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Weltweite Risiken und wenige bezahlbare Investitionsziele bremsen M&A-Markt


© adiruch na chiangmai/fotolia.com

Die deutschen und auch die internationalen Unternehmen stehen vor einem Spagat: Der Druck zur Veränderung durch neue Technologien nimmt zu, doch wegen politischer Unsicherheit und zu wenigen geeigneten Kandidaten bleiben die Übernahmepläne bei vielen Unternehmen vorerst in der Schublade. So bereiten die digitale Transformation und die verwischenden Branchengrenzen den Entscheidern inzwischen am meisten Kopfzerbrechen: 31 Prozent der Unternehmen weltweit und 32 Prozent der Unternehmen in Deutschland bezeichnen diese und andere disruptive Kräfte mittlerweile als größte wirtschaftliche Risiken für ihr Unternehmen in den nächsten Monaten.

Allerdings planen insbesondere weltweit deutlich weniger Unternehmen Zukäufe in den kommenden zwölf Monaten – eigentlich ein probates Mittel, um sich schnell nicht vorhandenes Know-how ins Haus zu holen. Nur 46 Prozent der Unternehmen weltweit planen Zukäufe – der niedrigste Wert seit vier Jahren. In Deutschland geht der Übernahmeappetit zwar auch von 57 Prozent im April auf nun 55 Prozent zurück – allerdings liegt dieser Wert immer noch deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre von 42 Prozent.

Offenbar schrecken die Unternehmen regulatorische und politische Unsicherheiten wie der Brexit oder auch protektionistische Bestrebungen in vielen Ländern von weiteren Zukäufen ab: 46 Prozent weltweit und 39 Prozent in Deutschland nennen dies als größtes Risiko für den Abschluss von Deals. Hinzu kommt aber auch, dass der Markt nicht mehr viele attraktive Übernahmekandidaten hergibt. 23 Prozent der Unternehmen weltweit und 27 Prozent der Unternehmen in Deutschland haben nach eigenen Angaben inzwischen Schwierigkeiten, qualitativ hochwertige Dealmöglichkeiten zu finden.

Richtung Jahresende zeichnet sich daher auch eine Abkühlung ab: War das zweite Quartal mit einem Dealvolumen in Deutschland in Höhe von 78,6 Milliarden Euro noch das stärkste überhaupt seit der Jahrtausendwende, ging das Volumen im dritten Quartal auf 16,4 Milliarden zurück – der niedrigste Quartalswert in den vergangenen zwei Jahren.

Das sind Ergebnisse des aktuellen „Capital Confidence Barometer“ der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young). Basis der Studie ist eine Umfrage unter 2.500 Managern in Großunternehmen weltweit, davon 143 in Deutschland.

Constantin Gall, Partner und Leiter des Bereichs Transaction Advisory Services bei EY in Deutschland, Österreich und der Schweiz, beobachtet ein verändertes Akquisitionsverhalten bei den Unternehmen: „Die Unternehmen – und damit auch der M&A-Markt – werden derzeit von digitalen Transformationen getrieben. Allerdings sehen wir jetzt auch, dass neue Unsicherheiten wie der Handelskonflikt zwischen den USA und China, Zinserhöhungen oder Sorgen vor einer neuen Bankenkrise in Südeuropa die Investoren vorsichtiger werden lassen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Zahl der qualitativ hochwertigen Übernahmekandidaten begrenzt ist.“

Dealanzahl in Deutschland geht zurück

So war bereits das zweite Quartal in Deutschland trotz Rekordwertes bestimmt von wenigen aber teuren Deals: Die Zahl war mit 465 die geringste seit fünf Jahren. Im dritten Quartal markierten 355 Deals sogar den niedrigsten Wert überhaupt.

„In einigen Industriesektoren haben die Unternehmen nun erst einmal den Pause-Knopf gedrückt. Wir haben in den vergangenen Monaten eine hohe Investorenaktivität gesehen, weshalb der Markt hier und da etwas leergefegt ist. In diesen Bereichen fokussieren sich die Unternehmen nun darauf die Zukäufe zu integrieren und somit die gewünschten Effekte aus der Transaktion zu realisieren. Wir gehen davon aus, dass sich der M&A-Markt in Deutschland in den kommenden Monaten etwas beruhigt und damit auf nach wie vor hohem Niveau stabilisiert.“

Große Mehrheit erwartet eine bessere Entwicklung der Wirtschaft

Grundsätzlich ist die Stimmung unter den Unternehmenslenkern gut. 85 Prozent der Entscheider weltweit und 88 Prozent in Deutschland erwarten, dass sich die Weltwirtschaft in den kommenden Monaten besser entwickelt. In Deutschland erwarten außerdem knapp drei Viertel der Manager eine weitere Belebung des Binnenmarktes.

Auch wenn sie sich mit eigenen Übernahmeplänen zurückhalten, erwarten daher viele Unternehmen eine höhere M&A-Aktivität in den kommenden zwölf Monaten: 90 Prozent der Befragten weltweit und 94 Prozent in Deutschland gehen davon aus, dass der Markt sich stärker entwickeln wird.

„Der Optimismus ist erfreulich“, meint Gall, gibt aber zu bedenken: „Viele spannende Kandidaten sind schon vom Markt. Diejenigen, die noch verfügbar sind, sind deutlich teurer geworden, zumal auch zahlreiche Finanzinvestoren versuchen, ihr Geld in zukunftsträchtige Unternehmen zu investieren.“

Im kommenden Jahr könnte der Brexit zudem noch eine bremsende Wirkung entfalten. Über die Hälfte der Unternehmen in Deutschland und weltweit erwarten negative Auswirkungen auf Investitionen und Akquisitionen, wenn Großbritannien im März die EU verlässt. Selbst auf die Investitionen außerhalb Großbritanniens wird sich der Schritt nach Meinung der Mehrheit negativ auswirken.

(Pressemitteilung EY vom 28.10.2018)


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