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Volkswagen löst Toyota als umsatzstärkster Autokonzern ab


Westeuropa und China treiben Absatzwachstum, deutsche Konzerne verkaufen jedes dritte Auto in China. | © Olivier Le Moal/fotolia.com

Im Ranking der Autokonzerne ist Volkswagen im zweiten Quartal zum Umsatzweltmeister aufgestiegen, BMW ist bei der Marge vorn. Toyota konnte den höchsten Gewinn verzeichnen.

Dank eines Umsatzwachstums von knapp zwei Prozent ist Volkswagen im zweiten Quartal beim Umsatz an Toyota vorbeigezogen. Der japanische Autokonzern verzeichnete einen Umsatzrückgang von sechs Prozent auf umgerechnet 54 Mrd. €, während der Wolfsburger Konzern auf knapp 57 Mrd. € zulegen konnte. Beim Gewinn und beim Pkw-Absatz hatte hingegen Toyota die Nase vorn: Mit umgerechnet 5,3 Mrd. € erwirtschaftete Toyota den höchsten operativen Gewinn (Ebit) aller Autokonzerne – Daimler und GM landen auf den Plätzen zwei und drei. Beim Absatz lag Toyota mit 2,53 Mio. verkauften Pkw knapp vor Volkswagen (2,46 Mio.) und GM (2,40 Mio.).

Insgesamt verzeichneten die 16 größten Automobilkonzerne der Welt bei einem Absatzwachstum von drei Prozent ein leichtes Umsatzplus von 1,1 Prozent. Die deutschen Hersteller Volkswagen, Daimler und BMW entwickelten sich in Summe in beiden Disziplinen überdurchschnittlich gut und legten beim Absatz um sieben Prozent und beim Umsatz um drei Prozent zu.

Eingebrochen ist hingegen der operativen Gewinn der deutschen Konzerne: Insgesamt sank das Ebit der deutschen Autobauer um knapp ein Fünftel (BMW: plus acht Prozent; Daimler: minus 12 Prozent; Volkswagen: minus 46 Prozent), während die japanischen Hersteller einen Gewinnrückgang von neun Prozent verzeichneten. Die operativen Gewinne der US-Konzerne und der französischen Hersteller stiegen hingegen um 10 bzw. 36 Prozent.

Die Position als margenstärkster Autokonzern der Welt konnte BMW auch im zweiten Quartal verteidigen: Die Ebit-Marge des bayerischen Herstellers stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 10,5 auf 10,9 Prozent, während Toyota als zweitplatziertes Unternehmen einen Rückgang von 10,8 auf 9,7 Prozent hinnehmen musste. Daimler belegt mit einer operativen Marge von 8,4 Prozent den dritten Platz.

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Finanzkennzahlen der 16 größten Autokonzerne der Welt, die die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) quartalsweise erstellt.

„Der weltweite Automarkt hat einen Gang zurückgeschaltet“, kommentiert Peter Fuß, Partner bei EY. „Nachdem die Umsätze der größten Autokonzerne im Vorjahresquartal noch um zehn Prozent nach oben geschnellt waren, legten sie im abgelaufenen Quartal gerade einmal um ein Prozent zu. Einige wichtige Absatzmärkte – etwa Russland und Brasilien – befinden sich in einer tiefen Krise, in den USA stagnieren die Verkäufe auf hohem Niveau, derzeit sorgen nur noch Westeuropa und China für Wachstum.“

Westeuropa und China treiben das Absatzwachstum

Vor allem in Westeuropa lief es im zweiten Quartal gut: Insgesamt stiegen die Pkw-Verkäufe der analysierten Autokonzerne hier um neun Prozent, die deutschen Konzerne legten um acht Prozent zu. In China konnten die deutschen Autobauer ihren Absatz um neun Prozent erhöhen, während das Wachstum aller 16 Unternehmen bei sieben Prozent lag.

Dank der guten Entwicklung in China gewann das Reich der Mitte für die deutschen Autobauer im ersten Halbjahr weiter an Bedeutung: Fast jedes dritte Auto (32 Prozent) verkauften die deutschen Autokonzerne in China – im Gesamtjahr 2015 lag der Anteil Chinas am weltweiten Gesamtabsatz bei 31 Prozent, im Vorjahr bei 30 Prozent. „China ist weiterhin der wichtigste Wachstumstreiber für die deutschen Autobauer, während der US-Markt ihre größte Baustelle bleibt“, stellt Fuß fest. In den USA gingen die Verkäufe der deutschen Autobauer im zweiten Quartal deutlich – um sieben Prozent – zurück, der Gesamtmarkt schrumpfte nur um ein Prozent.

Airbag-Rückrufe, Rabatte und Diesel-Affäre drücken Gewinne

Die Hauptgründe für den Gewinnrückgang der deutschen Konzerne waren im zweiten Quartal zum einen die zusätzlichen Rückstellungen im Zusammenhang mit der rechtlichen Aufarbeitung der Diesel-Affäre aus, die das Ergebnis des Volkswagenkonzerns um 1,6 Mrd. € verringerten. Obendrein mussten die drei Unternehmen Rückstellungen im Zusammenhang mit möglicherweise fehlerhaften Takata Airbags in Höhe von insgesamt geschätzt 800 Mio. € vornehmen.

Zusätzlich drücken zum Teil hohe Rabatte auf die Gewinnmarge, beobachtet Fuß: „Die Weltkonjunktur schwächelt, der weltweite Pkw-Absatz wächst nur noch leicht, viele wichtige Absatzmärkte bleiben im Krisenmodus – da greifen die Anbieter gerade im Volumensegment vermehrt zu Rabatten, um die Verkäufe anzukurbeln und Marktanteile zu verteidigen oder zu gewinnen. Das belastet die Marge massiv.“

Fuß rechnet für die zweite Jahreshälfte mit einer weiterhin schwachen Wachstumsdynamik auf dem weltweiten Neuwagenmarkt: „In den USA dürfte der Zenit des jahrelangen Aufschwungs erreicht sein, dort wächst der Markt vorläufig nicht mehr. Und auch Europa wird beim Wachstum voraussichtlich bald das Ende der Fahnenstange erreichen – da ist nicht mehr viel Luft nach oben. Die Autokonzerne müssen sich auf niedrigere Zuwächse einstellen – der Verdrängungswettbewerb dürfte zunehmen.“

Für die deutschen Autobauer komme erschwerend hinzu, dass bei ihnen Diesel-Modelle einen besonders hohen Anteil am Gesamtabsatz haben – und der Diesel zunehmend ein Image-Problem hat, so Fuß: „Der Dieselantrieb steht derzeit massiv unter Druck, die Diskussionen über ein Diesel-Fahrverbot in Innenstädten oder über den Abbau von steuerlichen Vergünstigungen sorgen für Verunsicherung bei den Käufern. Obendrein dürften sich Dieselfahrzeuge aufgrund zusätzlicher technischer Maßnahmen zur Abgasreinigung und angesichts strengerer Grenzwerte und neuer Messmethoden zukünftig verteuern.“ Die Antwort müsse in zusätzlichen Anstrengungen in Sachen Elektromobilität bestehen, fordert Fuß: „Die deutschen Autobauer müssen jetzt umdenken, sie müssen ihr Engagement für Elektromobilität und für Innovationen im Bereich Vernetzung und Autonomes Fahren massiv erhöhen, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu sein und zeitgemäße Produkte und Dienstleistungen anbieten zu können.“

(Pressemitteilung EY vom 25.08.2016)


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