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18.04.2018

Studie: Banken zahlen hohen Preis für Regulierung

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© Zerbor - Fotolia.com

Die jährlichen Gesamtkosten für regulatorische Anforderungen der großen Institute werden laut einer aktuellen Studie auf rund 37 Mrd. USD geschätzt; dies entspricht 39% der gesamten Kapitalmarktkosten im Jahr 2016.

Die Association for Financial Markets in Europe (AFME) und PwC haben heute eine neue Ex-post-Studie über die Auswirkungen der Neuregulierung auf die Kapitalmarktaktivitäten von Banken veröffentlicht.

Während die möglichen Reaktionen der Banken auf regulatorische Reformen bereits in zahlreichen vorausschauenden Studien untersucht wurden, analysiert diese neueste Studie als Erste, wie die Banken tatsächlich 10 Jahre nach der weltweiten Finanzkrise mit den geänderten aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen umgehen.

Parallel zum Abschluss des Reformprogramms seitens der globalen Aufsichtsbehörden im Anschluss an die Krise wurde PwC von der AFME beauftragt, die Rolle der Regulierung als Katalysator für Änderungen der Kapitalmarktaktivitäten von Banken zu bewerten.

Dazu Simon Lewis, Chief Executive bei AFME: „Die Vorteile des Regulierungsrahmens im Anschluss an die Krise stehen außer Frage. Nun ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um zu untersuchen, inwiefern dieser Rahmen die Kapitalmarktaktivitäten von Banken beeinflusst hat. Unsere Studie zeigt einen deutlichen Rückgang des weltweiten Kapitalmarktvermögens der Banken seit der Krise, der vor allem den aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen zuzuschreiben ist. Dieser klare Zusammenhang zwischen der Neuregulierung und ihren Auswirkungen auf die Kapitalmarktaktivitäten von Banken spricht stark dafür, dass die Behörden in der EU und weltweit vor der Vornahme zusätzlicher tiefgreifender regulatorischer Änderungen zunächst weitere Untersuchungen hinsichtlich der potentiellen Auswirkungen der entsprechenden Regelungen auf die Erbringung von Primär- und Sekundärmarktdienstleistungen für Endnutzer wie Unternehmen und Investoren in Auftrag geben sollten.“

Nick Forrest, Director bei PwC, kommentierte seinerseits: „Unsere Studie zeigt, dass sich die Neuregulierung seit der globalen Finanzkrise maßgeblich auf den Rückgang der Bankbilanzsummen ausgewirkt hat – und zwar schwerwiegender als andere Wirtschafts- und Markttrends. Die bankenaufsichtsrechtlichen Bestimmungen haben zu einer besonders deutlichen Verknappung der Bilanzkapazität von Banken zur Unterstützung der Ausgabe und Vermarktung von Unternehmensanleihen, Aktien und ähnlichen Absicherungsinstrumenten sowie der Sekundärmarkthandelsaktivitäten mit diesen beigetragen. Dies kann letztlich zu Zugangsbeschränkungen und höheren Kapitalbeschaffungskosten für die Kreditaufnahme auf Seiten der Unternehmensschuldner führen.“

Die Studie stützt sich auf Daten von 13 ausgewählten globalen Banken, die zusammen 70 % der weltweiten Kapitalmarktaktivitäten repräsentieren. Die Daten stammen aus drei Jahren: 2005, 2010 und 2016 als letztes Jahr, für das vollständige Daten vorliegen.

Nachstehend einige der wichtigsten Ergebnisse der Studie:

  • Die jährlichen Gesamtkosten für regulatorische Anforderungen, die bei den 13 Banken in unserer Auswahl für Kapitalmarktaktivitäten anfallen, werden auf rund 37 Mrd US$ geschätzt; dies entspricht 39 % der gesamten Kapitalmarktkosten im Jahr 2016.
  • Die Hauptkostentreiber in Zusammenhang mit regulatorischen Anforderungen sind die Vorschriften für Eigenkapital und Fremdmittel. Sie machen fast 90 % der gesamten aufsichtsrechtlichen Auswirkungen aus.
  • Die Neuregulierung führte zu einer Verringerung der (Vorsteuer-) Rendite an den Kapitalmärkten (Return On Equity; ROE) um 14 Prozentpunkte von 2010 bis 2016 (von 17 % auf 3 %) vor schadensbegrenzenden Maßnahmen der Banken durch Verringerung ihres Kreditvolumens im Verhältnis zu ihrem Eigenkapital (Deleveraging), Kostensenkungen oder Neubewertungen. Nach den genannten Maßnahmen erholte sich die Gesamtkapitalrendite (ohne Einmalaufwendungen) bis 2016 wieder auf 11 %.
  • Die Zinsen und die Aktivitäten im Kreditgeschäft waren im Hinblick auf die Kapitalrendite am stärksten von den regulatorischen Änderungen betroffen.
  • Die höheren Kosten für regulatorische Anforderungen und die niedrigen Renditen waren wesentliche Gründe für die Reduzierung der Risikoaktiva von Banken im Rahmen ihrer Kapitalmarktaktivitäten.
  • Die Neuregulierung war allein bereits für rund zwei Drittel der Abnahme des Kapitalmarktvermögens der ausgewählten Banken um netto 39 % zwischen 2010 und 2016 verantwortlich, mit deutlichen Rückgängen bei Zins-, Kredit-, Rohstoff- und Aktienanlagen.
  • Einige der Vermögenswertänderungen lassen sich auch durch makroökonomische Trends und andere Faktoren nicht-regulatorischer Art erklären.
  • Die allgemeinen Tendenzen zum Deleveraging in allen Regionen weisen darauf hin, dass dieses Phänomen weltweiter Natur ist und sich nicht auf einzelne Unternehmen oder Gebiete beschränkt.

In der PWC-/AFME-Studie wurden Informationen bis zum Jahr 2016 erfasst. Daten zu den Auswirkungen der jüngst erfolgten Einführung der MiFID II / MiFIR oder zu den Reaktionen der Banken auf die bevorstehende Implementierung der strukturellen Liquiditätsquote (Net Stable Funding Ratio; NSFR) sowie zu den verbleibenden Basel III-Eigenkapitalreformen werden folglich in dieser Studie nicht berücksichtigt. In Verbindung mit den Kapitalmarktergebnissen der Banken für 2017 betrachtet, deutet dies stark auf eine wahrscheinliche Fortsetzung der in der Studie gezeigten Trends hin.

Die AFME empfiehlt, dass die europäischen und internationalen Behörden weitere Ex-post- Studien der entsprechenden kumulativen Auswirkungen durchführen sollten. In diesen Studien sollte insbesondere geprüft werden, welche Wirtschaftlichkeitsauswirkungen regulatorische Reformen für die Anbieter von Kapitalmarktprodukten auf dem Primär- und Sekundärmarkt haben, sowie für die Anreize und die Kapazität dieser Anbieter zum weiteren Angebot dieser Produkte für Endnutzer von Finanzdienstleistungen, wie etwa Unternehmen und Investoren. Besonderes Augenmerk sollte dabei auf die Erbringung von Dienstleistungen für die Markterschließung in den betroffenen Anlageklassen gelegt werden.

Weitere Informationen finden Sie hier.

(Pressemitteilung AFME vom 12.04.2018)


Redaktion

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