohe (44%) Bedeutung hat. So ist es aus Sicht der Investoren und Analysten selbstverständlich von besonderem Interesse, vom Emittenten im Rahmen der Veröffentlichung von M&A-Details jeweils eine saubere Darstellung der Auswirkungen auf die Equity Story, das Rating und die erwarteten Synergien zu bekommen. Es geht damit letztlich um die Vermittlung des „added value“ und des „competitive advantage“, und damit darum, die wirtschaftlichen Auswirkungen einer Transaktion besser einschätzen zu können.

Schlechtes Zeugnis für M&A-relevante Kommunikation

Besonders wichtig sind den DVFA Investment Professionals Informationen über Wachstums- und Ertragsaussichten sowie über die strategische Ausrichtung. Als weitere wichtige Aspekte wurden Auswirkungen auf die Geschäftsmodelle, die Darstellung der Transaktionsfinanzierung und Informationen über zu erwartende Synergien und technologische Aspekte genannt. Gleichzeitig sieht die überwiegende Mehrheit der Investment-Professionals in allen Kommunikationsbereichen deutlichen Verbesserungsbedarf. Mehr noch: gerade in den Kommunikationsbereichen, die von den Analysten als besonders wichtig eingeschätzt werden scheinen die Mängel in der Kommunikation besonders groß zu sein. Dieses Ergebnis wirft den Studienautoren zufolge nicht zuletzt erhebliche Fragen dahingehend auf, ob die Emittenten zum einen über ausreichende Kenntnisse hinsichtlich der Informationsbedürfnisse des Kapitalmarktes verfügen und zum anderen, ob die wertbestimmenden Faktoren von M&A-Transaktionen von ihnen richtig eingeschätzt werden.

Verbesserungen bei den Kommunikationsinhalten erforderlich

Die alte Erkenntnis, dass die Qualität der Investor Relations-Arbeit einen erheblichen Einfluss auf die Börsenbewertung hat, trifft laut der DVFA-Untersuchung uneingeschränkt auch auf die Kapitalmarktkommunikation im Zusammenhang mit Fusionen und Übernahmen zu.

Investor Relations und Bewertung

Erstmals wurde in diesem Zusammenhang auch ein Thema abgefragt, das für M&A-Transaktionen von besonderer Bedeutung ist, nämlich die Höhe des Bewertungsabschlags, den eine mangelhafte Kapitalmarktkommunikation verursachen kann: deutlich mehr als der Hälfte der befragten Investment Professionals sehen diesen bei über 10%. Immerhin 11% der Studienteilnehmer gehen sogar von einem Bewertungsabschlag von über 20% aus. Dies bedeutet, dass sich Unternehmensübernahmen, die über Kapitalerhöhungen oder eigene Aktien als Akquisitionswährung finanziert werden, nach Auffassung einer deutlichen Mehrheit der befragten Kapitalmarktteilnehmer bei schlechter M&A-Kommunikation um bis zu 20% verteuern. Die Bedeutung der M&A-Kommunikation darf daher keineswegs unterschätzt werden, warnt die Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management.

Kurze Reaktionszeit für Investment Professionals bei M&A-Transaktionen

In direktem Zusammenhang mit der Bewertung einer Transaktion steht die ebenfalls erstmals erhobene Reaktionszeit, die den Analysten bis zur Abgabe einer Einschätzung der Transaktion zur Verfügung steht. Nahezu die Hälfte der Befragten gab an, nur bis zu drei Stunden Zeit für die Einschätzung einer M&A-Transaktion zur Verfügung zu haben. 28% stehen zwischen drei und sechs Stunden zur Verfügung, nur 24% der Befragten haben dafür einen Tag oder länger Zeit. Die extrem kurzfristigen Reaktionsanforderungen unterstreichen zusätzlich die Forderung nach hochwertiger Kapitalmarktkommunikation im Zusammenhang mit M&A-Transaktionen, stellt der Berufsverband der Investment Professionals fest.

Laut der Studienautoren zeigt die Untersuchung deutlich den Zusammenhang zwischen der Qualität der Kapitalmarktkommunikation und der Unternehmensbewertung. Gerade im Zusammenhang mit M&A-Transaktionen sei dies von herausragender Bedeutung und bestimmt oftmals den wirtschaftlichen „Preis“, den die Aktionäre für einen Zukauf zu entrichten haben.

Eine schnelle, ehrliche, kompetente und glaubwürdige Kommunikation könne einen echten Mehrwert generieren. Ein Kommunikationsleitfaden M&A würde die Arbeit der Kapitalmarktexperten sinnvoll unterstützen, wie auch die Mehrheit der Befragten meint, so das Fazit der Studienautoren.

Die vollständige Auswertung des vierten Teils der DVFA-Umfrage „Mergers & Acquisitions aus der Sicht von Analysten“ sowie die ersten drei Teile finden Sie hier.


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