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Umfang der Quartalsberichterstattung für drittes Quartal 2016 leicht erhöht


Nahezu alle Unternehmen veröffentlichten zumindest die wesentlichen Zwischenabschlusstabellen bestehend aus Gewinn- und Verlustrechnung, Bilanz und Cash-Flow-Rechnung. | © vizafoto/fotolia.com

Eine aktuelle Studie zeigt die Entwicklung des Umfangs und Inhalts der Quartalsmitteilungen seit der Abschaffung der gesetzlichen Verpflichtung zur Quartalsberichterstattung für börsennotierte Unternehmen. Demnach wurde der Berichtsumfang nach einer deutlichen Kürzung für Q1 2016 gegenüber Q1 2015, für Q3 2016 insgesamt wieder leicht erhöht.

In einer von der Agentur für Finanz- und Unternehmenskommunikation Kirchhoff Consult AG in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton und der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. (DSW) durchgeführten Studie kommen die Experten zu dem Ergebnis, dass der Umfang der Quartalsberichterstattung indexübergreifend wieder etwas zugenommen hat, nachdem er in den Berichten für das erste Quartal 2016 noch deutlich rückläufig war. Hierfür wurden alle Quartalsberichte und -mitteilungen der Indices DAX, MDAX, TecDAX und SDAX für das dritte Quartal 2016 analysiert. Als Vergleichsgrundlage diente die Quartalsberichterstattung für das erste Quartal 2015 und das erste Quartal 2016.

Demnach sank der durchschnittliche Umfang aller untersuchten Publikationen von rund 41 Seiten für das erste Quartal 2015 auf etwa 30 Seiten für das erste Quartal 2016, wurde aber für das dritte Quartal 2016 wieder auf etwa 32 Seiten erhöht. Bei den DAX-Unternehmen allein erhöhte sich der Umfang durchschnittlich um etwa 5 Seiten, von rund 41 auf 46 Seiten pro Publikation. Auffällig ist, dass die Risikoberichte indexübergreifend im Durchschnitt rund 40 Prozent länger ausfielen als noch für das erste Quartal 2016.

Verglichen mit dem ersten Quartal 2016 (Q1 2016: 47,1 Prozent) blieb die Quote der Unternehmen, die im Untersuchungszeitraum ein Aktienkapitel veröffentlichten, mit 45,2 Prozent annähernd stabil. Ähnlich verhielt es sich beim Vorstandsvorwort: In den Berichten für das dritte Quartal 2016 war dieses in 29,7 Prozent der Fälle enthalten (Q1 2016: 29,0 Prozent).

Nur noch etwa jedes zehnte Unternehmen ließ im Untersuchungszeitraum eine pruferische Durchsicht seines Berichts vornehmen. Zum Vergleich: Bei den Berichten für das erste Quartal 2015 war es noch etwa jedes zweite Unternehmen.

Einen weiteren Rückgang gab es bei der Anzahl der Unternehmen, die einen Anhang mit erläuternden Angaben veröffentlichten: Indexübergreifend waren dies nur noch 54,2 Prozent (Q1 2016:  62,3 Prozent) der Gesellschaften. Hier waren es vor allem Unternehmen aus dem SDAX (Q1/Q3 2016: -17 Prozent) und dem MDAX (Q1/Q3 2016: -11 Prozent), die vermehrt darauf verzichteten. Entsprechend sank auch die Anzahl der Unternehmen, die IAS 34 anwandten, indexübergreifend auf 54,2 Prozent (Q1 2016: 58,7 Prozent).

Abschlusstabellen bleiben wesentliches Berichtselement

Wie bereits bei den Berichten für das erste Quartal 2016 veröffentlichten nahezu alle Unternehmen die wesentlichen Zwischenabschlusstabellen bestehend aus Gewinn- und Verlustrechnung, Bilanz und Cash-Flow-Rechnung. Auch die Darstellung der wichtigsten Kennzahlen am Anfang der Publikation blieb ein fester Bestandteil in den Berichten der Gesellschaften. Die Erläuterungen zu der Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage für das dritte Quartal 2016 wurden, verglichen mit den Berichten für das erste Quartal 2016, um durchschnittlich knapp 8 Prozent umfangreicher.

Umfang der Publikationen variiert teilweise stark

Obwohl die durchschnittliche Seitenzahl aller untersuchten Publikationen um 6 Prozent zunahm, zeigte die Untersuchung gleichzeitig, dass der Umfang der Quartalsberichterstattung mitunter sehr stark variiert. So reduzierten 9 der untersuchten 155 Unternehmen ihre Berichterstattung für das dritte Quartal 2016 noch einmal deutlich zwischen 40 und 90 Prozent, verglichen mit der Berichterstattung für das erste Quartal 2016. Zu diesen Gesellschaften zählen Takkt, CTS Eventim, Gea Group, Hella, MTU Aero Engines, BASF, Heidelberger Druckmaschinen, Hornbach und Vossloh. Eine Ausweitung der Berichterstattung, mit einem Plus zwischen 40 und 75 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2016, fand sich bei vier Gesellschaften – darunter RTL, Lanxess, Amadeus Fire und Puma. Evonik verdoppelte sogar den Umfang des Quartalsberichts von 16 auf 40 Seiten. Auffällig war zudem, dass neben Osram und Evotec nun auch DIC Asset, Vossloh und WashTec ihre Quartalsergebnisse nur noch in Form einer Präsentation veröffentlichten.

„Erfreulicherweise sind nahezu alle Unternehmen im Prime Standard unseren bereits Ende 2015 publizierten Best-Practice-Empfehlungen gefolgt und haben auch weiterhin einen aussagekräftigen Quartalsbericht oder eine entsprechende Mitteilung veröffentlicht“, sagt Klaus Rainer Kirchhoff, Vorstandsvorsitzender der Kirchhoff Consult AG.

Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V.: „Auch wenn insgesamt eine sehr uneinheitliche Quartalsbericht-erstattung der Unternehmen vorzufinden ist, zeigt die Studie, dass man sich auf Unternehmensseite nicht mit den Mindestanforderungen zufrieden gibt. Die Unternehmen sollten auch weiterhin nicht der Versuchung erliegen, ihre Kommunikation auf ein Mindestmaß zu reduzieren.“

„Transparenz und Fokussierung auf das Wesentliche stehen nach wie vor im Vordergrund. Das Thema Quartalsmitteilungen bleibt spannend“, ergänzt Tim Robinson, Associate Partner bei Warth & Klein Grant Thornton.

Hintergrund der Analyse ist, dass seit Ende November 2015 Unternehmen im Prime Standard nicht mehr verpflichtet sind, Quartalsberichte zu erstellen. Es genügt eine Quartalsmitteilung, die deutlich geringeren Transparenzpflichten unterliegt.

Die vollständige Studie finden Sie hier.

(Pressemitteilung Kirchhoff Consult vom 26.01.2017)


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