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Unternehmen wollen auch nach der Krise an Homeoffice festhalten


Die Unternehmen gehen davon aus, dass in Zukunft ein größerer Anteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten wird als vor der Krise. | © Robert Kneschke / fotolia.com

Die Corona-bedingten Anpassungen der Arbeitsorganisation haben vielen Unternehmen gezeigt, dass sich mehr Tätigkeiten für die Arbeit im Homeoffice eignen als bislang angenommen. Im unternehmensnahen Dienstleistungsbereich sind es mehr als 50% und im Verarbeitenden Gewerbe mehr als 40% der Unternehmen, die über solche digitalen Lerneffekte berichten. Zu diesen Ergebnissen kommt eine repräsentative Umfrage unter rund 1.800 Unternehmen der Informationswirtschaft und des Verarbeitenden Gewerbes, die das ZEW Mannheim durchgeführt hat.

Die flächendeckende Erkenntnis, dass zusätzliche Tätigkeiten ins Homeoffice verlagert werden können, verstärkt den Impuls, den die Corona-Krise auf die Verbreitung ortsflexibler Arbeit ausübt, berichten die Studienautoren. Aufgrund der neuen Erfahrungen und Erkenntnisse würden viele Unternehmen planen, Homeoffice auch nach der Krise intensiver zu nutzen als vor dem Beginn der Corona-Pandemie. Dabei musste etwa jedes dritte Unternehmen kurzfristig in neue Technologien investieren, um während der Krise Homeoffice zu nutzen, stellt das ZEW fest.

Corona-Pandemie führt zur langfristigen Ausweitung der Homeoffice-Angebote

Eine Mehrheit der Unternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten möchte laut der Untersuchung auch nach der Krise vermehrt auf Homeoffice setzen. Insbesondere in größeren Unternehmen führt die Corona-Pandemie zu einer langfristigen Ausweitung der Homeoffice-Angebote. So rechnen etwa 75% der Unternehmen in der Informationswirtschaft ab 100 Beschäftigten mit einer dauerhaften Ausweitung der Heimarbeit. Bei den Unternehmen mittlerer Größe liegt dieser Wert hingegen bei 64% und bei den kleinen Unternehmen mit 5 bis 19 Beschäftigten bei 40%. Im Verarbeitenden Gewerbe rechnet mehr als die Hälfte der großen Unternehmen mit dauerhaft vermehrtem Homeoffice durch die Krise.

Größere Unternehmen planen häufig bleibende Veränderungen

Eine mögliche Ursache für die auch nach der Krise stärkere Nutzung von Homeoffice ist die Erfahrung aus der Krise, dass weniger Tätigkeiten als bislang angenommen im Büro erledigt werden müssen, stellen die Studienautoren fest.  Auch diese Lehre aus der Krise ziehen vor allem größere Unternehmen. Insbesondere den Unternehmen ab 100 Beschäftigten in der Informationswirtschaft (83%) und im Verarbeitenden Gewerbe (70%) habe die Krise gezeigt, dass mehr Tätigkeiten fürs Homeoffice geeignet sind als bislang angenommen. Die Investitionen in neue Technologien, die für etwa jedes dritte Unternehmen notwendig waren, um während der Krise Homeoffice nutzen zu können, werden sich demnach auch langfristig auszahlen, so die Einschätzung der ZEW-Experten.

Im Verarbeitenden Gewerbe haben vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie nur in jedem vierten Unternehmen Beschäftigte regelmäßig im Homeoffice gearbeitet. Aktuell liegt dieser Wert bei fast 50%, und für die Zeit nach der Krise planen etwa 37% der Unternehmen, Homeoffice einzusetzen. Da sich gerade im Verarbeitenden Gewerbe nicht alle Tätigkeiten für die Arbeit von zu Hause eignen, ist der Anteil an Beschäftigten, die regelmäßig mindestens einmal wöchentlich im Homeoffice arbeiten, vergleichsweise gering, stellt die Erhebung fest. Allerdings wirke sich die Corona-Krise langfristig auf die Intensität des Homeoffice aus: In nur 4% der Unternehmen hat vor der Krise mindestens jeder zehnte Beschäftigte regelmäßig im Homeoffice gearbeitet. Nach der Krise soll dieser Anteil im Verarbeitenden Gewerbe laut der Studie auf 14% der Unternehmen und damit um mehr als das Dreifache ansteigen.

Intensität der Homeoffice-Nutzung steigt dauerhaft

Die Unternehmen gehen laut der Umfrage davon aus, dass in Zukunft ein größerer Anteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten wird als vor der Krise. Noch stärker seien die langanhaltenden Veränderungen in der Informationswirtschaft, welche die IKT-Branche, Mediendienstleister und wissensintensive Dienstleister umfasst. Schon vor der Krise setzte etwa jedes zweite Unternehmen in der Informationswirtschaft Homeoffice ein, da sich hier deutlich mehr Tätigkeiten für das ortsflexible Arbeiten eignen. Langfristig planen nun fast zwei Drittel der Unternehmen auch nach der Krise Homeoffice zu nutzen, erklären die Studienautoren. Zudem gehen die Unternehmen davon aus, dass ein steigender Anteil der Beschäftigten regelmäßig Homeoffice-Angebote in Anspruch nehmen wird. Während bislang nur in etwa jedem zehnten Unternehmen mehr als 20% der Beschäftigten regelmäßig im Homeoffice gearbeitet hatten, erwartet für die Zeit nach der Krise fast jedes dritte Unternehmen solch eine intensive Homeoffice-Nutzung. In der IKT-Branche plane sogar jedes zweite Unternehmen, dass nach der Krise mehr als 20% der Beschäftigten regelmäßig im Homeoffice arbeiten. Vor der Krise fand Homeoffice nur in jedem fünften IKT-Unternehmen breite Anwendung.

(Pressemitteilung ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung vom 06.08.2020)


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